„When the Birds upraise their choir“: Das neue Album von Luise Volkmanns Kollektiv „Été Large“

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Feuilletonscout Das Kulturmagazin für Entdecker MusikVon Stefan Pieper.

Am Anfang stand Luise Volkmanns persönliche Hommage an ihren Vater und dessen Generation. Vor allem – wenn es hier um ein unangepasstes Lebensgefühl geht. „When the Birds upraises Their Choir“ befreit solche Gedanken aus jeder nostalgischen Romantisierung, was hoffnungsvoll wirkt. Der gesamte, ungestüme Sound dieses Albums ist ein Statement für den ungebremsten Freiheitsdrang.

Luise Volkmann stammt aus Bielefeld – der dortige Jazzclub Bunker Ulmenwall war ihre erste, prägende künstlerische Spielwiese. Später studierte sie in Leipzig bei Richie Beirach, aber auch bei Johannes Enders und Riccardo Del Fra. Sie hat in Deutschland, Frankreich, Palästina und Brasilien gelebt, war eines der Gründungsmitglieder des Jazzkollektivs Leipzig und initiierte das KUBIQUE Jazzfestival, wurde dann zum Berliner Xjazz-Festival und den Leipziger Jazztagen eingeladen. Ihre eigene Band ist ein zwölfköpfiges internationales Kollektiv­ die Band Été Large, welche 2017 mit dem vielgefeierten Album „Eudaimonia“ debütierte.

Luise Volkmann

Was immer den Weg dieser Ausnahmekünstlerin kreuzt – es wird von der Band Été Large mit kompromissloser Courage beherrscht und von zwei Stimmen sowie vier Holzbläsern, Trompete, Posaune, Piano, Cello, Bass und Schlagzeug einverleibt.

Die Folge: „When the Birds upraise their Chor“ türmt verschlungene Jazzprogpunkrock-etc. -Opern auf und – Vorsicht! – diese Platte taugt definitiv nicht für den kleinen Handylautsprecher oder Ohrhörer. Also möglichst laut hören und sich während der 48 folgenden Minuten nichts anderes vornehmen!

So viel explosive Rauheit durchbricht hier den Rahmen der domestizierten Normalität und konterkariert im nächsten Moment schon wieder die Erwartung. Die verschachtelten Rhythmen und aberwitzigen Breaks, das Aufeinanderprallen von unregelmäßigen Metren und Noise-Gitarren – all dass erinnert in seiner aufrührerischen Schroffheit durchaus an einschlägige französische Freejazz- und Rockbands.

Egal ob ungestüm oder hauchzart, brachial oder filigran – alles geht in fliegendem Wechsel, bedingt einander und entzieht sich schnell genug wieder der Kategorisierung. Sängerin Casey Moirs agiert als Shouterin mit ihrer grellen bohrenden Stimme – aber sie kann auch anders, nämlich leichtfüßig und verspielt das sonnige Idyll beschwören. Noch viel mehr Antithesen sind im Bandkonzept angelegt: Die fragile Barock-Stimme von Laurin Oppermann bringt in ausgesuchten Momenten eine fast mystische Zartheit ins Spiel. Luise Volkmanns Gespür für musikalische Formen scheint keine Grenzen zu kennen. „Father for the first time now“ ist der wohl kammermusikalischste Part dieses Werkes – einmal mehr ist dies eine Hommage an selbstbestimmte Lebensweisheit, überdies mit einer frappierenden Finesse ausgeführt, die locker einem Olivier Messiaen das Wasser reichen könnte. Gut auch, dass die ausgiebigen Lyrics in einem großen Booklet-Folder nach- und mitlesbar sind.

Fazit: Hier steht hinter einem kompromisslosen Werk ein ganzes Bündel vielfältigster Erfahrungen. Neugier ist einfach der beste Nährboden.

Été Large by Luise Volkmann
„When the Birds upraise their choir“
Nwog Records 2020
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Ein Gedanke zu „„When the Birds upraise their choir“: Das neue Album von Luise Volkmanns Kollektiv „Été Large““

  1. Super! – Welche Intensität im gesamt-körperlichen Ausdruck! Ein Ausdruck, der Eindruck auf mich macht … Wie kann ich mit Euch in persönlichen Kontakt kommen??? Wo lebt Ihr – überwiegend??? – HERZlich!

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