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Tahlia Petrosian / © Laure Ugolini

Tahlia Petrosian / © Laure Ugolini

Tahlia Petrosian ist Solo-Bratschistin beim Gewandhausorchester Leipzig, doch ihre musikalische Karriere führte sie bereits durch Europa, Australien und Nordamerika, wo sie mit führenden Orchestern spielte. Die mehrfach ausgezeichnete Musikerin hat zudem ein Studium der Geisteswissenschaften und der Jurisprudenz absolviert und arbeitete in einer der führenden Kanzleien Sydneys.

Vor wenigen Tagen war sie Referenten auf der Karajan Music Tech Conference in Salzburg.

Feuilletonscout: Frau Petrosian, Sie kommen gerade von der Karajan Music Tech Conference in Salzburg. Dort haben Sie Ihre Leipziger Konzertreihe KLASSIK underground vorgestellt. Was ist KLASSIK underground?
Tahlia Petrosian: KLASSIK underground bringt klassische Musik ins 21. Jahrhundert. Aftershowsessions, in denen Weltstars der klassischen Musikwelt nach ihrem Auftritt im benachbarten Gewandhaus zu Leipzig in den ‚underground’ der Moritzbastei Club eintauchen, sind ein fester Bestandteil von KLASSIK underground. In gemeinsamen Performances mit Gewandhausmusikern reißen diese Weltstars Klassik aus dem Konzertsaal und machen sie direkt und hautnah erlebbar. Zu Gast bei KLASSIK underground waren schon u.a. Leif Ove Andsnes, Joshua Bell, Anne-Sophie Mutter und am 5. Mai tritt Jean-Yves Thibaudet auf… Karten kosten nur 10 EUR und unsere ausverkauften Shows bringen junge Menschen in Kontakt mit Klassik auf dem höchsten Niveau.
Wir nehmen die KLASSIK underground Shows auf und bereiten Videoclips vor, mal ganz normale Clips, mal in 360 Grad. Die Clips stellen wir auf unsere Webseite, Facebook und auf die sozialen Mediennetzwerke unserer Gastsolisten. Sie werden auch auf den Netzwerken geshared. Mit den Clips erreichen wir Leute weltweit und zeigen wie cool und modern Klassik präsentiert werden kann – KLASSIK underground verbindet Klassik mit sozialen Medien auf eine ganz neue Art.

Feuilletonscout: Welche Innovationen hält die Klassik für uns bereit? Sie selbst spielen Bratsche im Gewandhaus Orchester Leipzig. Das klingt eher konservativ.
Tahlia Petrosian: Das ist ja konservativ! Auf der Konferenz wurden Innovationen in Virtual Reality (VR), in der Verbindung zwischen Musik und Medizin und in der Tonaufzeichnungstechnik  präsentiert. Die Innovationen die Klassik für uns bereithält, bestehen darin, wie man Klassik erleben kann, ohne ins Livekonzert zu gehen. Zum Beispiel: man könnte mit einer virtuellernRealitätbrille zuhause ein Livekonzert in der ersten Reihe – oder sogar auf der Bühne! – erleben, oder mit 3D Tonaufnahmen könnte man sich mit Kopfhörern und Head Tracking die verschiedenen Instrumentengruppen im Orchester anhören, genau so wie die von verschiedenen Sitzplätzen im Konzertsaal zu hören wäre.

Feuilletonscout: Was hat Sie auf der Konferenz am meisten zum Staunen gebracht?
Tahlia Petrosian: Für mich – vor allem in meinem Beruf als Musikerin, wo es um Klang und Klangqualität geht –  waren die Entwicklungen in der Technik bei Tonaufnahmen und die verbesserte Tonqualität am beeindruckendsten. Die Chance, mit 3D Audio mittendrin im Orchester die verschiedenen Musiker und Musikerinnen und orchestralen Teile auf der Bühne sich anhören zu können, das hat mich zum Staunen gebracht. Wenn die Technologie einem Erlebnisse anbietet, die man in der Realität NICHT erleben kann, aber die erstaunlicherweise sogar besser als die Realität sind – wie 3D Audio – das ist genau der Punkt, wo die Kombination Klassik und Tech sehr spannend wird.

Feuilletonscout: Wer waren die Besucher? Welchen Eindruck hatten Sie von ihnen?
Tahlia Petrosian: Viele Besucher hatten natürlich viel Interesse an der ‚Tech’ Seite der Konferenz und viele arbeiteten im Bereich von Technologie, Medizin oder auch in den Klassik-Branchen wie Produktion, Aufnahmen, Livestream usw.
KLASSIK underground ist ein Start-Up und es war interessant und spannend, mit anderen Start-Ups (meistens Apps) und mit den anderen Ausstellern und den Besuchern in Kontakt zu kommen.

Feuilletonscout: Was nehmen Sie für sich selbst mit von der Konferenz nach Hause?
Tahlia Petrosian: Als Orchestermusikerin und Mitglied eines traditionellen Klangkörpers hat die Konferenz für mich klargestellt, dass alle Orchester sich über die aktuellen Entwicklungen in der Technik informieren müssen und müssen sich doch fragen, wie sie die Vorteile dieser neuen Technologie wahrnehmen können – ob es um Aufnahmen, ob es um Livestream usw.  geht. Wenn Klassik im Allgemeinen wenig Interesse an der Technologie und der zukünftigen Technologie zeigt, entsteht die Gefahr, dass sie nicht modern und dadurch nicht mehr relevant wird.
Für mich als Leiterin von KLASSIK underground war die Konferenz ein sehr spannendes Erlebnis und eine super Chance, Kontakt mit anderen Leuten und anderen Firmen aufzunehmen die sich ebenso wie wir für die Zukunft der Klassik interessieren. Der Erfolg von KLASSIK underground zeigt, dass Klassik eine spannende Zukunft hat, wenn die Neuentwicklungen in Technologie offen sind und wenn die mit diesen und neuen Konzepten zusammenarbeitet. KLASSIK underground wurde auf eine sehr positive Art aufgenommen und ich bin mir sicher –  Dank unserer Einladung zur Karajan Music Tech Conference – dass neue Projekte, Partner und Entwicklungen für KLASSIK underground bald entstehen werden.

Vielen Dank für das Interview, Tahlia Petrosian!

 

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