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Ein Moment mit ... Orioxy, deren drittes Album „Lost Children“ heute erscheint. Musik mit SogwirkungSie kommen aus der Schweiz, Frankreich und Israel, ihre Instrumente sind Harfe, Kontrabass, Schlagzeug und die Stimme von Yael Miller. Seit 2008 ist das Quartett Orioxy auf den Bühnen der Welt zu Hause.

Anlässlich ihres dritten Albums „Lost Children“ sprachen sie mit Feuilletonscout über Schubladen im Musikbusiness, die Freude an Konzerten und die Weiterentwicklung in ihrer Musik.

Feuilletonscout: Wenn man Ihre Musik hört, dann hat man das Gefühl, man schwirrt auf zarten Flügeln zwischen sphärischen Klängen, Jazz, schmeichelndem Gesang und Experiment. Wie würden Sie Ihre Musik beschreiben?
Orioxy: Wir stehen nicht so darauf, unsere Musik mit Wörtern zu beschreiben und es gibt kein stilistisches Konzept, das dahintersteckt. Unsere Musik ist einfach ein Ergebnis, eine „Metissage“ unserer verschiedenen Musikeinflüsse, die sich durch unsere vier musikalischen Persönlichkeiten abmischen. Alle von uns hören und lieben viele verschiedene Stilrichtungen, und stehen mehr auf das „wie“ als auf das „was“.
Was unsere Musik immer auszeichnet, ist die Intimität.
Wie wissen auch, dass der Musikmarkt Schubladen braucht, und haben schon deswegen viel darüber nachgedacht. Wir beschreiben unsere Musik im Moment mit dem Begriff „Jazz-Songwriting“.

Orioxy 4_Laurent Milllet-Lacombe

Foto: Laurent-Millet-Lacombe

 

Feuilletonscout: Sie sind eine multikulturelle Band, leben in der Schweiz. Beschreiben Sie kurz Ihre musikalischen Wurzeln und wann und wie die Gruppe entstanden ist.
Orioxy: Die Gruppe ist nach der Begegnung von Yael und Julie im Jahr 2008 entstanden. Sie haben sich in Genf, im Musik-Zentrum AMR getroffen und sind sofort Freundinnen geworden. Sehr schnell haben sie Musik zusammen gemacht. Am Anfang nur im Duo und dann auch mit einem Kontrabassisten und einem Schlagzeuger. Julie ist in Genf groß geworden und hat ein klassisches Studium absolviert, zuhause hat sie aber immer andere Musik angehört, The Doors, Claude Nougaro, I am aber auch „ethno“ Musik. Yael ist in Tel-Aviv groß geworden und hat dort sowohl ein Jazz- als auch ein Klassikstudium gemacht, zuhause hat sie Künstler wie Chopin, Oscar Peterson, Björk und Sarah Vaughan angehört. Sie interessiert sich auch sehr für Indianischen Gesang und hat z.B. mit Mangala Tiwari in Benares studiert.
Es hat Zeit gebraucht, um die richtigen Partner zu finden, weil die Musik sehr persönlich ist.
Seit vier Jahren haben wir mit Manu und Roland das richtige Team gefunden. Roland ist in Lyon aufgewachsen und hat seine ersten musikalischen Wurzeln im Pop-Rock, dann hat er den Jazz mit dem Coltrane Quartet entdeckt und hat sein Jazz-Studium in Frankreich gemacht. Zuhause hat er Künstler wie Maurice Ravel, Ahmad Jamal oder Rage Against the Machine angehört. Manu ist gleichzeitig mit traditionellem Jazz – der von seinem Vater angehört und gespielt worden ist – und aktuellem Pop-Rock in Genf groß geworden, zuhause hat er Maceo Parker, Red Hot Chili Peppers oder Nirvana für sich angehört. Es folgte ein Jazzstudium in Bern.

Orioxy_Sunset - Paris (F) 2010 Laurent Millet-Lacombe 2

Foto: Laurent Millet-Lacombe

Feuilletonscout: Sie spielen viel auf Festivals und in Clubs. Was macht für Sie den Reiz aus, live zu spielen?
Orioxy: Es tut uns einfach gut… Für uns ist es vital, mit dem Publikum die Musik mitzuerleben. Ohne Konzerte würden wir wahrscheinlich aufhören, Musik zu machen. Wir lieben die Herausforderung, der wir als Musiker bei Konzerten gegenüberstehen.

