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Ein Moment mit ... dem Künstler Heiko Westphalen„… ist es Kunst oder doch Malerei- oder Druckgrafik?“, fragt Heiko Westphalen auf seiner Homepage. Der Künstler mag es, den Blick des Betrachters zu weiten, Raum für Interpretation zu geben. Weit gereist, lebt Heiko Westphalen heute in Flensburg, liebt die Motivvielfalt der norddeutschen Landschaft. Aus seinen Fotos entstehen Werke, die wie gemalt wirken.

Feuilletonscout: Betrachtet man Ihre Bilder, fragt man sich häufig: Ist es ein Foto oder nicht vielleicht doch gemalt? Lieben Sie es, mit der Täuschung zu spielen und Menschen herauszufordern?
Heiko Westphalen: Das Foto steht in den meisten Fällen im Vordergrund. Sieht man die Täuschung nicht im negativen Sinne, so verstehe ich diese Art der Irreführung eher als eine Bereicherung für den Betrachter. Jedes Bild erzählt seine eigene Geschichte und sollte Neugierde im Anschauenden erwecken. So kann jedes Bild individuell interpretiert werden.

Feuilletonscout: Wie würden Sie selbst Ihre Kunst beschreiben?
Heiko Westphalen: Schon von jeher haben mich unterschiedliche Drucktechniken, auch in Verbindung mit der Kunst, interessiert und begeistert. Als gelernter Schriftsetzer (Bleisatz), war es nicht unüblich, z. B. für die Gestaltung einer Drucksache, auch den Linolschnitt mit einzubeziehen. In meiner, nenne ich es einmal die Berliner Zeit, habe ich mich mit einem Freund gemeinsam in der Radiertechnik versucht. Aus diesem Mix entstehen, verbunden mit einer Prise Malerei (digitalisiert), heutzutage meine Bilder. Im Gegensatz zu vielen anderen Fotografen die ihre Themen gestochen scharf und makellos präsentieren, suche in einen anderen Weg.

Heiko Westphalen_1

Feuilletonscout: Wirft man Ihnen manchmal vor, weder richtige Fotografie noch Malerei zu betreiben, sondern – sagen wir – computergestützte Druckgrafiken zu erzeugen und Sie dann in der Folge nicht ernst genommen werden?
Heiko Westphalen: Am Anfang steht doch das Bild, die Fotografie. Dieses erfordert die Kenntnisse des Fotografierens. Wie jeder andere Fotograf begebe ich mich auf die Suche nach einem Motiv, mit allen Unwägbarkeiten, die dazu gehören. Nun könnte ich es bei einer gelungenen Aufnahme dabei belassen, ein wenig die Einstellungen des Bildes optimieren – und fertig. Für mich aber, beginnt erst jetzt der Reiz an der Sache. Was ist möglich? Meine Kunst ist nichts von der Stange. Es ist echte Handarbeit und vieles habe ich durch immer neue Herangehensweisen herausgefunden. Zwar ist die Oberfläche meiner Bilder häufig strukturiert, in Teilen auch zerstört, das Bild ist in seiner Gesamtheit jedoch perfekt. Sie werden keine Stellen im Exponat finden, die weder zu hell oder gar zu dunkel sind. Und mal ehrlich, sehnt man sich nicht auch ein bisschen nach der Unvollkommenheit?

Feuilletonscout: Worin liegt für Sie der Reiz, die Motive am Computer zu verfremden, statt z.B mit Pinsel und Farbe? Welche Möglichkeiten birgt dieses Medium im Gegensatz zu klassischer Malerei?
Heiko Westphalen: Ich bin kein Maler. Trotzdem besteht in der Arbeitsweise eine gewisse Ähnlichkeit, denn auch ich arbeite mit Ebenen, öffne darunter liegendes, mische Farben, setze Pinsel und Masken ein…
Malerisch gelingt mit dem Pinsel, dem Schwamm, der Drahtbürste oder was sich sonst noch bietet, so manch brauchbare Textur. Die stellt digitalisiert die Grundlage zur Verfremdung, das Foto, soll in den meisten Fällen noch erkennbar sein. Alles andere ist die Faszination der Möglichkeiten.

Feuilletonscout: Sind Sie manchmal mit Ihren Ergebnissen so richtig unzufrieden?
Heiko Westphalen: Selten. Ich kann alles verwerfen und neu beginnen. Das ist in manchen Fällen ärgerlich, gehört aber dazu. Über die Jahre habe ich mir Erfahrungen erarbeitet und weiß recht genau, was geht, und auch was eben nicht geht. Habe ich neue Ideen, kann ich ein Bild auch nach Jahren anders und neu gestalten.

DSC00031Feuilletonscout: Wie spüren Sie, dass ein Bild fertig ist und gedruckt werden kann?
Heiko Westphalen: Ich freue mich bei dessen Anblick, wenn es fertig ist. Beim Betrachten dieses gute Gefühl – gelungen. Ich bin kritisch. Ich vergleiche. Ich beobachte den Betrachter, was macht mein Bild mit ihr- oder ihm. Ich tausche mich mit Menschen aus, die kritisch sind – auch mit meiner Frau und mit meiner Galeristin.

