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Amerikaner und Briten haben deutsche Kriegsgefangene abgehört, wenn sie sich davon strategisch wichtige Informatioen versprachen. Während sich die Briten vorwiegend auf die höheren Rangstufen konzentrierten, belauschten die Amerikaner vor allem den gemeinen Soldaten.

Der Historiker Sönke Neitzel, der bereits 2005 über britische Abhörprotokolle deutscher Generäle schrieb („Abgehört“, Propyläen Verlag), stieß eher zufällig auf die transkribierten Protokolle. In fast zehnjähriger Arbeit sichtete er 150.000 Seiten der Kriegsdokumente und wertete sie gemeinsam mit dem Sozialpsychologen Helmut Welzer aus.

Anders als in den Feldpostbriefen an die Familien, sprechen die Soldaten untereinander offen auch über den Spaß am Krieg. So der Pilot Greim, der im Luftkrieg gegen England dabei war: „Das erste Mal sind wir noch vorbeigeflogen, dann haben wir noch einmal Angriff gemacht und haben reingehalten, mein lieber Freund, das hat Spaß gemacht!“ (zit. aus ZEIT/16)

FAZ net: „Die Autoren haben alle Zitate in ihre Analyse eingebettet. Sie verstehen ihr Buch als Beitrag zur Mentalitätsgeschichte der Wehrmacht, stellen bekannte Fragen neu: Wie nationalsozialistisch war der Krieg der Wehrmacht? [..]„Krieg“, lautet Neitzels und Welzers scharfzüngiges Resümee, „formiert einen Geschehens- und Handlungszusammenhang, in dem Menschen tun, was sie unter anderen Bedingungen niemals tun würden. In diesem Zusammenhang töten Soldaten Juden, ohne Antisemiten zu sein, und verteidigen ihr Land ,fanatisch‘, ohne nationalsozialistisch zu sein. Es wird Zeit, mit der Überbewertung des Ideologischen aufzuhören. Ideologie mag Anlässe für einen Krieg liefern, erklärt aber nicht, warum Soldaten töten oder Kriegsverbrechen begehen.““

Deutschlandradio Kultur: „Es deutet den Krieg der Wehrmacht eben konsequent nicht vom Zusammenhang der Judenvernichtung und des nationalsozialistischen Schreckens her. Sondern sie macht deutlich, dass soziales Handeln komplex ist und einen differenzierten Blick auf die Faktoren erfordert, die es prägen. Der Alltag, die soziale Nahwelt und ihre sozialpsychologischen Mechanismen gehören dazu – auch wenn es sich um den Kampf im Zweiten Weltkrieg handelt. In Bezug darauf präsentiert das Buch „Soldaten“ dem Leser eine bestürzende Innenschau, die den Blick maßgeblich erweitert.“

Sönke Neitzel / Harald Welzer:
„Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“.
S.-Fischer-Verlag, Frankfurt/Main 2011
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