Geheimnisvolle Vergangenheit im Vintage-Look: „Falsches Licht“ von David Krems

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Der österreichische Filmemacher und Fotograf David Krems hat seinen ersten Roman geschrieben. Es geht um Liebe, um Geheimnisse und das richtige Fotografieren. Aber „Falsches Licht“ ist vor allem eines: spannend. Von Barbara Hoppe

Schotter wundert sich. Vor Jahren hatte Sachs ihn beauftragt, dessen Frau Tanja zu beschatten. Der Unternehmer vermutete, dass seine erheblich jüngere Frau eine Affäre hat. Schotter, ein damals sehr erfolgreicher Fotograf, nahm den Auftrag an. Doch statt einen Liebhaber zu entdecken, entdeckte Tanja ihren Verfolger – und es kam, wie es kommen musste: Die beiden wurden ein heimliches Liebespaar. Jetzt sitzt Schotter seinem ehemaligen Auftraggeber erneut gegenüber. Der Alte will die Negative der damaligen, nichtssagenden Aufnahmen, was Schotter nicht behagt, obwohl die Beziehung zu Tanja seit Jahren vorbei ist. Noch weniger gefällt ihm dieser Wunsch, als er erfährt, dass Tanja tot ist. Warum kommt ihr Ehemann nach so langer Zeit mit dieser Bitte zu Schotter? Die Geschichte nimmt an Fahrt auf, als Alka auftaucht, Tanjas Zwillingsbruder. Er ist es, der Schotter auf Sachs‘ zwielichtige Vergangenheit mit illegalen Immobilienkäufen in Rumänien hinweist und ihn warnt, die Negative aus der Hand zu geben.

Geschickt ist die Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart

Schotter beginnt zu grübeln und nachzuforschen. Er taucht tief ein in seine Vergangenheit mit Tanja, wühlt sich durch alte Dias, Berge von Kontaktabzügen, durch die Kommode mit dem Fotoequipment. Denn Schotter fotografiert schon lange nicht mehr und hat sich mit einem bescheidenen Vermögen genügsam eingerichtet. Aus Spaß und um ein bisschen Abwechslung zu haben, jobbt er bei Freund Josef im Copyshop. Der einzige Ort in seinem Leben, an dem die Digitalisierung Einzug gehalten hat. Kein Handy, keine Digitalkamera, ein Schwarz-Weiß-Fernseher – Schotters Leben ist altmodisch und analog. Er nutzt einen Festnetzanschluss, es gibt sogar eine öffentliche Telefonzelle vor seiner Tür.

Und immer wieder ist da die Fotografie. Das richtige Licht. Ein Blick von Schotter ist nicht nur ein Blick, sondern gleichzeitig auch immer ein Austarieren der Lichtverhältnisse. Mit den Fotos kommen die Erinnerungen. Mit den Erinnerungen der Schmerz. Mit dem Schmerz die Geheimnisse der Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die plötzlich mit Wucht vor Schotter steht und keine Ausflüchte mehr zulässt. Schotter muss sich nicht nur ihr stellen. Denn auch die Gegenwart hält ihre Herausforderungen bereit und bringt den Genügsamen nicht nur einmal in eine missliche Lage.

Retro-Look

David Krems‘ Roman mit seinem analogen Helden versprüht den Charme eines Films aus den siebziger Jahren mit einer guten Portion Melancholie à la française und macht ihn deswegen so attraktiv zu lesen. Das Leben von Schotter, die Geschichte eines Fotografen, die allgegenwärtige Zigarettenschachtel und die Liebe zu einer schönen Frau sind die Ingredienzien dieses ungewöhnlichen Liebes-Krimis. Wie gern würden wir Romy Schneider und Alain Delon in diesen Rollen sehen. Und das Ende? Das hält noch eine Überraschung bereit, die, wären wir in einem Film, ihn einfach nur mit einem „A continuer…“ beschließen würde.

David Krems
Falsches Licht
Picus Verlag, Wien 2018
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