Feuilletonscout: Bei der Fülle der gemeinsamen Auftritte und dem permanenten Zusammenarbeiten: Wie hält man Distanz bzw. gewährleistet, dass man sich nicht gegenseitig blockiert, sich zu sehr um sich selbst dreht?
Orioxy: Für jeden von uns bedeutet dies eine enorme Anpassung- und einen hohen Kommunikationsaufwand. Es braucht viel Geduld und Vertrauen von allen zu den anderen. Und die Energie, um es einzusetzen, ziehen wir aus dem Glauben an das gemeinsame musikalische Projekt. Wir arbeiten ja gleichzeitig auf fast allen Ebenen zusammen: künstlerisch, logistisch, administrativ, finanziell, technisch. Wie ein vierköpfiges Ehepaar diskutieren wir immer wieder viel zusammen, um die Wege für die optimale Zusammenarbeit auf jeder Ebene zu finden. Es sollen der Willen und die Bedürfnisse von allen respektiert werden.

Feuilletonscout: Wie unterscheidet sich „Lost Children“ von seinen Vorgänger-CDs?
Orioxy: Erstens denken wir dass, – wie schon das zweite Album im Vergleich zu dem ersten – die Musik des dritten Albums in eine klarere Richtung geht, die Musik von Orioxy sich besser definiert.
Obwohl die ursprünglichen Kompositionsideen immer von Julie und Yael kommen, die Musik und die Arrangements dieses Albums sind dieses Mal wie noch nie zuvor auch das Ergebnis einer intensiven und gemeinsamen Arbeit. Das Einsetzen der elektronischen Effekte ist auch ein neuer Aspekt, der in den bisherigen Alben praktisch nicht da war. Wir haben auch in diesem Album verschiedene Kooperationen gemacht, wie mit Jonas oder Douglas Fowley Jr für die Texte oder das Featuring von dem Rapper Sami. Außerdem ist auch neu, dass es französische Texte gibt.

 

Orioxy – New Album Teaser from Orioxy on Vimeo.

 

Feuilletonscout: Für Ihre Musik erhalten Sie viel Lob. Beim Avignon Jazz-Wettbewerb 2013 haben Sie gesiegt, für Ihr zweites Album „The other strangers“ erhielten Sie mehrere Auszeichnungen. Wie wichtig ist Ihnen diese Art der Anerkennung?
Orioxy: Diese Anerkennungen erleichtern die Promotionarbeit. Sie geben jedes Mal einen Energieschub, um in dieser schwierigen Musik-Welt weiter zu kämpfen und wenn es sogar eine finanzielle Hilfe gibt, hilft es auch weiter, um zusätzliche spannende Projekte zu realisieren.

Orioxy_Sunset - Paris (F) 2010 Laurent Millet-Lacombe 6

Foto: Laurent Millet-Lacombe

Feuilletonscout: Was ist Ihr musikalischer Traum?
Orioxy: Unsere Träume wären:
– Mehr Zeit und Mittel zu haben, um unsere Musik weiter zu entwickeln und zu verfeinern.
– Mit unsere Musik mehr zu reisen und mehr Leute und Publikum auf der ganzen Welt zu treffen.

Feuilletonscout: Was sollen die Menschen von Ihnen und/oder Ihrer Kunst in Erinnerung behalten?
Orioxy: Schwierig für uns zu beantworten. Wir hoffen einfach, dass wir die Leute zutiefst berühren, und dass es bei euch viele Gefühle provoziert.
Ein Journalist hat mal geschrieben, dass unsere Musik bei ihm einen „Wirbelsäulenkitzel“ ausgelöst hat. Wir finden das toll…

Vielen Dank für das Gespräch, Orioxy!

Auch in diesem Jahr geben Orioxy wieder zahlreiche Konzerte. Heute Abend spielen sie in Wien.
Alle Tourdaten bis Ende 2015: hier

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