Ein Moment mit … Pianistin Julia Rinderle

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Das Gespräch führte Barbara Hoppe.

Als ich Julia Rinderle das erste Mal begegne, spielt sie gerade Schuberts „Forelle“. Natürlich. „Schubert ist einer meiner Herzenskomponisten“ bekennt die 1990 in Memmingen geborene Pianistin, die auch an der Hochschule Hannover einen Lehrauftrag hat. „Meine erste CD habe ich Anselm Hüttenbrenner gewidmet, einem ganz unbekannten Schubert-Zeitgenossen.“ Das Manuskript seiner „Geisterszenen“ entdeckte der Musikwissenschaftler Michael Aschauer in der Grazer Bibliothek. Julia Rinderle war seine Wahl für die Welteinspielung dieses Werkes – und sie hauchte den Stücken ihre ganz eigene Note ein.

Das war 2016. Drei Jahre später fand sie es daher nur logisch, ihre zweite CD Hüttenbrenners sehr gutem Freund Franz Schubert zu widmen. So entstand Julia Rinderles ganz persönliche „Schubertiade on Piano“. Aufgenommen im Solitär am Mozarteum in Salzburg, erfüllte sich die junge Pianistin damit den lang gehegten Traum, ein reines Schubert-Album aufzunehmen. „Schubert hat über 700 Lieder geschrieben. Er ist einer der größten Liedkomponisten. Seine gesangsprachliche, sehr intime, innige Klangsprache, die er hat, ist eine ganz eigene Handschrift, die mich sehr anspricht.“ Inhaltlich konzentriert sich die Musikerin auf dem Album auf die drei Klavierstücke D946, die der Komponist in seinem letzten Lebensjahr, 1828, schrieb. Drei weitere Stücke der CD – „Auf dem Wasser singen“, „Ständchen“ und „Der Wanderer“ – wurden von Franz Liszt, ein großer Bewunderer Schuberts, für das Klavier arrangiert. Mit der im Jahr 1822 entstandenen „Fantasie C-Dur Op. 15 „Wanderer““ schließt die CD.

Bei so viel Liebe zum Komponisten wundert es nicht, dass Julia Rinderle für ihren neuesten Videoclip erneut für Schubert in die Tasten greift. Es ist eine Aufnahme, die in der in Corona-Zeiten verwaisten Villa Elisabeth in Berlin unter der Regie von Elisabeth und Yoél Culiner stattfindet. „Elisabeth und Yoél sind sehr gute Freunde von mir. Elisabeth ist Flötistin und wir haben früher viel Kammermusik zusammen gemacht,“ erklärt Julia Rinderle. „Wir haben vor über zehn Jahren angefangen, zusammen zu spielen und dann haben sie und ihr Mann die Firma culiner creatve circle gegründet und machen jetzt diese wunderbaren Musik- und Kunstfilme sowie Musikporträts. Ich durfte schon einmal einen Clip mit ihnen aufnehmen und jetzt war die Gelegenheit wieder günstig und ich habe sie genutzt“, schmunzelt die Pianistin.

Und vielleicht spielt sie dann demnächst auch wieder live die „Wanderfantasie“. Damit und einem Mozartprogramm im Gepäck hätte sie im August in China sein sollen. Daraus wurde dank Corona vorerst nichts. Doch Julia Rinderle bleibt optimistisch und hofft, dass es im Oktober in allerlei Formen und Facetten weitergeht.


J

Julia Rinderle
Schubertiade on Piano
ARS Produktion 2019
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