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A-capella auf höchstem Niveau: Das Ensemble Nobiles wird 10 Jahre alt

v.l.n.r.: Lukas Lomtscher, Paul Heller, Felix Hübner, Lucas Heller, Christian Pohlers / © Christian Wolf

Wir treffen uns im Curtain Club des Ritz Carlton am Potsdamer Platz, und alle sind gekommen: Felix Hübner (Bariton), Lucas Heller (Bass), Lukas Lomtscher (Bass), Paul Heller (Tenor) und Christian Pohlers (Tenor). Sie sind gut aufgelegt. Am Abend werden sie in der Landesvertretung von Sachsen-Anhalt singen und weitere Presse hat sich angekündigt.
Es war vor zehn Jahren, als sie, gerade um die 18 Jahre alt, das Ensemble Nobiles gründeten (vgl. auch Feuilletonscout v. 26.8.2015). Ihre Musik kommt an, und obwohl sich die fünf Sänger wahrlich nicht mehr auf ihre Ausbildung als Thomaner beziehen müssen, um zu überzeugen, führt die erste Frage unweigerlich in diese Vergangenheit.

Feuilletonscout: Sie sind ehemalige Mitglieder des Thomanerchores in Leipzig. Wie muss man sich das vorstellen, wenn man als Kind dort anfängt? Wie kommt es überhaupt dazu, dass man in den Thomanerchor eintritt? Sind es die Eltern, die entscheiden, war es Ihr eigener Wunsch?
Paul Heller: Viele Thomaner haben meist schon vorher eine musikalische Ausbildung, sei es in Form von Instrumentalunterricht oder in dem einen oder anderen Chor. Andere kommen über ihre Musiklehrer zum Chor. So war es bei mir. Der Thomanerchor suchte Nachwuchs und meine Lehrerin hat uns darauf aufmerksam gemacht. Lukas kam über seine Eltern, die den Aufruf im Radio gehört hatten, zu den Thomanern. Ich denke, so ist es die Regel. Es gibt natürlich auch die Ausnahmen, bei denen der Siebenjährige schon sagt: Da will ich hin.

Feuilletonscout: Und als Kind hat man dann auch Lust dazu?
Paul Heller: Ja klar. Was gibt es denn für ein größeres Abenteuer als mit 80 anderen Jugendlichen in einem Internat zusammenzuleben, außerhalb des Zugriffsbereichs der Eltern. Wo man Fußball oder Tischtennisspielen und alles Mögliche machen kann. Auch ganz viele Dummheiten, ohne dass die Eltern es mitbekommen.
Christian Pohlers: Für Kinder, die singen können, sind es sicherlich paradiesische Zustände. Allerdings muss man hinzufügen: Nur, wenn man mit dem Internatsleben umgehen kann. Das kann nicht jeder und bis zum Abitur verlassen auch rund 50% der Schüler das Internat, sei es, weil es ihnen nicht mehr gefällt oder weil sie es schulisch nicht schaffen.

Feuilletonscout: Belastet einen manchmal dieses kulturhistorische Erbe?
Paul Heller: Kinder machen sich da grundsätzlich nicht so viele Gedanken. Sie merken vielleicht in der 11. oder 12. Klasse den kulturpolitischen Auftrag, den die Thomaner angenommen haben. Davor ist es ein großes Abenteuer und eine große Chance.

Ensemble Nobiles

© Christian Wolf

„Man will nicht mehr einfach nur gute Musik machen, sondern auch etwas schaffen“

Feuilletonscout: Und was bedeutet es für Sie als Ensemble Nobiles, ehemalige Thomaner zu sein?
Paul Heller: Wir haben eher das Problem, dass viele Veranstalter mit dem Ziel, Leute in die Konzerte zu bekommen, mit uns als ehemalige Thomaner werben. Wir würden allerdings lieber als Gruppe Ensemble Nobiles wahrgenommen werden.
Christian Pohlers: Natürlich ist es eine Art Qualitätssiegel, aber man hat mit der Institution rein musikalisch eigentlich nichts mehr zu tun. Man kommt vom Repertoire her aus der Kirchenmusik, was, so denke ich, bei vielen Ensembles der Fall ist, die aus den Thomanern hervorgehen. Einige lösen sich aber ganz schnell davon und machen ganz andere Sachen. Bestes Beispiel hierfür sind Die Prinzen. Calmus und Amarcord hingegen sind weiterhin tief in der kirchlichen Musik verwurzelt und das wird sich wahrscheinlich nicht ändern. Dennoch ist das Musizieren als Ensemble ein ganz anderes als bei den Thomanern. Der Anspruch ist hoch, aber auf einer anderen Ebene. Man will nicht mehr einfach nur gute Musik machen, sondern auch etwas schaffen, was einen selbst auszeichnet und abhebt. Und das Wichtigste ist: Das Singen ist ein völlig anderes. Das, was wir zu fünft machen, kann man mit Chorgesang nicht vergleichen.

