GD Star Rating
loading...

 

Ein Ausstellungsbesuch von Barbara Hoppe

Heidi Horten und ich mögen dieselbe Kunst. Was derzeit im Leopold Museum in Wien zu sehen ist, verdient zu Recht „WOW!“ genannt zu werden. Und es gefiel der Ehefrau und späteren Witwe des Unternehmers Helmut Horten, der sie nach seinem Tod 1987 zur Milliardärin machte, sich mit diesen Bildern zu umgeben. Die Sammlung umfasst die Crème de la Crème aus einem Jahrhundert Kunstgeschichte. In den Räumen hängen Bilder von Marc Chagall, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Gustav Klimt, August Macke, Franz Marc, Henri Matisse, Joan Miró, Edvard Munch, Pablo Picasso, Egon Schiele, Francis Bacon, Georg Baselitz, Jean-Michel Basquiat, Jean Dubuffet, Lucio Fontana, Lucian Freud, Damien Hirst, Alex Katz, Yves Klein, Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg, Gerhard Richter, Mark Rothko und Andy Warhol Seite an Seite und machen den Betrachter sprachlos.

Heidi Horten hatte die Gabe, genau die Bilder eines Künstlers zu kaufen, die die Essenz seines künstlerischen Ausdrucks sind, verdichtet auf ein Bild, so dass man glaubt, es zu kennen, so nah rückt es mit seinem Motiv. Wer meint nicht, die „Zwei Frauen vor dem Hutladen“ von August Macke zu schon einmal gesehen zu haben? Bedenkt man, dass man hier vor einer spektakulären Privatsammlung steht, mutet dieses Gefühl seltsam an. Farbenprächtig die Bilder von Chagall, scharfkantig die Motive von Magritte, die in ihrer Überdeutlichkeit aus dem Rahmen zu fallen scheinen, wunderschön ebenmäßig die Skulpturen von Rodin.

 

August Macke
Zwei Frauen vor dem Hutladen, 1913 Öl auf Leinwand
56,2 x 42 cm
Courtesy Heidi Horten Collection

 

Wirklich: WOW! Es ist der treffendste und zugleich unglücklichste Titel, den man sich für diese Schau der Superlative hat aussuchen können. „Wow“ – laut Duden ein Ausruf der Anerkennung, des Staunens, der Überraschung, der Freude – ist die Sprachlosigkeit angesichts der Wucht, die dem Besucher von den Wänden entgegenschlägt. Aber WOW! ist auch viel zu dünn und reißerisch, um der Einzigartigkeit der Sammlung und jedes einzelnen Künstlers in ihr gerecht zu werden. Wir können uns glücklich schätzen, dass die Milliardärin 1996 auf einen Schlag 30 bedeutende Gemälde ersteigerte, darunter Werke von Pablo Picasso und Lucian Freud. Und wir können uns freuen, dass die zurückgezogen lebende Kunstliebhaberin sie und 70 weitere Bilder aus ihrer Sammlung nun der Öffentlichkeit zeigt. Um zu erkennen, welch‘ große Kunst hier versammelt ist, braucht es kein WOW! Diese Sammlung spricht für sich.

WOW! Die Heidi Horten Collection
Ausstellung bis zum 29. Juli 2018

Leopold Museum
Museumsplatz 1
1070 Wien

Bei Verwendung des Textes bitte Quelle angeben bzw. verlinken.

Anerkennung, Staunen, Überraschung und Freude: „WOW! Die Heidi Horten Collection“ im Leopold Museum in Wien, 5.0 out of 5 based on 1 rating