Heimkino: Die deutsche Familie auf der Opernbühne

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Ein normales bürgerliches Ehepaar im O-Ton auf der Opernbühne? Ja, das gibt es. Richard Strauss hat 1924 unter dem Titel „Intermezzo“ seine „bürgerliche Komödie mit sinfonischen Zwischenspielen in zwei Aufzügen“ herausgebracht. Im Internet ist jetzt eine phantastische Einspielung mit Hermann Prey und Joseph Keilberth aufgetaucht.

1963 versammelte sich das Publikum in Deutschlands – nach dem Markgräflichen Opernhaus Bayreuth – zweitschönstem deutschen Theater, dem Cuvilliés-Theater in der Münchner Residenz, um Rudolf Hartmanns Inszenierung von „Intermezzo“ von Richard Strauss zu hören und zu sehen. Das Textbuch stammt diesmal vom Komponisten selbst, was uns zupackende und nachgerade realistisches Szenen und typische häusliche Dialoge beschert. Straussens feinsinniger Librettist Hugo von Hofmannsthal goutierte derlei Direktheit nicht. Für den Hörer bleibt freilich erstaunlich, wie man aus solchen Alltagsgesprächen überhaupt Musik machen kann.

In der atmosphärisch dichten S/W-Aufzeichnung mit Orchesterchef Joseph Keilberth in München erleben wir Herrmann Prey als Kammersänger und Göttergatten Storch sowie Hanni Steffek als liebreizende Gattin, die jedoch in seiner Abwesenheit gegen einen Flirt mit einem andern Herrn nichts einzuwenden hat. Als Dienstmädchen Anna hören und sehen wir Gertrud Freedmann. Unser historisches Dokument ist nicht nur operngeschichtlich höchst aufschlussreich, sondern auch ziemlich amüsant. Und schauen Sie genau hin: Das Bühnenbild stammt von einem jungen Mann, der bald darauf zum bedeutendsten Opernregisseur seiner Zeit werden sollte: Jean-Pierre Ponnelle.

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