Statt Kino: Gitta Lind

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Gitta lind

Von Stephan Reimertz.

Gitta Lind – nur wenige verbinden heute noch etwas mit diesem Namen. Dabei war die 1925 als Rita Gracher in Trier geborene Schlagersängerin in den fünfziger Jahren so bekannt wie in den Zwanzigern Lotte Lenya. Allerdings hatte sie ein wenig mehr Format als diese; sowohl körperlich als auch stimmlich. Die Musik lag Gitta Lind im Blut. Ihr Urgroßonkel Johann Nepomuk Ris war Klavierlehrer von Ludwig van Beethoven. Ihr Vater war Architekt. Kein Wunder, wenn Gitta von Anfang an »irgendetwas mit Kunst« machen wollte. Lind wurde eine hochbegabte Schlagersängerin. Ihre glasklare Stimme macht die Interpretation deutscher Schlager und internationaler Songs zu einem Erlebnis.

Flotter deutscher Schlager einer großen Sängerin

Gitta Lind tanzte im Kinderballett, im Trierer Theater und bestand mit siebzehn als einzige Tänzerin von 52 Kandidaten die Aufnahmeprüfung an der Essener Folkwang-Schule. Doch immer wieder erlitt sie beim Tanzen Schwindelanfälle und verlegte sich darum auf Schauspiel und Gesang. Ihre Gesangslehrerin war die Opernsängerin Maria Ivogün. Während des Krieges sang Gitta Lind beim deutschen Soldatensender in Oslo und geriet bei Kriegsende ein halbes Jahr in Gefangenschaft. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland wurde sie im Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) rasch zur beliebten Rundfunksängerin.

Ein deutscher Schlager braucht nicht dumm zu sein

Mit ihrem großen Stimmumfang von Koloratur bis in die Alt-Lage konnte sie Lieder, Chansons und Schlager, aber auch Kompositionen von George Gershwin, Franz Lehár oder Ralf Benatzky interpretieren. In dem Chanson »Blumen für die Dame«, ihrem größten kommerziellen Erfolg, sang sie über drei Oktaven. Unvergessen ist ihre Version von »S’Wonderful« aus Gershwins Musical »Funny Face«, das später auch in »An American in Paris« vorkam. Der zweite Ehemann von Gitta Lind, Joachim Fuchsberger, genannt »Blacky«, schrieb einen deutschen Text dazu, das Orchester Max Greger begleitete die Schlagersängerin. Ein deutscher Schlager war geboren.

Intelligente Texte zu eingängigen Melodien

Ihre glasklare Stimme machte Gitta Lind unverwechselbar. »Ich hab getanzt heut Nacht« aus »My Fair Lady« wurde einer ihrer größten Hits. Auch die deutschen Versionen von französischen Chansons wie »Moulin Rouge«, »Plaisir d’Amour« und »C’est si bon« klagen bei Gitta Lind überzeugend. Aus dem Pariser Chanson wurde ein deutscher Schlager. 1974 starb die Schlagersängerin und ist wegen ihrer intelligenten Musikalität bis heute unvergessen. »Herz wird niemals unmodern«, meinte Gitta Lind. »Ich singe für Verliebte.«

Lange nach ihrer Karriere, im Jahre 1973, sang Gitta Lind hier drei ihrer großen Erfolge noch einmal an: »Weißer Holunder« (1956), »Blumen für die Dame« (1953) und »C’est si bon« (1954); eine Gelegenheit, die Sängerin und weitere ihrer Aufnahmen wiederzuentdecken.

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Statt Kino: Gitta Lind, 3.0 out of 5 based on 2 ratings

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