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„Empört euch!“ rief ihr Sohn Stéphane über neunzigjährig den Menschen zu, ihr Mann, Franz, spazierte in den zwanziger Jahren durch Berlin und hielt seine Eindrücke im gleichnamigen Werk fest, ihr Liebhaber, Henri-Pierre Roché, war der beste Freund ihres Mannes und schrieb den Roman „Jules et Jim“. Und sie selbst wurde von François Truffaut im gleichnamigen Film verewigt: Helen Hessel.

1912 kam sie der Malerei wegen im Alter von 26 Jahren nach Paris, tauchte ein ins Leben der Pariser Bohème, schrieb für die Frankfurter Allgemeine Zeitung über Mode und lernte den Deutschen Franz Hessel kennen, der seine zahlreichen Liebesaffären mit seinem besten Freund teilte. Bei Helen sollte es anders sein, doch die Ehe entsprang eher dem Wunsch nach bürgerlicher Sicherheit denn aus Liebe. Während sich Franz in Meditation flüchtete, suchte Helen sich Liebhaber. Henri-Pierre war ihre große Liebe, doch dieser wollte seine Rolle als Don Juan nicht aufgeben. Der Jude Franz Hessel starb 1941 an Entkräftung, Sohn Stéphane schloss sich der Résistance an, unterstützt von Helen. Der Neuanfang nach dem Krieg in New York scheiterte. Sie übersetzte erstmals Nabokovs „Lolita“, doch der Verlag brachte sie um den Ruhm. Auch mit Henri-Pierre Roché gab es keine Zukunft. 1982 starb Helen Hessel im Alter von 96 Jahren

Der Deutschlandfunk fasst zusammen: „Peteuils Buch entdeckt keine neuen Geheimnisse, denn schon seit Jahrzehnten haben viele Publikationen und Dokumentation der Wirklichkeit hinter Jules und Jim nachgeforscht. Aber es trägt zum ersten Mal alle Fakten zusammen und richtet sie auf die Lebensgeschichte von Helen Hessel aus. […] Vielleicht gelingt es ja dieser Biographie, die Perspektive zu ändern und das Augenmerk auf die Frau im Zentrum zu lenken.“

rbb online resümiert: „Die Biografie der französischen Autorin Marie Francoise Peteuil erzählt das abenteuerliche Leben Helen Hessels, die alle kannten und die selbst alle kannte. Eine Jahrhundertgestalt, facettenreicher als die Catherine in Jules und Jim.“

FAZ net meint: „Ob befreit oder nicht, Helen Hessel lebte entschlossen gegen alle moralischen Konventionen und – besonders im Zweiten Weltkrieg – zwischen allen Fronten. Weniger das dreisprachige Kauderwelsch ihres an Roché adressierten Tagebuchs als der spätere Briefwechsel mit ihrem älteren Sohn Ulrich führt uns ein Leben vor, das gerade in seinem permanenten Scheitern an unbedingten Zielen gelungen ist.“

Marie-Francoise Peteuil_Helen Hessel

Marie-Francoise Peteuil:
Helen Hessel. Die Frau, die Jules und Jim liebte. Eine Biographie.
Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky.
Frankfurt a. M., Schöffling & Co, 2013

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