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Oper: „Salomé“ von Richard Strauss an der Oper StuttgartDie Wiener Staatsoper verwehrte Gustav Mahler die Aufführung der „Salomé“ von Richard Strauss, die im Dezember 1905 an der Dresdner Hofoper uraufgeführt wurde. Die Wiener Zensur lehnte die zeitgleiche Aufführung ab. Die Handlung sei zu sittenwidrig und abstoßend für die Hofbühne.

Strauss hatte auf Wunsch des Wiener Dichters Anton Lindner den 1891 von Oscar Wilde verfassten Roman „Salomé“ in eine Oper gebracht, und ihr Stoff ist wahrlich nicht ohne: Salomé, Tochter der Herodias, nimmt an einem Festgelage teil, das sie überstürzt verlässt, weil sie die lüsternen Blicke ihre Stiefvaters Herodes nicht mehr erträgt. Draußen hört sie die Wehklage des inhaftierten Johannes des Täufers. Mit weiblicher List erreicht sie die kurze Freilassung des Gefangenen. Ihre Begierde zu Johannes entbrennt, die dieser jedoch nicht erwidert. Als die Feiernden wieder zu Salomé stoßen, tanzt sie für Herodes den Tanz der sieben Schleier, nachdem sie ihm das Versprechen abgenommen hat, ihr anschließend jeden Wunsch zu erfüllen. Als Salomé zur Belohnung den Kopf des Johannes fordert, ist die Hofgesellschaft entsetzt, aber Herodes löst sein Versprechen ein. Doch Salomés Hingabe an den Kopf des Getöteten löst den Widerwillen ihres Stiefvaters aus, der sie schließlich ebenfalls töten lässt.

An der Oper Stuttgart spannt Regisseur Kirill Serebrennikov den Bogen weiter. Seine Inszenierung zeigt nicht nur eine kaputte Familie mit einer Salomé, die in schwarzem Kapuzenpulli und Springerstiefeln gegen die Eltern rebelliert, sondern auch die Not der gegenwärtigen Weltlage. Arabische Übersetzungen von Oscar Wildes Text, ein Johannes der Täufer, der als muslimischer Prophet auftritt und Einblendungen von Terroristen-Videos unterstreichen dieses Anliegen.

 

 

SWR online meint: „Eine starke Wirkung wird Serebrennikovs Deutung der „Salome“ mit Sicherheit entfalten. Dafür sorgt schon allein die assoziative Bildsprache, die zusammen mit der expressiven Musik die Handlung über Strecken wie einen bösen Traum erscheinen lässt.“

Die Süddeutsche Zeitung online fasst zusammen: „Serebrennikow entlässt seine Zuschauer in die Nacht mit Eindrücken, die einen nicht so schnell wieder loslassen.“

kultiversum hält fest: „Neben Simone Schneiders grandioser Salome brillieren aber auch Claudia Mahnke als auftrumpfend selbstbewusste Herodias und Matthias Klink als Herodes mit glänzenden Charakterstudien. […] Dass es nicht nur szenisch, sondern auch musikalisch ein überwältigender Abend wurde, ist Roland Kluttig am Dirigentenpult zu verdanken. […] Am Ende viel Beifall und ein paar Buhs für eine «Salome», die den gegenwärtigen Weltzustand auf verstörend gelungene Weise widerspiegelt.»“

Weitere Aufführungen am 23. und 30. Januar 2016.

Oper Stuttgart
Oberer Schloßgarten 6
70173 Stuttgart

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