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Dirk Maus / pixelio.de

Foto: Dirk Maus / pixelio.de

Souvenirshops in großem Stil mit immer den gleichen bedruckten T-shirts, Bechern, Schlüsselanhängern und Teddybären mögen ein Phänomen der jüngeren Vergangenheit sein. Das Souvenir ist es nicht. Seit jeher bringen sich Menschen von ihren Reisen Erinnerungsstücke mit: Bumerangs und Porzellan, aber auch Opiumpfeifen, Tierpräparate oder indianische Stücke. Zweieinhalb Jahrhunderte Reiseandenken zeigt derzeit das Historische Museum Bremerhaven aus Beständen Bremerhavener Bürger, die von ihrer Heimatstadt in die Gegenden der Welt reisten, die man von der Hafenstadt ansteuern konnte: Nordpol, Grönland, Amerika, Mexiko, Asien, China und Bengalen, Java und Tahiti, Afrika.
Doch nicht nur Reiseandenken zeigt die Schau, auch Reiseutensilien fächern den Kosmos des Reisens auf. Ob Transport- oder Gepäckstücke, Reisekleidung, Kameras oder Geschenke – sie alle erzählen von der Reise, dem Reisenden, aber auch historischen oder wirtschaftlichen Ereignissen.

Entlang des Gedichts „Urians Reise um die Welt“ von Matthias Claudius aus dem Jahr 1775 wandelt der Besucher durch die Räume und folgt der imaginären Reise Urians, die als Lied „Wenn jemand eine Reise tut…“ bekannt geworden ist.

Matthias Claudius (1740 – 1815)
Urians Reise um die Welt

Wenn jemand eine Reise tut,
So kann er was verzählen.
D’rum nahm ich meinen Stock und Hut
Und tät das Reisen wählen.

Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl‘ er doch weiter, Herr Urian!

Zuerst ging’s an den Nordpol hin;
Da war es kalt bei Ehre!
Da dacht‘ ich denn in meinem Sinn,
Das es hier beßer wäre.

Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl‘ er doch weiter, Herr Urian!

In Grönland freuten sie sich sehr,
Mich ihres Ort’s zu sehen,
Und setzten mir den Trankrug her:
Ich ließ ihn aber stehen.

Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl‘ er doch weiter, Herr Urian!

Die Eskimos sind wild und groß,
Zu allen Guten träge:
Da schalt ich Einen einen Kloß
Und kriegte viele Schlänge.

Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl‘ er doch weiter, Herr Urian!

Nun war ich in Amerika!
Da sagt ich zu mir: Lieber!
Nordwestpassage ist doch da,
Mach‘ dich einmal darüber.

Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl‘ er doch weiter, Herr Urian!

Flugs ich an Bord und aus in’s Meer,
Den Tubus festgebunden,
Und suchte sie die Kreuz und Quer
Und hab‘ sie nicht gefunden.

Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl‘ er doch weiter, Herr Urian!

Von hier ging ich nach Mexico –
Ist weiter als nach Bremen –
Da, dacht‘ ich, liegt das Gold wie Stroh;
Du sollst’n Sack voll nehmen.

Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl‘ er doch weiter, Herr Urian!

Allein, allein, allein, allein,
Wie kann ein Mensch sich trügen!
Ich fand da nichts als Sand und Stein,
Und ließ den Sack da liegen.

Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl‘ er doch weiter, Herr Urian!

D’rauf kauft‘ ich etwas kalte Kost
Und Kieler Sprott und Kuchen
Und setzte mich auf Extrapost,
Land Asia zu besuchen.

Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl‘ er doch weiter, Herr Urian!

Der Mogul ist ein großer Mann
Und gnädig über Massen
Und klug; er war itzt eben dran,
’n Zahn auszieh’n zu lassen.

Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl‘ er doch weiter, Herr Urian!

Hm! dacht‘ ich, der hat Zähnepein,
Bei aller Größ‘ und Gaben!
Was hilfts denn auch noch Mogul sein?
Die kann man so wohl haben!

Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl‘ er doch weiter, Herr Urian!

Ich gab dem Wirth mein Ehrenwort,
Ihn nächstens zu bezahlen;
Und damit reist‘ ich weiter fort,
Nach China und Bengalen.

Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl‘ er doch weiter, Herr Urian!

Nach Java und nach Otaheit
Und Afrika nicht minder;
Und sah bei der Gelegenheit
Viel Städt‘ und Menschenkinder.

Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl‘ er doch weiter, Herr Urian!

Und fand es überall wie hier,
Fand überall ’n Sparren,
Die Menschen grade so wie wir,
Und eben solche Narren.

Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl‘ er doch weiter, Herr Urian!

Wenn jemand eine Reise tut…
Erinnerungsstücke aus aller Welt
Ausstellung bis zum 9. November 2014

Historisches Museum Bremerhaven
An der Geeste
27570 Bremerhaven

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 – 17 Uhr

5 Euro/3,80 Euro

 

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