„Raumfahrer“ – ein Klischee-Universum – Lukas Rietzschels zweiter Roman

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LiteraturVon Carsten Schmidt

Lukas Rietzschel hatte vor zwei Jahren mit dem Roman „Mit der Faust in die Welt schlagen“ ein Debüt hingelegt, das sich ein Brüderpaar in Ostsachsen während der Nachwendezeit vornahm.

Der damalige Ullstein-Verleger lobte seinen Autoren in solchen Tönen, dass sich weitere Medienleute auf die Suche nach Labels machten und Rietzschel – bereits vor Erscheinen des Werkes – zum Ost-Experten und Erklärer von Rechtsextremismus machten, obwohl der Autor in seinem handwerklich kargen sowie inhaltlich zurückhaltenden Erstlingswerk überhaupt nichts tiefgründig erklärte. Man wollte ganz offenbar etwas in ihm sehen. Nun schien der Autor selbst daran zu glauben und sagte gegenüber dem MDR, er „nehme diese Rolle gern an.“

Und so wirkt das zweite Buch auch beinahe wie ein Auftragswerk. Der Autor wurde bis zur Lanz-Sendung hinauf zu einer Art Shooting-Star gemacht, und nun versuchte er wohl, in den hingehaltenen Raumanzug selbst zu einem Raumfahrer zu werden und hineinzupassen in das Erwartungs-Dress.

Wie im ersten Werk nimmt er sich in „Raumfahrer“ ein Brüderpaar vor, hierbei als eine von mehreren Handlungssträngen. Anders als beim Debüt versucht er, gleich drei Generationen darzustellen. Die junge Generation ist vertreten durch Jan, der als Pfleger in einer Klinik arbeitet. Die Ärztin Karolina sucht ab und an Jans Nähe, vermittelt ihm aber auch, dass er stehenbleibe und versacken würde, wenn er sich nicht weiterbewege. Damit ist die Gravitationskraft der zähen, deprimierenden Umgebung gemeint, in der Jan lebt.

Mutter und Vater, sie bilden die zweite Generation, leben ab einem bestimmen Punkt getrennt. Es wird zwischen etlichen Zeitebenen gewechselt, in der sich der Alkoholismus der Mutter und das Interesse vom Vater an anderen Frauen weiterentwickelt.

„Mutter“ und „Vater“ bleiben in ihren Titeln zumeist unbenannt, bis sie im Laufe des Buches erkennbar zum Bindeglied der altersmäßig dritten Generation werden, der Generation der älteren Herren Baselitz, bzw. bürgerlich Kern. Während der eine bürgerlich – Günter Kern – noch heute in Kamenz lebt, ist der andere seit 1958 kein „Ostdeutscher“ mehr, sondern verließ die Kunsthochschule Ost-Berlin und wurde der weitbekannte Maler Georg Baselitz, ursprünglich Hans-Georg Kern. Die Brüder können im Buch über die deutsch-deutsche Grenze ihren Kontakt nicht aufrechterhalten. Beide sind im Visier der Stasi und ihre Briefe erreichen nur selten ihr Ziel. Günter Kern hat Rietzschel Dokumente und Briefe zur Verfügung gestellt, und Rietzschel hat sie nach eigenen Worten „arrangiert, umgedichtet“ und nach seiner Vorstellung „dramatisiert“.

Das ist für einen Gesellschaftsroman vielleicht nicht ungewöhnlich, aber es kann eben auch übers Ziel hinaus gehen. Im Fall der Brüder geht es ins Absurde. Da ist in Briefen ausdrücklich von Republikflucht, Parteimitgliedschaft und Treffen in West-Berlin sowie der Hoffnung auf das Bleiben im Westen die Rede. Jeder Jugendliche wusste, dass damals Pakete durchleuchtet und Briefe geöffnet wurden, niemand hätte so etwas in einem Brief geschrieben, wenn er nicht lebensmüde gewesen wäre. Das ist nicht nur „dramatisiert“ und „umgedichtet“, es wird der DDR-Realität nicht gerecht. Es ist dies aber kein kleines Ärgernis, denn genau darunter haben Tausende real gelitten in der DDR – und es ist eben auch nicht nur einfach Teil von einem „fiktiven Roman“, wie man ja leicht argumentieren könnte. Es ist ein zu verharmlosender Umgang mit Historie, weil es suggeriert, dass so etwas leicht in der DDR möglich gewesen sei, was einfach nicht stimmt, denn für solche Zeilen sind viele ins Gefängnis gekommen. Es ist insofern bedeutsam, weil Rietzschel eben nicht von Elfen und Zauberern erzählt, sondern von realen Menschen, die er als Brüder Baselitz ja auch benennt.

