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Menschen im Museum: „Ein Sonnengruß für Tintoretto“

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Menschen im Museum. Kolumne von Susanne Falk

Kolumne von Susanne Falk.

Yoga. Meditation. Speeddating (!?!). Kinderparty. Muschelessen. Es gibt kaum etwas, das Museen nicht als Extra anbieten, um Besucher ins Haus zu kriegen, die sonst keinen Fuß in die Tür setzen würden. Allerdings: Wer einen Tintoretto nur zu würdigen weiß, weil er ihm den herabschauenden Hund machen kann, der sollte der Kultur womöglich besser fernbleiben.

Kunst um der Kunst willen, so denkt sich das der langläufige Besucher, ist das wohl herkömmlichste Angebot, das einem ein Museum machen kann. Ich zahle, ich gehe, ich schaue und dann verschwinde ich wieder. So hat das über Jahrzehnte hinweg funktioniert. Wenn die Ausstellung langweilig war, dachte man sich: „Schad’ ums Geld.“ Und wenn sie gut war, dann freute man sich und kam wieder.

Nun aber brechen den Museen angeblich die Besucher weg (gucken wohl alle Netflix) und man bemüht sich um neue Kundschaft. Das ist löblich. Aber ist es auch sinnvoll? Kann ich Menschen nachhaltig für sakrale Kunst des Spätbarocks begeistern, indem ich sie davor herumturnen lasse? Hilft es der Kunsterfahrung auf die Sprünge, wenn ich vor einer antiken Statue meditiere? Ganz dumm gefragt: Meditieren die meisten Menschen nicht ohnehin mit geschlossenen Augen? Wozu dann das ganze?

Begreift man Museen als Erfahrungsräume und nicht mehr nur als reine Ausstellungshallen, dann klingt das alles nicht mehr ganz so absurd. Nicht selten geben die architektonisch oft recht beeindruckenden Räumlichkeiten genug her, um allein ihretwegen das ein oder andere Haus besuchen zu wollen. Warum also die Räume als solche nicht nutzen und der Besucherin ein ganz eigenes Erlebnis verschaffen, indem ich vor beeindruckender Kulisse eine passende Theatervorstellung oder Musikveranstaltung stattfinden lasse, zu der ich auch Publikum ins Haus einlade, dass zwar mit Clubbing etwas anfangen kann, dem aber der Zugang zu Rubens oder Richter bislang verwehrt geblieben ist? Nur: Ob man die Menschen dazu bewegen kann, allein der Kunst wegen das Haus erneut zu betreten, ganz ohne Tamtam, das wage ich zu bezweifeln.

Finanziell dürften sich derlei Veranstaltungen auf den ersten Blick nicht wirklich auszahlen. Die Personalkosten sind hoch, die Teilnehmerzahl begrenzt. So man nicht für einen Batzen Geld das „Nachts im Museum“-Erlebnis sucht, indem man auf Pritschenbetten zwischen Dinoskeletten nächtigt (wie z. B. im NHM Wien), halten sich die Kosten für Tickets zu derlei Events in Grenzen. Es geht hier also mehr um den Werbeeffekt.

Wie nachhaltig der ist, muss jedes Haus für sich selbst entscheiden. Auch welche Art Veranstaltung man außerhalb des üblichen Rahmenprogramms anbietet, hängt ganz vom Willen und der Fantasie seiner Betreiber ab, wobei ich gerne eine kurze Empfehlung an alle Museumsdirektionen aussprechen würde, sich bei der Planung jeglicher Events in den eigenen Räumlichkeiten einmal kurz mit den Sicherheitskräften zusammenzusetzen. Sich Publikum ins Haus zu holen, das mit Kunst noch nicht oder kaum in Berührung kam, birgt durchaus Risiken für die Ausstellungsobjekte. Und da geht es nicht um Diebstahl sondern um die Einhaltung gewisser Verhaltensregeln. Wäre ja auch blöd, wenn die ganze Meditationsarbeit umsonst war, nur weil alle paar Minuten der Alarm losgeht…

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