Feuilletonscout: War das der Grund, das Ensemble zu gründen?
Lucas Heller: Ich glaube, das war mit ein Grund. Einfach mal in andere Genres und Bereiche vorzustoßen und auszuprobieren, ohne dass man den Chorleiter vor sich hat, der die Richtung vorgibt und das Erbe erfüllen muss. Wir haben uns während eines Klassentreffens bei einer Mathematiklehrerin, wo wir spontan ein Ständchen gesungen hatten und das sehr schön fanden, überlegt, dass das gemeinsame Singen etwas für später sein könnte. Angefangen haben wir zu siebt, doch durch Studium und Auslandsaufenthalte gab es noch Wechsel. Seit 2010 sind wir stabil in derselben Besetzung.

Feuilletonscout: Wie kamen Sie auf den Namen?
Lucas Heller: Das war eine sehr lange Findungsphase. Ungefähr ein halbes Jahr nach unserer Gründung gab uns ein Lateinlehrer aus dem Internat den Hinweis, dass es im alten Rom eine Edlenschicht gegeben hat, die Nobiles. In jugendlichem Wahnsinn haben wir uns zum Ziel gesetzt, dass wir irgendwann mal edel singen wollen.

Feuilletonscout: Und – sind Sie schon zufrieden?
Paul Heller: Zufrieden kann man nie sein. Dann tritt man auf der Stelle.
Christian Pohlers: Wir haben noch ganz viel vor, das noch raus muss.
Lucas Heller: Auf jeden Fall ist man schon ein bisschen stolz auf das bisher Erreichte, weil wir es aus eigener Kraft geschafft haben. Und es ist ja auch schon extrem viel passiert: Wettbewerbe, Konzerte, CDs, Auslandsreisen.

 

 

Feuilletonscout: Ihr Ensemble gibt es nun seit 10 Jahren. Wie gestalten sich die Zusammenarbeit, das regelmäßige Üben, das Stimmtraining, die Konzerte? Viele von Ihnen sind vielfach beschäftigt, zum einen mit weiteren musikalischen Projekten, zum anderen mit Ihrer Berufsausbildung, die häufig nichts mit Musik zu tun hat, wie Z.B. Ausbildung zum Bankkaufmann, Geschichts- und Politikwissenschaftsstudium, Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaft.
Christian Pohlers: Daran verzweifeln wir jedes Semester aufs Neue. Unsere Stundenpläne sind so unterschiedlich, dass es jedes Mal ein Kampf ist, die zwei bis drei Proben pro Woche auch wirklich durchzuhalten. Irgendwie schaffen wir es immer. Ich erinnere mich an eine Phase, in der wir uns wöchentlich montags zwischen 12 und 14 Uhr getroffen haben, weil da gerade mal jemand Vorlesungspause hatte.

Feuilletonscout: Wie lange dauert so eine Probe?
Lucas Heller: Wir versuchen, mindestens zwei Mal die Woche zu proben, ungefähr zwei bis drei Stunden.

Feuilletonscout: Wo liegt die Priorität: Auf der Musik oder auf Studium und Beruf?
Lucas Heller: Ganz klar auf der Musik. Wir haben uns vor vielen Jahren zusammengesetzt und gemeinsam geschaut, wo für uns die Prioritäten liegen und ob das mit unseren Ausbildungen vereinbar ist. Doch letztendlich war es klar, dass wir das irgendwann mal beruflich machen möchten. Dafür müssen wir uns Zeiten freiräumen oder das Studium sausen lassen.

Feuilletonscout: Warum dann überhaupt noch Studium und Berufsausbildung?
Paul Heller: Zur Beruhigung der Eltern. Meine Eltern und die von Christian hatten sich allerdings schon mit der Musiklaufbahn ihrer Kinder abgefunden. Christian hat sich ja viele Jahre in Schulmusik versucht, bevor er zu Gesang wechselte.
Christian Pohlers: Dieter Nuhr hat das mal sehr schön formuliert. Er sagte: „Ich trete wahnsinnig gern auf, aber nicht vor 30 Zwangsrekrutierten bei freiem Eintritt. Genau das ist Schulunterricht letztendlich.

