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Colm Tóibín_Marias TestamentViele Jahre ist es her, dass Jesus Christus am Kreuz starb. Seine Mutter Maria war damals 48 Jahre alt. Jetzt ist sie eine alte Frau und lebt in Ephesus. Die Jünger hatten ihr die Flucht ermöglicht. Damals, nachdem ihr Sohn den Zorn der Römer auf sich gezogen hatte, und viele ihm glaubten, er sei Gottes Sohn und sie die Mutter Gottes. Sie glaubte das nicht. Natürlich liebte sie ihn, wie eine Mutter ihren Sohn liebt, warnte ihn vor der Geheimpolizei. Doch er wandte sich von ihr. Die Mutter beobachtet das Verhalten von Jesus skeptisch, die Wunder findet sie mehr als merkwürdig, von seiner Heiligkeit will sie nichts wissen, an den christlichen Gott glaubt sie auch nicht. Am Ende kann sie den Schmerz, ihren Sohn am Kreuz zu sehen, nicht aushalten. Die Trauer über den Verlust wird sie nie überwinden.

Colm Tóibín, 1955 in Irland geboren, ist Schriftsteller, Journalist und Literaturkritiker. Für seine Werke erhielt er zahlrieche Auszeichnungen, darunter den Booker Prize 1999 für The Blackwater Lightship.

In „Marias Testament“ beschreibt er konsequent das Leben Jesu Christu aus der Perspektive der Augenzeugin Maria, seiner Mutter, die nie verstehen konnte und wollte, das ihr Sohn ein Heiliger sein soll.

Die ZEIT (9/2014) positiv: „Die suggestive Kraft dieser Prosa ist nicht leicht zu erklären. […] Wir hören dieser Frau nicht allein deshalb gebannt zu, weil sie eine bekannte Geschichte gegen den Strich erzählt, sondern vor allem deshalb, weil sie aufrichtig und glaubwürdig wirkt.“

Die Frankfurter Rundschau online meint: „„Marias Testament“ ist die bittere, zornige Erinnerung einer Frau, von der man am Ende glaubt, man könnte sie kennen; oder zumindest schon gesehen haben in Fernsehberichten über die Krisenherde dieser Welt. Auf Heiligenbildchen sieht man solche Frauen nicht.“

Colm Tóibín:
Marias Testament
a.d. Englischen v. Giovanni und Ditte Bandini
Carl Hanser Verlag, München 2014