Rietzschel wählt auch in den anderen Handlungssträngen die Nähe zur Realität, er nähert sich der Nachwendezeit exakt bis zur neonbeleuchteten Laderampe des Dänischen Bettenlagers oder der Unterhose des abgehalfterten NVA-Offiziers. Das heißt, er wählt bewusst exakte Bilder, die der Realität nahekommen sollen. Dabei unterlaufen ihm aber nicht nur handwerkliche, sondern auch inhaltliche Fehler. Nein, „FDJ-Pioniere“ hießen die nicht, nein, das mit der DDR-Radiowerbung stimmt auch nicht – nein, man konnte nicht einfach am Kennzeichen erkennen, ob ein Auto exakt aus Kamenz kommt, und nein, Karpfen wurde nicht so gefördert, weil die DDR etwa zu doof war, Fleisch herzustellen. Auf dem Papier gab es Mangel, aber der bestand auch, weil die DDR viel Fleisch exportierte, und zwar auch in den „goldenen Westen“, wo eben nicht alles golden war.

Aber es ist nicht die Anzahl der kleineren oder größeren Hacker, die das Buch zäh zu lesen machen. Auch nicht der flatterhafte, unruhige Stil eines Autors, der keine halbe Seite bei einem Bild bleiben will, und ständig weiter hastet. Es ist auch nicht die wie im Debüt gewählte karge Wortwahl, die Aneinanderreihung von hunderten sterilen Aussagesätzen. Stellenweise möchte man Rietzschel einen Duden vor die Füße kippen, 200 Adjektive rausnehmen und ihm sagen: „Hier, schreib, WIE es ist, WIE die denken, WIE die Motivation sich entwickelt.“ Nur, da, wo man als Autor selten länger als zwei Sätze bleibt, entwickelt sich kein Erzählfluss und auch keine Dreidimensionalität der Charaktere.

Es bleiben mehrere Arten von Nachgeschmack. Zum einen ist es schlichtweg schade, dass Rietzschel dem Klischee erliegt, das seit 20 Jahren vielen Ost-Narrativen vorgeworfen wird – vor und nach der Wende – nämlich vorrangig die DDR als Mangelstaat zu sehen, in der die Bevölkerung entweder ideologisch völlig naiv war, oder, wenn nicht bei der Stasi, so Opfer der Stasi. Er beschreibt nach der Wende fast ausschließlich Tristesse, Lustlosigkeit, Alkoholismus, Arbeitslosigkeit, aber auf eine Weise, in der man selbst nicht mehr weiter will. Nur: Hunderte Sätze wie: „In einem der Zimmer tickte eine Uhr“ sind noch keine „große Literatur“, wie tatsächlich ein Journalist über den Roman schrieb. Und Tristesse, Arbeitslosigkeit und neonbeleuchtete Laderampen an Dänischen Bettenlagern gibt es in der Oberpfalz auch.

Lukas Rietzschel lebt in der beliebten sächsischen Stadt Görlitz und er kennt die positiven Seiten und das Aufleben, die guten, hellen Entwicklungen, die es hier auch gibt. Als Autor entscheidet er sich aber offensichtlich bewusst, alles gedimmt und dunkel zu halten – vielleicht, weil ihm dann das Publikum „den“ Osten besser abkauft.

