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Duo Praxedis_5Musik haben sie schon immer gemacht, Praxedis Hug-Rütti und Praxedis Geneviève Hug. Aber erst seit 2009 treten Mutter und Tochter als weltweit einziges Duo an Harfe und Klavier gemeinsam auf. Es ist die Spielfreude der Romantik und der Klassik, die sie beflügelt, es sind deren heute nicht mehr so bekannten Komponisten, die das Duo Praxedis wiederentdeckt und damit das Publikum begeistert. Im Februar dieses Jahres erschien ihre wunderbare CD „Original Classics for Harp & Piano“ mit Werken von Malacarne, Rolla, Boieldieu und Woelfl. Pfingsten geben die Musikerinnen auch zwei Konzerte in Deutschland.

Feuilletonscout: Die Harfe und auch das Pianoforte erfuhren erst im 17. Jahrhundert größere Beachtung, als technische Neuerungen, neue Aufführungsformen und sich ein anderer gesellschaftlicher Musikgeschmack im aufkommenden Bürgertum entwickelten. Dadurch entstanden einige eigens auf die Harfe zugeschnittene Kompositionen, und auch die Aufnahme ins Orchesterensemble erfolgte. Heute ist diese Bedeutung wieder zurückgegangen. Empfinden Sie sich als Musikerinnen, die eine Nische besetzen?
Praxedis Geneviève Hug: Wir fühlen uns überhaupt nicht als Nischen-Musiker oder denken, dass Harfe und Klavier etwas Nischenhaftes haben. Beides sind ja auch solistische Instrumente, zu denen es viele Werke gibt, zwar nicht immer im Duo, aber bereits im 17. Jahrhundert waren sie als Duo bekannte und beliebte Instrumente. Und das hielt sich bis 1915. Bis dahin gab es unzählige Neukompositionen, die wir gerade wieder neu entdecken. Daher bezeichnen wir uns nicht als Nischenprodukt, sondern lassen diese Musik wieder aufleben.

Feuilletonscout: Aber so häufig gibt es die Kombination Harfe und Klavier heute doch noch nicht? Da sind Sie Pionier, oder?
Praxedis Geneviève Hug: Ja, genau. Wir sind weltweit das einzige Harfe-Klavier-Duo. Es gibt noch eine CD von einem Duo aus Frankreich, auf YouTube habe ich ein deutsches Duo gesehen, aber sonst gibt es niemanden.

Feuilletonscout: Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, alte Werke neu zu entdecken. Komponisten, die den meisten Zuhörern wohl eher unbekannt sind wie Domenico Malacarne, François-Adrien Boieldieu, Alessandro Rolla oder Joseph Woelfl, die man alle auf Ihrer aktuellen CD findet. Was fasziniert sie an deren Musik?
Praxedis Geneviève Hug: Die Stücke dieser Komponisten sind Originalwerke aus der Klassik. Uns fasziniert daran die unglaubliche Spielfreude von damals. Es ist eine fröhliche Spielmusik wie bei einer Spieluhr. Auch Beethoven hat ein Stück für eine Spieluhr geschrieben. Es ist ein unglaublich unbeschwertes Genre. Wir möchten den Leuten zeigen, was Harfe und Klavier vermögen und gleichzeitig die doch sehr unbekannten Komponisten wiederbeleben. Über Malacarne findet man fast nichts Historisches, auch Rolla ist nicht so bekannt, wenn auch etwas mehr als Malacarne, weil er auch andere Stücke komponiert hat. Woelfl hat drei Stücke für Harfe und Klavier geschaffen und war am Hofe von Esterházy. Boieldieu ist natürlich für seine großen Harfenkonzerte bekannt.

Feuilletonscout: Müssen Sie das Publikum von sich bzw. der Musik, die sie spielen, überzeugen?
Praxedis Geneviève Hug: Ja und Nein. Wenn man ein Programm mit so unbekannten Komponisten macht, ist es schwierig, Menschen ins Konzert zu locken. Sind sie dann aber dort, finden sie es unglaublich schön. Gerade Publikum, das gerne Mozart, Schubert oder Beethoven hört, mag unsere klassische Original-Musik sehr. Spätere Kompositionen aus der Romantik sind dann schon eher gängiger.

