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Von Barbara Hoppe.

Es gibt keine Worte, um zu beschreiben, was die Gedichte von Tobias Roth ausmacht. Es gibt nur Explosionen. Oder genauer: Implosionen. Farben, Gefühle, Bilder, flüchtige Schemen einer Erinnerung durchfluten den Körper und umnebeln das Hirn, wenn die Augen den Wortreigen des Dichters folgen.

Blaue Pflanzen des Kleides
schwimmen auf einer Schicht Luft

Das durchsichtige Tuch
geht aus dem blonden Zopf hervor,
unversehens ein Strömen
Lorbeer und Hauch und Gold
zisiliertes Rieseln Bernstein
Strömen Flechten und Gewebe…

„Biondo Tiziano“ titelt Tobias Roth hier, und wenn man Italienisch kann, ist man ein wenig im Vorteil. Doch auch ohne Sprachkenntnisse klingen die Laute in einem nach. Lautmalerisch schön fliegen sie wie ein bunter Traum durch einen hindurch. Verwirrend bisweilen, dann wieder klar und stringent, erzählend. Menschen, Bilder, Landschaften sind die Ausgangspunkte der Betrachtung, die unter der Hand des Dichters ins Schlingern und Rutschen geraten, um klug und wissend europäisches Kulturgut zu heben. Dabei überwinden die Gedichte Grenzen, die sonst nur von der Musik bezwungen werden, wenn sie uns in andere Sphären entführt. Melodiös reiht sich Wort an Wort, bildgewaltig ist der Ausdruck. Assoziationen fördern Altes und Neues zutage, darunter so altmodisch schöne Wörtchen wie „falb“. Verweilen ist das Zauberwort in diesem Band voller Entdeckungen. Lesen, innehalten, wiederlesen, nachlauschen. Nichts geht einfach rein und schon gar nicht wieder raus. Was Literatur, was Poesie vermag – niemand legt es uns zarter und feinfühliger vor als Tobias Roth mit seinen Gedichten.

Tobias Roth
Grabungsplan
mit Illustrationen von Ibou Gueye
Verlagshaus Berlin, Berlin 2018
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Coverabbildung © Verlagshaus Berlin

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