Ein anderer Nachgeschmack sind die erzählerischen Mittel. Nun wurde dem Autor bei Ullstein bei den vielen Holperern nicht unter die Arme gegriffen – und bei dtv nun auch nicht, obwohl jedem mit Leseerfahrung auffällt, dass die ersten 50 Seiten von „Raumfahrer“ merklich in völlig anderer Schreibumgebung entstanden und erzählerisch wirklich unfertig daherkommen. Auch dass die Baselitz-Geschichte stilistisch und szenisch wie ein Fremdkörper wirkt, wie in die Restgeschichte eingebügelt, hätte irgendjemandem vom Verlag auffallen müssen. Dem Autor muss es irgendwann selbst aufgegangen sein, wie sehr es teilweise krampft, denn er schreibt am Ende: „Dieser Text stellte mich im Laufe seiner Entstehung vor ungeahnte Schwierigkeiten.“ Das kann man wohl sagen.

Tatsächlich ist der Roman an einigen Stellen handwerklich eine Liga besser als das Debüt. Das ist überraschend und freut wirklich, denn nur wenige Autoren können solch eine Entwicklung schaffen. Das Verhältnis von der alkoholkranken Mutter und Jan etwa ist wirklich punktuell toll getroffen, die Szenenübergänge klappen, die Bilder sind zum Teil mutig und schön. Aber oft nur für drei, vier Zeilen. Wie im ersten Buch lässt Rietzschel die Kamera immer wieder sinken, schwenken und baut gefühlt zehn Schnitte pro Seite ein, vertraut weder Plot noch Figuren und greift als Erzähler dauernd ins Bild.

Aber es gibt noch einen Nachgeschmack, der mit dem Buch einhergeht. Das ist das Theater, das von einigen um den 27-jährigen Autoren gemacht wird.

Man kann über Geschmack streiten, klar. Auch über die Art, wie Bücher geschrieben sind. Aber zum Beispiel zu behaupten, Rietzschel hätte bereits mit seinem Debüt „DEN Ostroman der 2000er schlechthin“ geschrieben, wie Matthias Schmidt vom MDR es sieht – tja. Das ist wirklich, betrachtet man die beiden Romane von Rietzschel inhaltlich, erzählerisch und handwerklich: absurd.

Es sei Menschen wie ihm dringend empfohlen, mal fünfzig oder hundert Romane der letzten 21 Jahre zu lesen von Autoren wie Christoph Hein, Marko Martin, Franziska Hauser, Eugen Ruge, Jana Hensel, Grit Poppe, Leandra Moor, Birk Meinhardt, Ingo Schulze, Erich Loest, Judith Schalansky, Marion Brasch, Regina Scheer, Maxim Leo, Lutz Seiler, Clemens Meyer, Thomas Brussig, Julia Schoch, Kirsten Fuchs und noch ganz viele andere, um zu sehen, wie Dialoge, Humor, Spannung, dreidimensionale Charaktere, gesellschaftliche Relevanz und klare Erzählhaltungen ausschauen.

Aber vermutlich ist das egal. Rietzschel hat seinem Roman „Raumfahrer“ ein Zitat von Günter Grass vorangestellt – und somit ist das Narrativ vermutlich schon gebacken. Darunter geht es jetzt nicht mehr.

Lukas Rietzschel
Raumfahrer
dtv Verlag, München 2021
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„Raumfahrer“ – ein Klischee-Universum – Lukas Rietzschels zweiter Roman, 5.0 out of 5 based on 3 ratings

Ein Gedanke zu „„Raumfahrer“ – ein Klischee-Universum – Lukas Rietzschels zweiter Roman“

