Zur Zukunft? – Bitte hier entlang

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Kirsten Kohlhaw schaut in den „Future Room“.

Wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, in die Zukunft blicken zu können. Auch für Unternehmen ist die Frage, wie sich die Welt weiter dreht und welche Anforderungen unsere komplexen, volatilen und unsicheren Systeme an ihr jeweiliges Geschäftsmodell stellt, äußerst relevant.

Mit dem von Zukunfts- und Trendforscher Harry Gatterer verfassten Sachbuch blicken zukunftsorientierte Unternehmen nicht länger in eine Kristallkugel, sondern erhalten eine Anleitung, sich strukturiert und systematisch in den Future Room hinein zu bewegen. Laut Aussage des Verlags hilft diese Methode Unternehmen dabei, in einem auf sie zugeschnittenen Denk- und Gestaltungsraum Trends zu erkennen und Kraft zur Zukunftsgestaltung freizusetzen.

Dreh den Hypercube. Von Cases, Spaces und Weak Signals

Was sich ein wenig anhört wie ein verrückter neuer Tanzstil oder ein flippiges Computerspiel, ist in Wahrheit eine ganz aufgeräumte Aufforderung, neue Sichtachsen und Perspektiven einzunehmen. Wer sich aus der Linearität und aus der Dreidimensionalität in den sogenannten Hypercube bewegt, hat mit diesem vierdimensionalen Würfel eine Form gefunden, die in der Lage ist, die komplexen Anforderungen der gegenwärtigen Zeit abzubilden.

Wo befinde ich mich überhaupt? Was ist innerhalb meines Unternehmens vorhanden an Visionen, vor welchen Herausforderungen stehen wir und wohin bewegen sich meine Kunden und Märkte? Und wie gelingt es mir, mich selbst in diesem gedanklichen Prozess zu beobachten, um eine veränderte Sicht auf die spezifischen Anforderungen und Möglichkeiten zu bekommen und handlungsfähig zu werden? All dies sind Fragen, mit denen in den einzelnen Kapiteln im „Ready, Set, go!-Stil“ gearbeitet wird.

Das Buch ist handlungsorientiert und angewandt aufgebaut und bringt sich so in die Nähe von Werken des agilen Managements. Ausprobieren und aktiv erkunden geht,  wenn wir unter Ungewissheit handeln, vor übermäßigem Analysieren und Studieren. Das hat die internationale Effectuation-Forschung bereits eindrücklich unter Beweis gestellt. Wichtig ist, eine Basis zu verorten, auf der Beteiligte loslegen können, sich aktiv austauschen und gemeinsame Verabredungen für eine optimistischen Perspektive treffen – jenseits blinder Flecken und hemmender Blockaden.

Transformationen im Beispiel

Ein Exkurs über Zukunftsthesen, eine nützliche Kurzvorstellung und Einordnung der einzelnen Megatrends hilft, diese auf die jeweilige Branche, das jeweilige Produkt- und Dienstleistungssystem zu beziehen. Die vier Beispielunternehmen, die Gatterer exemplarisch durch die einzelnen Schritte seiner Methode führt, sind gut gewählt.

Anhand einer Tankstellenkette (Mobilität, Urbanisierung, Sharing Economy), eines Immobilienbüros (Hygge, Individualisierung, Wir-Kultur, Pro-Aging, …), eines Medizintechnikunternehmens (Gesundheit, Konnektivität, Digitale Erleuchtung, …) und eines Telekommunikationsunternehmens (Konnektivität, Achtsamkeit, New Work, …) gehen die Leser Schritt für Schritt durch den Prozess und lernen, sich im Future Room immer besser zurecht zu finden. Das ist mehr als eine Einladung, die gewonnenen Erkenntnisse auf ihre Situation zu übertragen. Fast beiläufig werden in den Beispielen Ansätze guter, zukunftsfähiger Führung ersichtlich und es wird deutlich, wie stark Zukunftsgestaltung auch von den Mitarbeitern abhängt. Zukunft mag erst durch klare Entscheidungen entstehen, doch diese Entscheidungen wollen verhandelt und von allen Beteiligten getragen werden.

Diesen Umstand methodisch zu verdeutlichen und ins Bewusstsein zu holen, ist die stärkte Leistung des Buches, das auf den ersten Seiten noch recht zaghaft und bisweilen redundant startet, doch dann rasch an Fahrt aufnimmt. Die einzelnen Elemente der Future Room-Methode sind vielleicht keine Weltneuheit, doch sind sie schlau und vor allem nützlich kombiniert. Bestehendes durch Variation und Kombination neu zusammenzufügen ist eine Kunst. Es ist eine Kunstform, auf der viele „neue“ Methoden fußen. Und Gatterer beherrscht diese Kunst. So überträgt sich die pragmatische Freude an der Zukunftsgestaltung auf die Leser. Diese Zuversicht macht handlungsfähig. Und wer sich handlungsfähig fühlt, hat den ersten wichtigen Schritt in die Zukunft schon getan.

Harry Gatterer
Future Room. Entdecken Sie die Zukunft Ihres Unternehmens
Murmann Publishers, Hamburg 2018
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Kurz-Biografie des Autors (Quelle: Murmann Publishers)
Harry Gatterer ist Geschäftsführer des Zukunftsinstituts mit Sitz in Frankfurt am Main und Wien. Seine Kernkompetenz liegt auf der Verknüpfung von gesellschaftlichen Trends und unternehmerischen Entscheidungen. Mit dem Zukunftsinstitut begleitet Harry Gatterer Unternehmen dabei, relevante Trends zu erkennen und für sich zu nutzen. In der von ihm entwickelten Future-Room-Methode stecken 20 Jahre Erfahrung als Unternehmer und Zukunftsforscher. Heute arbeiten international renommierte Unternehmen, kleine und mittlere Unternehmen sowie öffentliche Institutionen mit dem Future Room.

 

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