Feuilletonscout: In der Schule zu unterrichten macht keinen Spaß?
Christian Pohlers: Ich unterrichte sehr gern Musik und Gesang. Aber man hat das Gefühl, dass Musik in der Schule immer etwas stiefmütterlich behandelt wird. Aber auch in der Musik muss man zunächst ein paar Dinge lernen. Ich habe immer das Gefühl, heutzutage muss alles zunächst einmal Spaß machen. Ich bin anders groß geworden. Bei mir galt das Konzept: Lerne Dinge und dann hast du irgendwann die Möglichkeit, dir diesen Kosmos zu erarbeiten und Freude dabei zu empfinden. Das ist etwas, was mich nachhaltig glücklich macht. Doch dieses Verständnis der Didaktik und Methodik bringt der Musikunterricht heute nicht mehr mit. Und damit einher geht die Tatsache, dass die Kinder immer weniger wissen. Damit braucht man mit einer Bachmotette in der Schule gar nicht mehr anzufangen.

Feuilletonscout: Als Sie in Norwegen waren, haben Sie vor Kindern gesungen. Wie kamen Sie dort an? Konnten Sie allein durch die Musik begeistern?
Paul Heller: Das kann man nicht pauschal beantworten. In Norwegen war es so, dass gar nicht so viel musikalischer Background da war. Die Kinder waren aber relativ gut vorbereitet worden und haben dem Konzert aufmerksam gelauscht. Das hat gut funktioniert. Wo es wirklich sehr beeindruckend war, war in Neuseeland und Australien, wo wir Workshops an Colleges gegeben haben, die einen musikalischen Zweig haben und die sehr gut vorbereitet waren. Das ist natürlich der Idealfall. Dann gibt es aber auch Schulkonzerte, bei denen man vorne steht und merkt, dass man nicht so wirklich schafft, etwas zu transportieren.
Lucas Heller: Ich glaube, es ist wirklich ganz entscheidend, wie man auf Musik vorbereitet. Wenn Schüler einfach nur „Schulkonzert“ ankreuzen können, ist keine Beziehung da. Die Verknüpfung erst im Konzert zu schaffen, ist dann nahezu unmöglich.
Paul Heller: Ich erinnere mich an ein Konzert noch mit dem Thomanerchor im Sydney Opera Haus. Der Saal war ausverkauft und wir haben „Wie der Hirsch schreit“ von Mendelssohn-Bartholdy und solche Sachen gesungen. Die Kinder waren zuvor intensiv über mehrere Wochen sowohl mit Deutsch als auch musikalisch auf das Konzert vorbereitet worden. Es war schließlich mucksmäuschenstill und danach gab es Standing Ovations und Bravo-Rufe von Schülern. Das war irre. Wie bei einem Popkonzert.

Feuilletonscout: Begreift man Musik nur noch mit guter Vorbereitung?
Lukas Lomtscher: Es geht nicht anders. Das allgemeine Wissen über Musik kommt nicht mehr selbstverständlich aus den Familien. Das muss intensiv in der Schule gemacht werden. Es gibt Lehrer, die das schaffen und solche, die es nicht schaffen.

Feuilletonscout: Merken Sie einen Unterschied zwischen jungem Publikum und der älteren Generation?
Lukas Lomtscher: Bei jungem Publikum gibt es hinterher Facebook-Likes!
Christian Pohlers: Es ist immer auch davon abhängig, was man macht. Tendenziell muss man allerdings sagen, dass in unseren Konzerten eher das ältere Publikum zu Hause ist. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass wir nichts machen, was man klassischerweise als populär bezeichnet. Es gibt ja viel Vocal Pop, der wahnsinnig viele junge Leute anzieht, weil er unterhält. Aber das ist nicht das, was wir machen wollen. Wir wollen die Leute nicht einfach nur bespaßen, sondern sie auch ein bisschen herausfordern, sich mit bestimmen Themen auseinanderzusetzen. Natürlich haben wir auch gefällige Sachen im Programm, wie die Leipziger Liedertafel mit romantischen Liedern, Trinkliedern oder Volksliedern. Da singt manchmal der ganze Saal mit. Das würde bei einem jungen Publikum, glaube ich, nicht funktionieren, da die meisten Jüngeren weder Melodien noch Texte kennen.

