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Ein Moment mit ... den Musikern Stanley und Daniel Dodds

© Stanley Dodds

Die Brüder lieben klassische Musik und fanden ihren Weg vom fernen Australien nach Europa. Während Stanley in Berlin seinen vielfältigen Tätigkeiten nachgeht, arbeitet Daniel überwiegend von Luzern aus. Im Gespräch mit dem Feuilletonscout erzählen die mehrfach ausgezeichneten Musiker von ihrer Leidenschaft Musik.

Feuilletonscout: Sie und Ihr Bruder sind in Australien aufgewachsen, ein Land, das man nicht unbedingt mit klassischer Musik in Verbindung bringt. Liege ich hier völlig falsch oder darf man fragen: Wie haben Sie ihren Weg in die klassische Musik gefunden?
Stanley Dodds: Tatsächlich herrscht in Australien mehr eine allgemeine Begeisterung für Sport als für klassische Musik, aber immerhin ist ein markantes Wahrzeichen des Landes eben doch ein Opernhaus. Das Land hat viele talentierte Musiker und Künstler hervorgebracht, viele davon sind auch im Ausland tätig. Das Projektorchester „Australian World Orchestra“, bei dem wir beide spielen, bringt viele Auslands-Australier und Berufsmusiker aus Australien zusammen und konzertiert mit großen Erfolg. Dirigenten wie Zubin Mehta und Sir Simon Rattle sind davon sehr begeistert.

Unsere Eltern waren keine Musiker, sondern Mathematiker, aber sie waren von der Musik fasziniert. Wir waren fünf Kinder in der Familie, wir haben alle Geige und Klavier gelernt, und alle sind Berufsmusiker geworden. Nun genießen es die Eltern, in die viele Konzerte der Kinder zu gehen.

Ganz entscheidend für die Berufsentscheidung Musik war ein Jahresaufenthalt der Familie in Linz, Österreich. Dort haben wir das Musikgymnasium besucht und Deutsch gelernt, und zum ersten Mal erfahren wie es ist, Musik als Mittelpunkt im Leben zu haben und in einer Gesellschaft zu leben, die Musik sehr wertschätzt.

Feuilletonscout: Sie haben beide sehr früh angefangen zu musizieren, beide mit Geige und beide mit großen Erfolgen bereits im Kindesalter. Wie geht man mit diesem frühen Erfolg um?
Stanley Dodds: Die jährlichen Wettbewerbe in unserer Heimatstadt Adelaide, Eisteddfods genannt, nach den Walisischen Musik- und Literaturfestivals, waren immer ein Ziel für uns in jungen Jahren. Später kamen auch die nationalen Wettbewerbe hinzu, die auch Solo-Auftritte mit Orchester mit sich brachten. Die Erfolge waren eine kleine Bestätigung, dass die vorausgegangene Arbeit gut und sinnvoll war, aber man musste auch damit umzugehen lernen, dass man nicht immer den 1. Preis bekommt. Eine Musikerlaufbahn wird unumgänglich von Wettbewerben bestimmt – ob es die Internationalen Wettbewerbe sind, die zu einer Solistenkarriere verhelfen, oder ein Probespiel für eine Stelle im Orchester. Stehaufmännchen sein gehört auch zum Beruf.

Feuilletonscout: Während Sie, Stanley, die Dirigentenlaufbahn einschlugen, blieb ihr Bruder bei der Geige. Was mögen Sie am Dirigieren im Vergleich zum Spiel im Orchester?
Stanley Dodds: Mich interessierten als Orchestergeiger immer die Prozesse und Phänomene um mich herum, das Zusammenspiel, der Einfluss eines Dirigenten auf das Ergebnis, das kleine Wunder, wenn alle Menschen auf der Bühne gemeinsam atmen und sich bewegen. Dank der Beschäftigung mit dem Dirigieren höre ich nun als Orchestermusiker etwas gesamtheitlicher, und ich habe großes Verständnis für die Rolle eines Dirigenten bekommen. Die beiden Aufgaben sind tatsächlich ganz unterschiedlich, es sind ganz andere Reaktionen nötig. Ein bekanntes Stück, hundertmal gespielt, ist doch ein anderes wenn man es dirigiert. Was mir als Dirigent gefällt, ist die Verantwortung dafür zu haben, sich mit dem Werk tiefergehend zu beschäftigen, die damit gewonnenen Erkenntnisse und Vorstellungen mit einem Orchester in der Probenarbeit zu teilen, immer in der Hoffnung, dass man sowohl das Orchester als auch das Publikum damit überzeugen kann.

Feuilletonscout: Was für ein Gefühl ist es, ihren Bruder zu dirigieren?
Stanley Dodds: Wir haben als junge Menschen immer zusammengespielt und verstehen uns dadurch immer noch instinktiv. Meine Rolle als Dirigent bei einem Violinkonzert ist, den Solisten zu begleiten und auch zu unterstützen, also ist es untergeordneter als bei einem Geigenduo.