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Feuilletonscout: Sie geben auch Neukompositionen in Auftrag. Worin liegt für Sie der Reiz zwischen alter und zeitgenössischer Musik?
Praxedis Geneviève Hug: Zweimal im Jahr geben wir einen Kompositionsauftrag an einen Schweizer Komponisten, immer im Frühjahr und im Herbst. Mit diesem Neuwerk machen wir dann einige Konzerte. Wir möchten die Besetzung Harfe/Klavier in heutiger Zeit fortsetzen und über 1915 hinausführen. Zeigen, wie zeitgenössische Komponisten mit den Instrumenten umgehen. Im letzten Jahr haben wir eine CD herausgebracht, die ausschließlich zeitgenössische Züricher Komponisten vereint. Die Komponisten arbeiten sich richtig in die Instrumente ein, vor allem in die Harfe, die vielen nicht so geläufig ist. Wir arbeiten dabei intensiv zusammen. Meist kommen die Komponisten zu uns und wir zeigen dann, was sich für die Harfe gut eignet. Wir haben z.B. auch mal einen Auftrag für Harfe, Klavier und Blasorchester an Oliver Waespi, einem bekannten Schweizer Blasmusikkomponisten, vergeben. Dabei war es besonders wichtig, das Volumen der Harfe herauszuarbeiten, damit sie gegen die Bläser ankommt. Es hat sich gelohnt, das Werk wurde sensationell, eine Weltneuheit, welche in der Tonhalle Zürich uraufgeführt wurde.

Feuilletonscout: Worin liegt für Sie der Reiz zwischen dieser alten, fröhlichen und der zeitgenössischen Musik?
Praxedis Geneviève Hug: Wir finden es ganz toll, die großen Unterschiede zwischen den Originalwerken von heute und damals aufzuzeigen. Das ist wirklich ein großer Kontrast.

 

Feuilletonscout: Spielen Sie auch beides in Ihren Konzerten?
Praxedis Geneviève Hug: Ja. Im Frühjahr spielen wir meistens nur ein Neuwerk, das wir in klassische und romantische Originalwerke einbetten. Wir haben auch schon Konzerte nur mit zeitgenössischen Werken gespielt. Aber das ist gewöhnungsbedürftig.

Feuilletonscout: Wie reagiert darauf das Publikum?
Praxedis Geneviève Hug: Eigentlich nicht besonders außergewöhnlich. Es kommen schon Leute, die Freude daran haben, Neues zu entdecken, gerade auch für Harfe und Klavier. Auch wenn die Musik natürlich nicht so eingängig ist, aber durchaus neue Facetten, vor allem von der Harfe hervorbringt. Die zeitgenössischen Komponisten haben häufig ganz eigene Vorstellungen davon, wie sie die Harfe erklingen lassen möchten, dass man z.B. mit dem Stimmschlüssen oder den Nägeln ungewöhnliche Effekte erzielt.

Ein Moment mit ... Praxedis Geneviève Hug vom Duo PraxedisFeuilletonscout: Bei Ihren Auftritten tragen Sie eigens für Sie entworfene Kleider von namhaften Designern wie Jako Schläpfner, der auch die Queen of England oder Michelle Obama eingekleidet hat. Betrachten Sie sich und das Stück, das Sie spielen, als Gesamtkunstwerk?
Praxedis Geneviève Hug: Ja, das ist richtig. Wir möchten, dass sich die Musik in der Mode widerspiegelt. Es ist quasi ein Kunstwerk für Augen und Ohren.

Feuilletonscout: Haben Sie bestimmte Vorstellungen, wie die Kleider aussehen sollen? Sollen Sie die Verbindung zwischen alt und neu aufnehmen? Klassische Entwürfe, neu interpretiert?
Praxedis Geneviève Hug: Ich habe Modedesign studiert und mache die Zeichnungen zu meinen Entwürfen selber. Und dann wird es so ausgeführt, wie ich es mir vorstelle. Meine Mutter hat ebenfalls einen guten Geschmack, so kommt immer etwas dabei heraus, was uns beiden gefällt und häufig besser ist, als hätte nur einer allein die Entwürfe gemacht.

Feuilletonscout: Haben Sie eigentlich schon Anfragen bekommen, ob oder wo man die Kleider kaufen kann?
Praxedis Geneviève Hug (lacht): Nein, leider nicht! Heutzutage kleiden sich die Leute eher schlicht. Wir wollen nicht nur den heutigen Zeitgeist sondern auch das Pompöse aus der damaligen Zeit widerspiegeln.

