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„Die Etrusker- von Villanova bis Rom“. Ausstellung in den Antikensammlungen MünchenDie Antikensammlungen in München zeigen in ihrer Sonderausstellung  ein Volk, dessen Kultur sich beständig wandelte, bis sie in der römischen aufging. Feuilletonscout – Autor Stephan Reimertz hat die Ausstellung besucht,.

Derzeit müsste man die Villa Giulia in Rom besuchen, um eine vergleichbare Einbettung etruskischer Kultur in die Antike zu erleben. Im südlichen der beiden hellenisch-bayrischen Museumsbauten, mit denen König Ludwig I. den Königsplatz einrahmen ließ, bildete seine eigene Antiken-Sammlung den Grundstock. Er wurde durch den Nachlass des US-Amerikaners James Loeb ergänzt, dem wir auch die Loeb Classical Library verdanken.  So kann die Staatliche Antikensammlung bei diesem Überblick über mehrere Jahrhunderte etruskischer Kultur aus dem Vollen schöpfen, angefangen mit einer beachtlichen Kopie der Chimäre von Arezzo, die vor dem Museumseingang auf einer Säule prangt und jeden, der den Königsplatz überquert, wenn man so will, in die Ausstellung ruft.

Das Gesicht des etruskischen Todesdämons Charun mit dem Ring durch die Nase (um 400 v. Chr.) ist einem Typen, wie man ihn in der Münchner U-Bahn treffen kann, nicht ganz unähnlich. Büsten, Statuetten, Schmuck und Geschirr eines der rätselhaftesten europäischen Völker zeigen ein Gemeinwesen aus dem Norden Italiens, das zentraler Teil der hellenischen Welt wurde und sich schließlich romanisieren ließ. Man könnte auch sagen: Die Etrusker gingen im Römischen Reich auf  und unter. Wie immer waren die Kolonisierten dabei nicht nur die Nehmenden, sie waren auch Gebende. Als Zeichendeuter bei der Leberschau hochgeschätzt, genossen etruskische Priester im Römischen Reich einige Anerkennung. Noch Cicero erwähnt in seiner Schrift über die Weissagung die etrusca disciplina.

Eingehend dokumentiert die Präsentation die kulturelle Lage der Etrusker zwischen Griechen und Römern und zeigt Glanz und Elend dieser einzigartigen antiken Kultur. Zwar vermochten sich die Etrusker eine Zeit lang im Zentrum der antiken Welt zu halten. Ihre Bereitschaft, eine überwältigende imperiale Kultur zu adaptieren, führte jedoch schließlich zu Auflösung und Untergang. Da die Ausstellung geschickt in die Antikensammlung eingebettet ist, kann man die etruskische Kultur bei einem Gang durch das Haus sehr lebendig als Bestandteil der Antike erleben. Das Museum beherbergt einige der berühmtesten Asservate der Antike, darunter die Statuette der griechischen Terrakottafigur aus dem 3. Jh. v. Chr., die als die besterhaltene antike Terrakottafigur überhaupt gilt, und den goldenen Totenkranz aus Armento von ca. 360 v. Chr. Hier könnte man die Siegesgöttin Nike für einen christlichen Engel, das Werk für ein Erzeugnis des 17. oder 18. Jahrhunderts halten. Auch außerhalb der glanzvollen Etruskerausstellung ist die Antikensammlung ein Ort des Staunens.

Die Etrusker- von Villanova bis Rom
Ausstellung bis zum 8. Januar 2017
Katalog: Die Etrusker – Von Villanova bis Rom

Staatliche Antikensammlungen
Königsplatz 1
80333 München

Öffnungszeiten:
Dienstag und Donnerstag bis Sonntag: 10–17 Uhr
Mittwoch: 10–20 Uhr

6 Euro/4 Euro

 

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„Die Etrusker von Villanova bis Rom“. Glanz und Elend einer einzigartigen antiken Kultur, 5.0 out of 5 based on 1 rating