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„La BETTLEROPERa“. Moritz Eggert mit einer radikalen Neuinterpretation des klassischen Stücks an der Neuköllner OperBarbara Hoppe war bei der Uraufführung dabei.

Es wird gesungen und getanzt, geschrien und gesprungen, gestritten, bedroht, betrogen, geliebt und gevögelt und irgendwie auch nicht. Es ist ja alles nur Spiel. The Beggar’s Opera, Mitte des 18. Jahrhunderts von John Gay  und Johann Christoph Pepusch in London erfunden und von Bertolt Brecht und Kurt Weill scheinbar auf ewig in die Form der „Dreigroschenoper“ gegossen, tobt seit Donnerstag von Ketten befreit über die Bühne der Neuköllner Oper. Mit explosiver Kraft zerschmettern Musik und Texte von Moritz Eggert sowie die Choreographie von Michela Lucenti – endlich! möchte man ausrufen – unsere althergebrachten Vorstellungen, die als erstes immer noch den Haifisch hervorsummen.

 

v.l.n.r.: Emanuela Sera als Polly, Christopher „Crsto“ Ciraulo als MacHeath, Sophia Euskirchen als Lucy / Foto: Matthias Heyde

Familie Lockit in Schwarz, Familie Peachum in Weiß und MacHeath, der Schwerenöter, der die Herzen beider Gauner-Töchter bricht, gestreift dazwischen. Das Milieu derb, Rotlicht und Huren allerorts, niemand ist zimperlich, und mitten drin dirigiert die athletische Nicole Kehrberger als Mrs. Trappola in Stiefeln und Lackhose ihre Mädchen und zeigt den Männern, wo es langgeht. Das Bühnenbild von Sabrina Rossetto bleibt zurückhaltend in Farben und Ausstattung – fahrbare Turmkästen fungieren als Freier-Separée ebenso wie als Gefängniszelle. Furios die Tanzeinlagen des gesamten Ensembles, flankiert von einem nimmermüden, sich lasziv bewegenden Balletto Civile. Grandios die Stimmen der international besetzten Darstellerriege, die in Deutsch, Englisch und Italienisch parliert und sich mit markanter Stimme mal zärtlich schmeichelnd, mal wütend laut und eindringlich, immer wieder ironisch bekannte Genres persiflierend, die Seele aus dem Leib singt.

Foto: Matthias Heyde

Doch was wären sie alle, ohne das Freiraum Syndikat, diese vier exzellenten Musiker, die in ihrem Musik-Repertoire vier Jahrhunderte umfassen, die aus Klassik, Jazz, Barock und Moderne immer wieder Neues schaffen und mit zwei Blockflöten, E-Gitarre und Cello eine Idealbesetzung für diesen Befreiungsschlag sind.

Das Publikum jubelt. Begeisterung für das Mitreißende, das Innovative, die enorme Leistung aller Beteiligten. Sie haben es mehr als verdient.

La BETTLEROPERa
Alle Termine noch bis November auf der Homepage der Neuköllner Oper
Moritz Eggert schreibt den BadBlog of Musick

Neuköllner Oper Berlin
Karl-Marx-Straße 131 – 133
12043 Berlin

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