Feuilletonscout: Seit 2009 stehen Sie gemeinsam mit Ihrer Mutter, der Harfenistin Praxedis Hug-Rütti, auf der Bühne. Da waren Sie 25 Jahre alt, ein Alter, in dem die meisten Töchter eher auf Abstand zum Elternhaus gehen und sich ausprobieren bzw. ein eigenes, unabhängiges Leben aufbauen. Wie kam es dazu, dass Sie beide einen anderen Weg eingeschlagen haben?
Praxedis Geneviève Hug: Wir verstehen uns natürlich sehr gut, das war die Grundlage. Bis ich 25 Jahre alt war, hatten wir allerdings nur einmal zusammengespielt. Da war ich 13 oder 14 Jahre alt. Die ganzen Jahre waren wir nie auf die Idee gekommen, dass wir zusammenspielen könnten. Bis 2009 sind wir völlig eigene Wege gegangen. Meine Mutter hat in verschiedenen Ensembles gespielt und auch solo, ebenso wie ich auch. Freunde fragten dann an, ob wir nicht zusammen ein Konzert spielen könnten. Die Idee war sehr schön, und wir haben ein Programm zusammengestellt, das dann der Grundstein für die gemeinsame Arbeit wurde. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht. Seitdem spielen wir zusammen und arrangieren auch viele Werke für Harfe und Klavier.

Feuilletonscout: Sie sind Mutter und Tochter, arbeiten und musizieren zusammen. Wie vermeidet man Konflikte oder einfach nur, dass man sich irgendwann gegenseitig schrecklich auf die Nerven geht?
Praxedis Geneviève Hug: In der Musik haben wir nie Konflikte. Da herrscht nur gemeinsame Freude. Natürlich haben wir auch typische Mutter-Tochter Diskussionen. Aber musikalisch stacheln wir uns eher gegenseitig an, weil wir sehr gut verstehen, was die Musik für den anderen bedeutet. Meine Mutter hatte ja auch mit Klavier angefangen und wollte eigentlich Pianistin werden. Im Nebenfach studierte sie Harfe und ist dann dabei geblieben. Ich selbst wollte immer Harfe lernen, fing aber mit Klavier an und habe das dann weitergemacht.

 

Feuilletonscout: Was ist Ihr größter musikalischer Traum?
Praxedis Geneviève Hug: Wir möchten gern weltweit Konzerte geben. Solo, aber auch im Duo auf Festivals auftreten. Ein wirklich großer Traum wäre, von Arvo Pärt ein Konzert für Harfe, Klavier und Symphonie-Orchester komponiert zu bekommen.

Feuilletonscout: Was sollen die Menschen von Ihnen und/oder Ihrer Kunst in Erinnerung behalten?
Praxedis Geneviève Hug: Die Freude und die Fröhlichkeit an der Musik. Dass das Publikum immer beschwingt aus den Konzerten geht. Musik ist für uns ein Fest, nicht das Niederschmetternde, das man häufig bei Requien hört. Wichtig ist das Fröhliche, Lachende und dass die Menschen sich wohlfühlen und mit viel Energie gestärkt sind

Feuilletonscout: Was wären Sie geworden, wenn nicht Musikerin?
Praxedis Geneviève Hug: Für mich war von Anfang klar, dass ich Musikerin werde. Ich komme aus einer Musikerfamilie. Mein Onkel, der Bruder meiner Mutter, ist ein bekannter Schweizer Komponist, Carl Rütti, dem wir auch schon eine CD gewidmet haben, der auch schon viel für uns komponiert hat. und uns auch für 2017 ein Doppelkonzert schreiben wird, das wir dann in der Schweiz uraufführen werden. Auch väterlicherseits sind wir sehr musikalisch. Der Bruder meines Vaters war Organist in einer der größten Kirchen Zürichs. Es war für mich also immer klar, dass ich Musik mache!

Vielen Dank für das Gespräch, Praxedis Geneviève Hug!

Konzerttermine:
24. Mai 2015, Barockschloss Rammenau, Am Schloß 4, 01877 Rammenau
25. Mai 2015, Burg Kriebstein, Kriebsteiner Straße 7, 09648 Kriebstein

Duo Praxedis: Original Classics
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