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… ist ein Episodenfilm über die Unmöglichkeit, Beziehungen zu führen – und die zutiefst menschliche Sehnsucht danach. Für Feuilletonscout im Kino war: Kirsten Kohlhaw

Kaleidoskopisch zusammengewürfelt purzeln die Figuren dem Kinobesucher auf die Netzhaut – und brennen sich dort ein. Lars Montag erzählt diese Geschichte nicht nur mit starken Bildern, sondern auch in narrativen Schlaglichtern, die teils so absurd überhöht daher kommen wie exemplarisch banal.

Im Großstadtdschungel unterwegs sind zum Beispiel ein Polizist (Jan-Hendrick Stahlberg), dem im ICE die Lederboots geklaut wurden, eine Frau, die in einer Ausländerbehörde tätig ist und offensichtlich Opfer sexuellen Missbrauchs wurde (Frederike Kempter) oder Supermarktleiter Uwe (Peter Schneider), der sich mittels Foodie Detailwissen über Gin den Anstrich eines Lebemanns gibt. Er prallt auf die Foto-Künstlerin Janine (Katja Bürkle), die ihre eigene Einsamkeit in Kunstwerke und in Online-Dating überführt, scheitert an der Ärztin Julia (Eva Löbau), die ihn auf der Suche nach der ultimativen sexuellen Selbstbestimmtheit aussortiert hat und die wiederum am Callboy Vincent scheitert, der mit seiner ebenfalls als Sex-Dienstleisterin arbeitenden Freundin Vivian (Lara Mandoki) nach einem sehr speziellen Regelwerk lebt.

Der frustrierte Ex-Lehrer Ecki (Bernhard Schütz) betreibt einen „Anger Room“, in dem sich tüchtig ausgetobt und Gegenstände zertrümmert werden, auch Familienvater und Hobby-Imker Robert (Rainer Bock) der in seinem eigenen Leben – großartig, Maria Hofstätter als ihm verhasste Frau – nur zu Besuch ist. Ihre Tochter, Katastrophen-Teenager Swentja (Lilly Wiedemann) stiftet generationenübergreifend Verwirrung, bringt ihren ehemaligen Lehrer ebenso ins Straucheln wie die gleichaltrigen Mahmud (Hussein Eliraqui) und Johannes (Aaron Hilmer).

In diesem Ensemble verlorener Gestalten, die wir von Helmut Krausser und Lars Montag so kunstvoll wie beiläufig verhäkelt finden, fehlt (k)eine Hauptfigur, durch deren Augen wir der Geschichte folgen dürfen. Immer wieder wechselt der Reigen seine Blickachse, was das Gefühl von Orientierungslosigkeit der Protagonisten auf ihrer Sinnsuche narrativ erhöht. In jedem Fall, so scheint es hier, ist Kontrolle eine Illusion und selbst wenn man alles richtig macht, können die Dinge gehörig schief gehen.

Und überhaupt – das Lebens ist halt gnadenlos willkürlich. Und wenn es einem wieder einmal einen Streich spielt, kann man ja immer noch ins Kino gehen und anderen beim Scheitern zuschauen. Diesem Film gelingt das ebenso tröstlich wie unterhaltsam.

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„Einsamkeit und Sex und Mitleid“..., 5.0 out of 5 based on 4 ratings