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Meine Bücher! „Inspiration“

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frau mit büchern

Kolumne von Susanne Falk.

Rodin nannte sie angeblich eine alte, romantische Idee ohne Sinn und Verstand, Tschaikowsky hatte Probleme sie zu finden und Alexandre Dumas der Jüngere war anscheinend so sehr mit Vögeln beschäftigt, dass ihn Frauen zwar angeblich en masse damit versorgten, ihn aber gleichzeitig davon abhielten, sie anzuwenden: Die Rede ist von der Inspiration.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Rodin und Tschaikowsky am Grundlsee gar nicht erst danach gesucht hätten und Dumas sich ohnehin von vorneherein disqualifiziert hätte. Abgesehen davon wäre der sicher auch den ganzen Tag nur Baden gegangen, so wie ich.

Die Sommerfrische ist vorbei und wir sind zurück vom Grundlsee. Mir war, als hätte ich zwei Wochen in einer Postkarte existiert, so unfassbar schön ist diese Gegend. Es war quasi Urlaub wie damals, denn im Gegensatz zu anderen Seen im Salzkammergut gibt es hier nur sanften Tourismus, was heißt, der See gehört allen. Man kommt nahezu überall ans und vor allem ins Wasser, das, dies muss ich zugeben, zwar kalt ist aber immer noch ein bis zwei Grad wärmer als die Ostsee. Dazu erhebt sich eine wildromantische Bergkulisse im Hintergrund und abgesehen von ein paar gelegentlichen Bremsenbissen gibt es nichts, was die Idylle trüben könnte. Kurz: Es war herrlich erholsam! Was es nicht war: inspirierend.

Meine Ideen für neue Texte hatte ich aus Wien mitgebracht. Aber was mir in Wien wirklich gut vorgekommen war, hatte vor dramatischen Berggipfeln und zwischen den Schlingpflanzen im See keinerlei Bestand mehr. Ich schrieb an meiner Gartennovelle, aber je mehr ich schrieb, desto deutlicher wurde mir klar, dass ich gar nicht an den Schreibtisch gehörte. Mein Platz war im Wasser, am Wasser und auf dem Wasser! Wasser und Laptops vertragen sich nicht gut, also blieb der Laptop zu, während ich mich der Erholung öffnete.

Ich dachte bislang immer, ich könnte eigentlich jederzeit und überall schreiben, aber dies hier war eine neue Erkenntnis: Ich konnte mich nicht gleichzeitig erholen und inspiriert fühlen. Da war in mir nur Platz für Ruhe und hin und wieder ein Eis. Eis am Stiel inspiriert leider zu nichts, außer dazu sich wirklich, richtig glücklich zu fühlen. Glücklich zu sein ist ein großartiger Zustand, der leider selten lange anhält. Umso wertvoller sind die Momente, in denen das Kind Fische fängt, die Sonne auf dem See glitzert und man vollkommen vergessen hat, welcher Wochentag heute ist. Sommer eben.

Nun bin ich zurück in der Stadt. Die ist heiß, laut, voller Baustellen, nerviger Wiener und noch nervigerer Touristen. Aber mir scheint, hinter jeder Ecke lauert ein Roman. Mein Kopf ist bereits zum Bersten voll, Inspiration muss man hier nicht suchen, die findet einen ganz von selbst. Dazu musste offenbar nur einmal etwas frische Bergluft durch den Schädel ziehen. Jetzt ist Platz. Für alles.

Bei Verwendung des Textes bitte Quelle angeben bzw. verlinken.

My books! “Inspiration” . A column by Susanne Falk.
Rodin allegedly called it an old, romantic idea without sense or reason; Tschaikowsky had trouble finding it, and Alexandre Dumas the Younger was apparently so preoccupied with sex that although women supposedly showered him with inspiration, they also kept him from applying it: I’m talking about inspiration.

I’m pretty sure Rodin and Tschaikowsky wouldn’t have bothered looking for it at Grundlsee, and Dumas would have disqualified himself from the start. Besides, he probably would have spent the entire day bathing, just like me.

Summer vacation is over, and we’re back from Grundlsee. It felt as if I had existed in a postcard for two weeks; this place is incredibly beautiful. It was like vacationing in the old days, as opposed to other lakes in the Salzkammergut, there is only mild tourism here, which means the lake belongs to everyone. You can access the water almost everywhere, and though I must admit it’s cold, it’s still one or two degrees warmer than the Baltic Sea. Add to that a wildly romantic mountain backdrop, and apart from occasional pesky bites from horseflies, there’s nothing to tarnish the idyllic setting. In short: It was wonderfully relaxing! What it wasn’t, though, was inspiring.

I had brought ideas for new texts from Vienna. But what had seemed great in Vienna had no staying power against the dramatic mountain peaks and the water’s entwining plants. I was working on my garden novella, but the more I wrote, the more I realized that I didn’t belong at the desk. My place was in the water, by the water, and on the water! Water and laptops don’t mix well, so I kept the laptop closed while I embraced relaxation.

Until now, I always thought I could write anytime and anywhere, but this was a new realization: I couldn’t be both relaxed and inspired at the same time. There was only room for peace and the occasional ice cream within me. Unfortunately, popsicles don’t inspire anything except making one truly, blissfully happy. Being happy is a wonderful state, but unfortunately, it rarely lasts long. Therefore, the moments when a child catches fish, the sun glistens on the lake, and one completely forgets what day of the week it is, are all the more precious. It’s summer, after all.

Now I’m back in the city. It’s hot, noisy, full of construction sites, annoying Viennese, and even more annoying tourists. But it seems that a novel is lurking behind every corner. My head is already bursting with ideas; here, inspiration doesn’t need to be sought – it finds you on its own. Apparently, all it took was a little fresh mountain air to blow through my mind. Now there’s room. For everything.

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