Ensemble Nobiles

© Christian Wolf

„Wir möchten die Menschen herausfordern, sich wieder mit der Musik auseinanderzusetzen“

Feuilletonscout: Ich höre daraus, dass Sie einen gewissen Bildungsauftrag verfolgen? Eine Mission haben?
Lukas Lomtscher: Ja, wir möchten die Menschen herausfordern, sich wieder mit der Musik auseinanderzusetzen.
Christian Pohlers: Ich finde, es liegt auch im Verständnis der Kunst an sich begründet. Kunst hatte niemals einfach nur den Sinn, nur zu gefallen. Es hatte immer etwas damit zu tun, die Perspektive zu erweitern und den Blickwinkel des Künstlers für die Welt zugänglich zu machen. Das ist etwas, worin wir uns ein bisschen in der Pflicht sehen. Der Teil des Publikums, der sich mit der Musik wirklich auseinandersetzt, wird gefühlt immer geringer.

Feuilletonscout: Sie haben ein umfangreiches Repertoire, das auch zeitgenössische Komponisten einschließt und mit denen Sie erfolgreich zusammenarbeiten. Wie muss man sich diese Zusammenarbeit vorstellen?
Lucas Heller: Paul komponiert auch.
Paul Heller (lacht): Ja. Die Kontakte zu den anderen Komponisten haben sich über die Jahre ergeben. Zu nennen sind da beispielsweise mein Lehrer Fredo Jung, der verschiedene Sachen für uns geschrieben hat sowie der Brite Jeremy Rawson, den wir bei einem Workshop in Rheinland-Pfalz kennengelernt haben. Es sind ganz unterschiedliche Zufälle, die uns verschiedene Leute in die Hände gespielt haben. Wir haben auch Leute angeschrieben, die dann für uns etwas komponierten. Ein Beispiel dafür ist Manfred Schlenker, der erstmals 2009 ein Auftragswerk für uns geschrieben hat.

Feuilletonscout: Wieviel an zeitgenössischer Musik nehmen Sie in ihr Repertoire auf?
Christian Pohlers: Wir hängen noch nicht soweit in der Moderne, als dass wir schon völlig schräge Sachen gemacht hätten. Wir haben es uns auf die Fahnen geschrieben, dass wir das auf jeden Fall mal machen und ausprobieren wollen und dass wir auch mal Dinge tun möchten, von denen wir selbst sagen: So richtig schön ist das nicht. Aber wenn man sich damit befasst, erkennt man meistens eine Idee dahinter und das macht es dann wieder spannend. Die Frage, die dann wirklich interessant ist lautet: Reicht eine Aufführung und gegebenenfalls ein Klappentext, um dem Publikum die Idee so zu vermitteln, dass es am Ende aus dem Konzert kommt und auch sagt: Das war spannend.

Feuilletonscout: Kann man solche Aufführungen nicht moderieren?
Paul Heller: Das muss man in solchen Fällen wahrscheinlich machen. Was wir derzeit an neuerer Musik in unserem Repertoire haben ist eher harmonisch, sodass es in den gefälligeren Bereich zeitgenössischer Musik fällt.

Feuilletonscout: Haben Sie persönlich Lieblingsstücke?
Lukas Lomtscher: Eigentlich ist es immer gerade das, was man singt. Es gibt einiges, was man vielleicht nicht so gern mag, aber ja: Mir gefällt, was ich gerade singe.
Christian Pohlers: Ich würde es so sagen: Dinge, von denen wir denken, sie liegen uns nicht, und Dinge, von denen wir meinen, die mögen wir nicht, würden wir nicht singen.

Feuilletonscout: Welche Pläne haben Sie im Jubiläumsjahr und darüber hinaus?
Paul Heller: Mitte Januar fand erst einmal unser großes Festkonzert in Leipzig statt. Dann wollen wir auf jeden Fall wieder eine CD aufnehmen, auf der wir uns in Richtung Nationale Schulen bewegen, also in Richtung Dvořák und Grieg. Sehr romantisch, bodenständig und vielsprachig. Letzteres ist die größte Herausforderung, weil wir unbedingt versuchen wollen, in den Originalsprachen zu singen, was vor allem bei Dvořák nicht einfach wird. Ansonsten haben wir natürlich wieder ganz viele Konzerte. Wir planen eine kleine Back-to-the-Roots-Tour durch die Städte, die uns am nächsten sind, vor allem bedingt durch unsere Familien. Da sind wir dann auch in der wunderbaren Metropole Wyhra oder auch in Köthen. Wir sind quer durch Deutschland unterwegs.
Ansonsten wollen wir unser Repertoire erweitern, ein wenig in die 1920er Jahre schauen. Auch werden wir uns viel mit Jazz aus dieser Zeit beschäftigen. Dann wird die Reise sicherlich weiter in Richtung Renaissance gehen. Wir sind auf der Suche.
Sascha Hille: Was wir noch auf dem Programm haben, sind Wettbewerbe.