  1. MIT FAKE-LITERATUR VON DUNKELDEUTSCHLAND NACH HOLLYWOOD
    Görlitz, 24. Juli 2021: Starautor Lukas Rietzschel gibt sich die Ehre. Szenische Lesung mit Mimen des Staatsschauspiels Dresden. Moderation ein Journalist der SÜDDEUTSCHEN. Edel ergraute Cheflektorinnen den Münchner dtv-Verlags extra angereist. Bei der führenden Buchhandlung vor Ort für 9 Euro die letzte Platzkarte ergattert. Mal mal wieder zu spät gekommen. Bin ich der einzige Ossi hier?
    Die kulturmafiamäßig aufgebrezelte Location-Managerin weist mich ein, hypernervös ob der angereisten Prominenz. Dort hinten in der dritten Reihe sei noch ein Platz frei. Der Herr Rietzschel gehen jetzt nach Hollywood, meint sie aufgeregt. Hier bei uns habe ich ihn eigentlich nie gesehen. Und normalerweise kommt Hollywood zu uns. Gigantische Filmproduktionen, schon seit den DEFA-Märchenfilmen der 60-er Jahre. Drüben auf dem Postplatz Open-Air-Kino. Gezeigt wird das Oscar-prämierte »Grand Hotel Budapest«. Die halbe Stadt hat mitgespielt, lagert mit Softdrinks und Snacks um die Sommerkino-Leinwand.
    Da geh ich nachher hin. Aber erst mal Dichterlesung. Alles vom feinsten hier in der alten Waggonfabrik. Satte Fördergelder von Staatsregierung und Europäischer Union reingebuttert, Kongressambiente, modernste Audio- und Videotechnik. Nicht unbedingt Standard im Landkreis Görlitz, der östlichsten und ärmsten Deutschland, wo man gerade ein Vierspartenhaus abwickeln will, Philharmonie, Schauspiel, Tanz- und Sprechtheater – aus Kostengründen.
    Zufälligerweise sitz neben mir eine junge Frau. Wuchs Seit an Seit mit Rietzschel im grässlichen Räckelwitz auf, wo sein dokumentarischer Debütroman spielt, der Bestseller »Mit der Faust in die Welt schlagen«. Übelste Typen dort in Sachsen, alles grau und gottverlassen, Dunkeldeutschland halt. So steht es Lesern vor den Augen, die sich durch die zäh-depressiv dahinquälenden ersten hundert Seiten arbeiten (wenn sie nicht darüber einschlafen). Besser nicht hinfahren! Einer tat es, ein Spiegel-Redakteur: Schlenderte durch hübsche Dörfchen, erfreute sich am Kirchlein und Blumenbeeten rund ums pittoreske Schloss. Wollte vom Bestsellerautor wissen, wo sich dem sein klaustrophobisches Sittengemälde abgespielt habe, das autobiografisch dokumentierte. Wurde zur Wendeschleife hinten links bei der Schweinemast verwiesen, zur Bushaltestelle. Aha? Aha. Schon war sie hin, die Faszination des Grauens. Allemal besser als die schnöde Wirklichkeit sind jene Bilder, die im Kopfe entstehen. Alte Literatenweisheit.

    So. Während ich leise mit Rietzschels Dorfgefährtin (nette Frau, ist Ärztin geworden, kann gut zuhören!) leise was ins Ohr flüstere – von wegen Staatsschauspieler aus Dresden, wieso nicht welche von hier, und das schon bei der Görlitzer Kulturhauptstadtbewerbung 2005 die Fördermittel von Dresden und schnurstracks zurück, während hiesige Künstler, Filmemacher und Theaterleute leer ausgehen – da geschah das Unfassbare!

    Einer jener engagierten Dresdner Staatsschauspieler, die den weiten Weg in die Kulturwüste Görlitz antraten, um Rietzschels neueste Depressiv-Fantasien vor Görlitzer Dorfdeppen zu deklamieren, fasziniert angestarrt von jenen grauhaarigen Münchner Cheflektorinnen, die nach der Erbauungsveranstaltung unser Örtchen – und darauf wette ich eine Flache Rotköppchensekt – fluchtartig verlassen, sich von Stress im Grand Hotel Taschenbergpalais zu Dresden kampieren und tags darauf Münchner Verlagskollegen Bericht erstatten, gefährliche Reise ins Transsylvanien Dunkeldeutschlands und so …

