Heimkino: Mit Pier Paolo Pasolini die italienische Küste entlang

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Von Stephan Reimertz.

Und zwar die ganze! Von Ventimiglia bis nach Triest.  Mit „La lunga strada di sabbia“ (Die lange Straße aus Sand) praktizierte Pasolini, dieser wiedergeborene italienische Renaissancekünstler, die Mehrfachverwertung: Er fuhr einmal den ganzen Stiefel entlang, und daraus entstanden eine Zeitschriftenserie, ein Film und später auch ein Buch. Die brutale Auswirkung von Konsumismus und Tourismus sind hier in einem Reisebericht dokumentiert.

„Die Strände meiner Heimat sind jetzt die Strände von Wien, München und Ulm“, schreibt Pier Paolo Pasolini Ende der fünfziger Jahre von seiner Reise um ganz Italien herum. Er strebt eine Bestandsaufnahme seiner Heimatlandes im Zeitalter seiner Vernichtung an. „In wenigen Jahren sind die Italiener zu einem lachhaften, monströsen, kriminellen Volk geworden.“ In seinem Fiat Millecento und zunächst zusammen mit einem Photographen umrundet er den Stiefel auf der Suche nach Authentizität unter den Trümmern des nuovo capitalismo. Was er findet, ist ein sprachgestörtes, kulturell apathisches Volk von Konsumkrüppeln. Kommt uns Deutschen das bekannt vor?

Unsere heutige Heimkino- und Buchempfehlung steht in engem Zusammenhang mit dem demnächst erscheinenden Aufsatz über die Neuübersetzung von Yukio Mishimas Roman Der Goldene Pavillon. Beide Künstler beschäftigen sich voller Verzweiflung mit der kulturellen Selbstzerstörung ihres Landes.

Ein Vortrag in italienischer Sprache von Luca Mauceri über das Projekt findet sich hier. Während Pasolinis Originalfilm derzeit nicht im Internet bereitsteht, empfehlen wir den Arte-Beitrag über die Reise. Eine deutsche Übersetzung der Langen Straße aus Sand ist im Verlagshaus Römerweg erschienen.

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