Leichtfüßig und elegant: „Allmen und die Erotik“ von Martin Suter

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Eine Rezension von Barbara Hoppe.

Da ist er wieder: Johann Friedrich von Allmen. Verarmter Lebegern, vollendeter Gentleman, genussfreudiger Gourmet und in jeder Situation stilsicher in Habitus wie Kleidung. Es ist das fünfte Bändchen, mit dem uns Martin Suter wieder einmal in die extravagante Welt des hoffnungslos arbeitsunfähigen Allmen entführt, der ohne seinen Carlos und der resoluten María untergehen würde. Die große Villa längst verkauft, hat sich Allmen mit seinem ehemaligen Diener und dessen Freundin im Gärtnerhäuschen des hochherrschaftlichen Anwesens einquartiert. Aus Loyalität zueinander und aus Notwendigkeit entstand schließlich Allmen International Inquiries, ein Unternehmen zur Wiederbeschaffung wertvoller Kunstgegenstände. Ein durchaus lukratives Unterfangen, könnte sich Allmen nur ein kleines bisschen bescheiden. Da er das aber nicht kann, steht er fast bei allen in der Kreide und nur durch Carlos‘ Sparsamkeit entgehen sie regelmäßig dem allergrößten Schaden. Aber Geld, so Allmen, ist zum Ausgeben da. Und über Preise verhandelt man nicht.

Ein Umstand, der im neuen „Allmen und die Erotik“ einmal mehr zu ernsten Problemen führt. Und dieses Mal wird es wirklich haarig. Hat das Trio mit Raffinesse und Stil am Ende doch immer mehr als genug finanzielle Mittel aus seinen Aufträgen gezogen, tappt Allmen dieses Mal in eine böse Falle. Wieder einmal pleite, lässt er sich zu einem Diebstahl hinreißen – und wird erwischt. Statt bei der Polizei zu landen, ist er nun erpressbar geworden. Unter seiner Würde ist der Deal mit dem windigen Krähenbühler, aber Allmen bleibt keine Wahl. Die Situation scheint ausweglos. Doch gleich bei der ersten erpressten Aktion glimmt ein Fünkchen Hoffnung auf Besserung auf: Carlos und Allmen stoßen auf eine reiche Anzahl wertvoller erotischer Porzellanfiguren. Und auf die wunderschöne, unschuldige Erbin eines Vermögens.

Es ist eine amüsant-leichtfüßige, fast elegante Lektüre, die uns Martin Suter erneut bereitet. Die wunderbare, etwas altmodische Mischung aus Dekadenz, Eleganz und Blasiertheit des einen, der Pragmatismus und das Verhandlungsgeschick des anderen sowie die Tatkraft und Direktheit der einzigen Frau im Bunde funktioniert auch hier hervorragend. Dieses kleine Universum aus perfektem Schein statt Sein, das sich auf einige wenige Gourmettempel und Fünf-Sterne-Restaurants beschränkt, ist eine zauberhaft unterhaltsame Krimilektüre, der es auch an Spannung nicht fehlt und – natürlich – am Ende wieder einmal eine Überraschung bereit hält.

Martin Suter
Allmen und die Erotik
Diogenes Verlag, Zürich 2018
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Coverabbildung © Diogenes Verlag

Leichtfüßig und elegant: „Allmen und die Erotik“ von Martin Suter, 5.0 out of 5 based on 2 ratings

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