    Wahrhaftig wahr: Einer dieser Staatsschauspieler fühlte sich beim Deklamieren brandneuer Verse des Räckelwitz-Poeten – der Autor beschreibt einen Mann in Hoyerswerda, der so aussehe, als ob er anstatt mit Hund mit Schwein Gassi gehen würde (kennt man aus urbayerischen Achternbuch-Filmen, erinnert aber auch an den Antisemitismus des Hetzblatter »Der Stürmer«, damals im Tausendjährigen Reich, wo Bildsprache dazu diente, ganze Volksgruppen zu diffamieren, die Schreiberlinge hatten auch Talent) …
    Also: Besagter Staatsschauspieler oben auf der Laufbühne, welche die Zuhörerschaft streng in zwei Gruppen spaltete, schrie auf mich hernieder an jenem lauschigen Sommerabend zu Görlitz , 24. Juli 2021, auf mich, den Sünder, den ostdeutschen Dunkeldeutschen (dass ich kein Ossi bin, lediglich ein gestrandeter Wessi , diverse Fluchtversuche gen Golderner Westen glücklicherweise gescheitert und seitdem Wossi, wie so viele hier, wo die Sonne aus erstes aufgeht in Deutschland, das tut hier nichts zur Sache.
    Kommen wir zur Sache: Schlagartig durchbohrten mich tausenderlei hasserfüllte Augen in diesem prallvoll mit Gutmenschen vollgestopften Etablissement. Ich hätte aufstehen und schreien können: „Niemals, meine Herrschaften, habe ich jemals ein Schwein an der Leine durch Hoyerswerda geführt, und ich habe auch nicht die Absicht, solcherlei zu tun. Ick bin Berliner, keen Sachse, nur zu zujereist und festgeklebt seitdem.«
    Keiner hätte mir geglaubt. Also schwieg ich.
    In der Pause nahm ich die Gelegenheit wahr, Rietzschels ehemaliger Dorfgefährtin mit allem möglichen zuzutexten. Dass die Oberlausitz einen riesigen Freiraum für Zukunftsprojekte sei, die coolsten Projekte hier laufen, super Leute überall, auch rum um dem Starautor sein Popelnest namens Räckelwitz, dass ich stinksauer sei, weil er nicht nur die Biografie des Malers Baselitz ohne Erlaubnis auf dem Kopf gedreht hat, sondern auch den Begriff »Raumpioniere«: Oberlausitzer, die hier alternativer Arbeits- und Lebensformen entwickeln. Die Gleichgesinnte aus dem Westen anziehen wollen, sich um Pressepräsenz bemühen. Aber wie denn, wenn Rietzschel jetzt mit seinem auf-den-Kopf-gestellt-geklauten Romantitel »Raumfahrer«daraus wieder einmal Dunkeldeutschland macht, weil das sein Karriere-Markenzeichen ist?
    DIE ZEIT nennt seinen neuen Roman „Ostdeutsche Gegenwartsliteratur“. Die Süddeutsche druckt Gefälligkeitsrezensionen. Kurz vor der Bundestagswahl interviewt ihn die renommierte FAZ. Der Starautor mit Plüschaugen-Wimpernblick äußert Besorgnis ob der schwierigen politischen Lage in Ostdeutschland. Präsentiert sich homepagemäßig vor einem der wenigen noch nicht restaurierten Altstadthäuser, wohnt angeblich hier. Man sieht ihn bloß nicht. Lebte lange in Kassel. Residierte im Bayreuther Künstlerhaus Villa Concordia. Ist auf dem Weg in die USA: Künstlerresidenz Villa Aurora, großzügig finanziert von der Bundesrepublik Deutschland. Hat anscheinend beste Kontakte bei der Kulturmafia, der Quotenossi. Mit Fake-Literatur von Räckelwitz an den kalifornischen Sonnenstrand. Das macht ihm so leicht keiner nach!
    Und Görlitz? Görlitz ist Görlywood! Momentan drehen Studio Babelsberg und X-Film Creative Pool hier, nicht zum ersten Mal. Die Berliner fühlen sich pudelwohl, wollen hier demnächst die Sächsische Filmakademie auf. Rietschel wird in Hollywood an seinem Œuvre arbeiten, vermutliche Arbeitstitel „Angriff der Horror-Ossis“ bzw. „Zombies in Dunkeldeutschland“. Wenn die Amis Hollywood ihre Dollars locker machen, wird er zurück in die Heimat kommen. Die Görlitzer werden Filmkomparse spielen, sich Monsterpappnasen aufsetzen und Draculazähne ins Gebiss drücken lassen. Und der Oberbürgermeister höchstpersönlich wird den Starautor um einen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt bitten. Wir sind so cool und locker hier im Osten, lassen alles mit uns machen – sogar Gruselbücher für die Wessis darf man über uns schreiben.

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