Feuilletonscout: Sind Wettbewerbe wichtig?
Sascha Hille: Ja. Fürs Weiterkommen und auch in der Szene werden sie beachtet. Sie ermöglichen zum Teil ziemlich exklusiven Zugang zu einigen Veranstaltern. Wir haben das gemerkt beim Deutschen Musikwettbewerb, bei dem wir 2014 mitgemacht haben. Und diejenigen, die bei diesem Wettbewerb als Stipendiaten des Deutschen Musikrats ausgewählt werden, werden mit ihren Programmen in einem Katalog veröffentlicht, der an die Veranstalter versendet wird. Wir haben dadurch ungefähr 50 Konzerte für eine Spielzeit vermittelt bekommen. Und das nur aufgrund eines Wettbewerbs, der ganz gut gelaufen ist.
Christian Pohlers: Man muss sich da auch in die Rolle des Veranstalters hineinversetzen: Nimmt man jemanden, der schon einmal ausgezeichnet wurde oder nimmt man jemanden, der vielleicht genauso gut ist, bei dem das aber fehlt? Das ist leider Wettbewerbsrealität. Was andere bereits als gut qualifiziert haben, gibt einen Vertrauensvorschuss und ist für Veranstalter ein vermeintlich geringeres Risiko. Und letztendlich wollen ja alle davon leben.

Feuilletonscout: Können Sie von Ihrer Musik leben?
Paul Heller: Was mir machen, ist seit August 2015 ein durchaus vielversprechender Nebenjob. Das Ziel ist natürlich, davon leben zu können. Die Zeichen stehen ziemlich gut, aber es ist schwierig zu sagen, ob es was wird. Dafür müsste auch die Anzahl der Anfragen über die Jahre so bleiben.

Feuilletonscout: Haben Sie einen musikalischen Traum?
Paul Heller: Ich glaube, wir haben viele kleine Träume, die wir immer wieder freiwillig und unfreiwillig verwirklichen. 2017 – das hätten wir vielleicht nie für möglich gehalten – werden wir Teil einer Theaterproduktion sein, die auch nach Übersee geht, angesiedelt im Rahmen des Lutherjahres. Ansonsten sind es eher kleine Sachen, die wir uns erfüllen. Im Jubiläumskonzert beispielsweise hatten wir drei Titel der Comedian Harmonists, zwei davon in Arrangements von Fredo Jung. Das sind einfach großartige Schmachtfetzen. In die Richtung werden wir sicher weitergehen.
Lucas Heller: Ich glaube, wenn man sich zu große Ziele setzt, dann hat man eher eine Erwartungsenttäuschung.
Christian Pohlers: Wir freuen uns zum Beispiel sehr, dass wir in diesem Jahr unsere erste Einladung nach Italien bekommen haben.

Feuilletonscout: Können Sie sich ein Leben ohne Musik vorstellen?
Christian Pohlers: Ich bin ein großer Fan von Stille. Es gibt viele Musiker, die in Interviews sagen, sie könnten ohne Musik nicht leben. Ja, kann ich auch nicht. Aber nach acht Stunden Musik muss ich sagen, freue ich mich auch mal über Ruhe. Natürlich geht man zu den großen klassischen Ereignissen, aber nicht mehr jeden Abend.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Ensemble Nobiles gibt regelmäßig Konzerte. Den Konzertkalender finden Sie hier.

Folgende CDs liegen vor:
Bis willekommen – Lieder und Motetten für Advent, Weihnachten & Epiphanias
Eine Deutsche Messe
Hugo Distler 1908-1942

 

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A-capella auf höchstem Niveau: Ensemble Nobiles wird 10 Jahre alt. Das Interview zum Jubiläum, 5.0 out of 5 based on 3 ratings