Für Umweltschutz und gegen den Klimawandel: Robot Koch “The Next Billion Years”

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Feuilletonscout Das Kulturmagazin für Entdecker MusikRezension von Ronald Klein.

Vor sieben Jahren verlegte Robert Koch alias Robot Koch seinen Wohnsitz von Berlin nach Los Angeles, wo der Musiker viel Zeit mit dem Stöbern in Antiquariaten und Second-Hand-Läden verbringt. Eines Tages stieß der 42-Jährige auf eine Kassette, auf der deren ehemaliger Besitzer „Cousteau“ geschrieben hatte. Zu Hause entdeckte Koch darauf eine Rede des französischen Meeresforschers Jacques-Yves Costeau (1910-1997), die dieser 1973 gehalten hatte. Vor dem Hintergrund der 1972 veröffentlichten Club-of-Rome-Studie „Die Grenzen des Wachstums“, die zu einem nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen aufforderte, erläutert Costeau den Zusammenhang zwischen menschlichem Bewusstsein und der daraus resultierenden Verantwortung für unser Handeln, die beispielsweise zu einer drastischen Reduzierung fossiler Brennstoffe führen solle.

Diese Rede ist ein Teilchen in einem riesigen Mosaik, das deutlich macht, wie lange die Menschen wissen, dass sie die Natur und Artenvielfalt zerstören und auf den Klimawandel zusteuern. Doch weil wirtschaftliche Interessen über dem Postulat der Nachhaltigkeit stehen, ändert sich an diesen Prozessen nicht schnell genug etwas.

Fotonachweis: Sirii Kumari

Koch hingegen engagiert sich schon deutlich länger für Umweltschutz und gegen den Klimawandel. 2014 beispielsweise ließ er Hörern Remixe zukommen, die für Baumpflanzungen in Berlin spendeten. Seine Naturverbundenheit entspringt der Kindheit. Koch wuchs am Rand Kassels auf und verbrachte viel Zeit in den dortigen Wäldern. Der Song ,Kassel’ auf dem Album „The Next Billion Years“ ist eine Reminiszenz an die damalige Zeit. Die Struktur des Songs ist exemplarisch für das gesamte Album. Elektronische Soundscapes gehen einen berührenden Dialog mit Streichern ein, die unter der Ägide von Kristian Järvi entstanden. Der US-amerikanische Dirigent und Komponist leitete Ensembles wie das MDR Sinfonieorchester, präsentierte sich aber auch als Grenzgänger: Gemeinsam mit Gene Pritsker rief er in New York das Absolute Ensemble ins Leben, das an der Schnittstelle von HipHop, Elektronik und Neuer Musik agiert. Zuletzt steuerte Järvi Musik zur Serie „Babylon Berlin“ bei. Der 48-Jährige fühlte sich von Robot Kochs Klängen sofort angetan, sodass eine Zusammenarbeit nur noch von einem gemeinsamen Zeitfester abhängig war.

Kochs Postulat, dass Mensch, Natur und Kosmos eine Einheit bilden, wird ästhetisch in die Orchesterarbeit überführt. Järvi dirigiert das transnationale Ensemble Baltic Sea Philharmonic. Bemerkenswerterweise funktionieren die Stücke einzeln, jedoch wird das Konzept und der sinfonische Aufbau erst offenbar, wenn „The Next Billion Years“ ohne Unterbrechung gehört wird. Dann kristallisiert sich heraus, dass Koch und Järvi mit einer Demut auf die Natur schauen, die in der westlichen Hemisphäre nur selten offenbar wird. In der zeitgenössischen Musik gibt es einige Ausnahmen an der Schnittstelle von Elektronik und Neuer Musik: Regisseur Kai Grehn entwickelte mit alva noto 2007 den Radio-Essay „Messages for 2099“, der zu einem nachhaltigen Umdenken aufruft. Darin trifft alva notos Score auf exklusive Kompositionen von u.a. Arvo Pärt und Helmut Oehring. Sven Helbig und zuletzt auch Franscesco Albanese besinnen sich einer ähnlicher Thematik. Ihr Oeuvre und „The Next Billion Years“ hat nicht nur thematische Schnittmenge, sondern auch in der Wirkung. Kochs und Järvis quasi sakrales Zusammenspiel geht unter die Haut.