© Dorothee Falke

© Dorothee Falke

Feuilletonscout: Auch die Frage an Sie, Daniel: Was bedeutet es für Sie, als Solist unter der Leitung ihres Bruders zu spielen?
Daniel Dodds: Mit Stan erlebe ich sowohl einen Musiker, der sehr tiefe und reiche Erfahrung hat als Musiker, als auch jemanden, mit dem ich Musik gemacht habe seit ich Geige spiele. Daraus ergibt sich eine sehr spezielle und persönliche Begegnung. Um es einfach auszudrücken: ich kann mich entspannen und konzentrieren auf das Werk, das ich spiele, weiß dass er den Orchesterpart im Griff hat und dass wir uns musikalisch ohne Rücksprache unmittelbar verstehen.

Feuilletonscout: Sie beide sind vielbeschäftigt, arbeiten international. Sie, Daniel u.a. als Mitglied des Lucerne Festival Orchestra, wohin sie einst Claudio Abbado einlud, Sie, Stanley, als Dirigent, Violinist sowie Medienvorstand und Mitglied des Stiftungsvorstandes der Berliner Philharmoniker. Wie schafft man eine solche Mehrfachbelastung?
Stanley Dodds: Berlin macht es möglich! Es gibt kaum eine andere Stadt auf der Welt, wo ich innerhalb von 20 Fahrradminuten wohnen und als Orchestergeiger und Dirigent in einer der besten Konzertsäle und mit dem besten Orchester der Welt musizieren kann. Die Verantwortung als Vorstand ergibt sich aus meinem Bekenntnis als stolzes Mitglied des Orchesters zu seiner demokratischen und selbstbestimmten Grundbesinnung.
Daniel Dodds: Tatsächlich bewege ich mich stets zwischen unterrichten an der Hochschule in Luzern, Konzerte auf der ganzen Welt mit dem Festival Strings Luzern, bei dem ich der künstlerische Leiter und Konzertmeister bin, sowie Konzerten mit Kammermusik und als Solist. Wahrscheinlich ist es dieser bunte Mix aus verschiedenen Tätigkeiten als Musiker und Geiger, der mir Energie gibt.

Feuilletonscout: Daniel, Sie spielen eine Stradivari „ex Baumgartner“ aus dem Jahr 1717, die Ihnen von der Stiftung Festival Strings Lucerne zur Verfügung gestellt wird. Haben Sie Respekt vor dem Instrument?
Daniel Dodds: Respekt sicherlich, aber auch Freude und Dankbarkeit mit diesem wunderbaren Instrument arbeiten zu können.

 

 

Feuilletonscout: Am 17. Oktober spielen Sie Mozart, Beethoven und Brahms. Was lieben Sie an diesen Komponisten?
Stanley Dodds: Es gibt von diesen drei Komponisten fast gar nichts, was man nicht lieben kann. Alle drei Werke gehören zu den berühmtesten und beliebtesten ihrer Gattung.

Feuilletonscout: Haben Sie persönlich einen Lieblingskomponisten?
Stanley Dodds: Meistens sind es die Komponisten, die ich gerade spiele.

Feuilletonscout: Was sind Ihre nächsten Pläne?
Stanley Dodds: Die nächsten Konzerte als Dirigent mit diesem Orchester finden an den Feiertagen zwischen den Jahren statt. Als Solisten treten unter anderem Guy Braunstein und Gili Schwarzman am 1. Weihnachtstag auf, und am 1. Januar gibt es wie jedes Jahr auch das Neujahrskonzert mit der 9. Sinfonie von Beethoven.
Daniel Dodds: Als nächstes gibt es für mich ein Tour Ende Oktober mit dem AWO (Australian World Orchestra) in Indien unter Zubin Mehta, wo ich zusammen mit Toby Lea, Solobratschist der Wiener Philharmoniker, als Solist die Sinfonia Concertante von Mozart spielen werde

Vielen Dank für das Gespräch, Stanley und Daniel Dodds!

Am 17. Oktober 2015, 20 Uhr, spielen Daniel und Stanley in der Berliner Philharmonie.

das sinfonie orchester berlin
Stanley Dodds Dirigent
Daniel Dodds Violine

Wolfgang Amadeus Mozart
Ouvertüre zur Oper Die Hochzeit des Figaro KV 492

Ludwig van Beethoven
Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61

Johannes Brahms
Symphonie Nr. 3 F-Dur op. 90

Tickets über die Konzertagentur Prof. Viktor Hohenfels.

Berliner Philharmonie
Herbert-von-Karajan-Str. 1
10785 Berlin

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