Feuilletonscout: Sie haben viele Jahre im damals noch geteilten Berlin gelebt, reisten durch Südamerika und Indien. Nun sind Sie in Flensburg zu Hause. Inwieweit haben die Stationen Ihres Lebens Ihre Kunst geprägt und was inspiriert Sie an der norddeutschen Land- und Lebenslandschaft?
Heiko Westphalen: Geboren in Schleswig-Holstein wurde es mir in meiner Jugend, sagen wir einmal, dort zu eng. Auf nach Berlin – die schönsten Jahre meines Lebens. In dieser Zeit (1979-1989) war Berlin sehr politisch. Frauen- und auch Männerbewegung, Hausbesetzungen, Friedensbewegung, Demonstrationen usw. Überall konnte man sich einbringen – auch in der Kunst.  Es stellte sich Nachwuchs ein, unseren Kindern jedoch, wollten wir eine Kindheit in ländlicher Region, mit sauberer Luft im Winter, nicht vorenthalten. Wegen Familiengründung und beruflicher Neuorientierung, geriet das geliebte Hobby einige Jahre in den Hintergrund. Nun sind unsere Kinder seit einigen Jahren aus dem Haus, die Tochter in München, der Sohn in Berlin. Zeit für die KUNST. Ich liebe die so vielfältige Landschaft zwischen den Meeren. Motive gibt es hinter jeder Ecke und in der Weite der Landschaft – oft reicht die Zeit bei weitem nicht aus, alles bildlich zu erfassen.

Feuilletonscout: Wie finden Sie Ihre Motive?
Heiko Westphalen: Diese fallen mir zu… Augen auf!

Feuilletonscout: Sie haben mehr als 35 Jahre in allen Bereichen der Druckgrafik gearbeitet. Seit 16 Jahren sind Sie zusätzlich als Gruppenleiter in einer Flensburger Einrichtung für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen beschäftigt. Wie kam es dazu? Und wie beeinflusst die eine Tätigkeit die andere?
Heiko Westphalen: Ich war einige Zeit in Kiel in einem Reprostudio beschäftigt. In dieser Phase wurde mir deutlich, dass sich doch einiges in der grafischen Landschaft verändert hat und dieses nicht nur bezogen auf die Technik. Aus dem ehemals gewesenen Miteinander am Arbeitsplatz war nicht viel übriggeblieben. Als ich dann von der Stelle in der WfbM hörte, die meinem Profil entsprach, (es wurde jemand für die Druckvorstufe der werkstatteigenen Druckerei gesucht) habe ich mich beworben und hatte Glück. Über 13 Jahre war es mir mit einem Kollegen und natürlich mit unseren Gruppen zu betreuender Menschen möglich, professionelle Druckerzeugnisse zu erstellen und zu verkaufen. Es folgte die Zeit der Internetdruckereien, das Aus für manche kleine Druckerei – so auch für uns. Derzeit befasse ich mich mit meinen Mitarbeitern mit unterschiedlichsten Montagearbeiten – künstlerisch, wenn es unsere Zeit zulässt, mit aufwändigem, mehrfarbigem Linoldruck. Darüber hinaus gebe ich Kurse in Fotografie und der Bildbearbeitung im Photoshop, den individuellen Fähigkeiten und Wünschen der Teilnehmer angepasst.

Heiko Westphalen_2

Feuilletonscout: Was sollen die Menschen von Ihnen bzw. Ihrer Kunst in Erinnerung behalten?
Heiko Westphalen: Das gibt es doch gar nicht…!

Feuilletonscout: Was ist Ihr größter künstlerischer Traum?
Heiko Westphalen: Einmal in den Deichtorhallen ausstellen zu dürfen.

Feuilletonscout: Wie sind Ihre nächsten künstlerischen Pläne?
Heiko Westphalen: Bis zum Saisonende 2015 sind an die 30 Leinwandbilder meiner „besonderen Fotografie“ in der wunderschönen Galerie Nr. 10 auf dem Putbrese-Hof in Ulsnis an der Schlei zu sehen und in limitierter Auflage zu erwerben
Außerdem gibt es demnächst auch Kunst-Ansichtskarten von mir im XL-Format.

Weniger ist mehr. Klasse statt Masse. Dieses in Bezug auf Ausstellungsmöglichkeiten. Ich hätte große Lust auf eine Ausstellung im Brandenburgischen… Da soll es so kleine Trafo-Häuschen geben. Vielleicht in 2016?

Vielen Dank für das Gespräch, Heiko Westphalen!

Heiko Westphalen_3Bilder des Künstlers sind bis zum Saisonende zu sehen in der
Galerie No. 10 am Putbrese Hof
Schleidörfer Straße 10
24897 Ulsnis/Schlei

 

 

 

 

 

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