„The Next Billion Years“ ist mehr als eine Platte, es handelt sich um ein Manifest: ein Plädoyer für eine globale Zukunft, in der die Ausbeutung der Natur keinen Platz mehr haben darf.

Robot Koch
The Next Billion Years
Bmg Rights Management (Warner), 2020
bei amazon kaufen oder streamen

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Für Umweltschutz und gegen den Klimawandel: Robot Koch "The Next Billion Years", 5.0 out of 5 based on 1 rating

Ein Gedanke zu „Für Umweltschutz und gegen den Klimawandel: Robot Koch “The Next Billion Years”“

  1. Rainer Kirmse , Altenburg

    Die exorbitante Ressourcennutzung und der exzessive Kapitalismus geraten an Grenzen,
    in einer endlichen Welt gibt es kein unendliches Wachstum.
    Es ist an der Zeit, die gegenwärtige Wirtschaftsweise zu hinterfragen und für eine weltweite Verteilungsgerechtigkeit zu sorgen.
    Der westliche Lebensstil ist mitverantwortlich
    für den Zustand von Umwelt und Klima, wir sollten unseren ökologischen Fußabdruck verringern, nicht nur im Verkehr ist weniger mehr; wer die Artenvielfalt will, vermeidet den Chemie-Cocktail.

    Drei kleine Gedichte als Aufruf
    zu Umwelt – und Klimaschutz:

    FÜR DEN BLAUEN PLANETEN

    Der Mensch, dieses kluge Wesen
    Kann im Gesicht der Erde lesen.
    Er sieht die drohende Gefahr,
    Spürt die Erwärmung Jahr für Jahr.
    Homo sapiens muss aufwachen,
    Seine Hausaufgaben machen.

    Der Handel mit Emissionen
    Wird unser Klima nicht schonen.
    Weg vom ewigen Wachstumswahn,
    Braucht es einen weltweiten Plan.
    Für den Planeten, die Menschheit,
    Geh’n wir’s an, es ist an der Zeit.

    Kämpfen wir für Mutter Erde,
    Dass sie nicht zur Wüste werde.
    Retten wir uns’ren Regenwald,
    Gebieten der Kohle Einhalt.
    Das oberste Gebot der Zeit
    Muss heißen Nachhaltigkeit.

    Weisen wir jetzt entschlossen
    Die Klimakiller in die Schranken.
    Bremsen wir Trump und Genossen,
    Der blaue Planet wird uns danken.

    FOR THE BLUE PLANET

    The earth is our mother,
    We will not have another.
    There’s no better place to find
    For animals, plants, mankind.

    Green woods, beautiful lakes,
    Nature has got what it takes.
    We have to keep clean the air,
    As environment everywhere.

    Put an end to coal mining,
    Nuclear power and fracking.
    Climate concerns all nations,
    Just as plastic in the oceans.

    For good living day and night
    Must change darkness and light.
    Our planet, so wonderful blue,
    We will always protect, we do!

    GEDANKEN ZUR ZEIT

    Wir schau’n auf eine Krise,
    Die den Erdball heimsucht.
    Keine Spur vom Paradiese,
    Millionen sind auf der Flucht.

    Kriege überzieh’n die Welt,
    Der Terror ist omnipräsent.
    Neue Religion ist das Geld,
    Man konsumiert permanent.

    Profitmaximierung ist Pflicht,
    Börsenkurse steh’n im Fokus.
    Die intakte Natur zählt nicht,
    Umweltschutz in den Lokus.

    Banken scheffeln Milliarden,
    Bei Mißerfolg hilft der Staat.
    Wir seh’n riskante Spielarten,
    Man will die Ernte ohne Saat.

    Die westliche Lebensweise
    Bringt den Planeten in Not.
    Zu Ende geht’s mit dem Eise,
    Die Klimakatastrophe droht.

    Ein Umdenken muss kommen,
    Setzen wir auf den Verstand;
    Die Heiden und die Frommen,
    Die Religionen Hand in Hand.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus Thüringen

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