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In einer erstmals ungekürzten Ausgabe liegt nun Hans Falladas „Jeder stirbt für sich allein“ vor. 1945 entstanden die über 800 Seiten in nur vier Wochen. Doch als das Buch 1947 erstmalig herauskam, hatte der Lektor in der damaligen DDR aus politischen Gründen eingegriffen und einiges gekürzt.

Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit: Das Arbeiterehepaar Hampel leistet mit selbstgeschriebenen Postkarten und Zetteln 1940 Widerstand gegen die Nationalsozialisten. 1942 werden die beiden angezeigt, 1943 hingerichtet. Bei Fallada heißt das Ehepaar Quangel. Die Gesellschaft ist bereits zersetzt von Misstrauen gegenüber dem nächsten, von Niedertracht und Hass.

FAZ net resümiert: „Denn die, fast möchte man sagen: private Absicht der Diktatur und ihrer geifernden Helfer ist es hier, Charaktere zu zerstören, eine Art sozialer Sadismus, dem selbst die Hinrichtung der Gegner noch nicht genügt. Der Widerstand ist für das Arbeiterpaar Quangel weniger ein politischer Akt als die Entscheidung, das um keinen Preis mit sich machen zu lassen: weil das Selbst, das es mit sich machen ließe, keines mehr wäre, das man ertrüge. Insofern klammern sie sich an ihre hilflose Tat. Hans Fallada hat also nicht weniger als einen Roman über das Gewissen geschrieben.“

Hans Fallada: „Jeder stirbt für sich allein“.
Aufbau Verlag, Berlin 2011
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