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Meine Bücher! „Resilienz“

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frau mit büchern


Kolumne von Susanne Falk.

Da stapeln sie sich wieder in meinem digitalen Postfach: die Absagen. Ob Bewerbungen für Jobs oder Manuskripteinsendungen, derzeit gibt es mal wieder eine ganze Menge Rückmeldungen, die ich so nie wollte. Warum hab ich auch nur gefragt?

Meine Freundin S. ist Schauspielerin und sogar ziemlich erfolgreich. Dennoch bekommt sie Rollen nicht einfach so, sondern muss regelmäßig Castings über sich ergehen lassen. Dass man dabei nicht immer mit Samthandschuhen angefasst wird, ist Alltag und am Ende hat es sich sehr oft nicht gelohnt: Leider eine Absage, Rolle nicht bekommen, weil nicht jung genug, nicht alt genug, nicht blond genug, nicht Wienerisch genug, nicht groß genug, nicht klein genug – einfach nicht genug. „Mit so viel Ablehnung muss man auch erst einmal lernen umzugehen“, stellte sie mir gegenüber einmal fest, schleckte dabei zufrieden an ihrem Eis und wirkte alles in allem recht aufgeräumt. Ich war voll der Bewunderung, denn mir fehlt ihr Talent zur Resilienz. Dachte ich zumindest.

Die schlimmste Absage, die ich je bekommen habe, verdanke ich der Universität Wuppertal, bei der ich mich mal vor Jahren um eine Stelle am Institut für Germanistik beworben hatte. „Nicht nur persönliche Gründe waren ausschlaggebend, auch Ihre Bewerbung entsprach nicht unseren Erwartungen.“ Ich sollte vielleicht ergänzen, dass man mich nicht einmal zum Gespräch eingeladen hatte. Warum die mich aus persönlichen Gründen ablehnten, weiß ich bis heute nicht. Danach war ich etwa eine Stunde lang schwer deprimiert, bis mir endlich einfiel, dass ich sicher ums Verrecken nicht nach Wuppertal gewollt hätte. Was hatte ich mir bei dieser Bewerbung nur gedacht? Wuppertal! Ehrlich? Pfff! Die konnten mich kreuzweise!

Mittlerweile bewerbe ich mich nur noch auf Jobs, die ich wirklich will und nicht mehr auf die, von denen ich denke, dass ich dazu keine Alternative habe. Außerdem bin ich mittlerweile zu alt für doofe Assistentinnenjobs. Altersmäßig wäre eine Führungsposition wohl angemessener, das entspricht auch mehr meinem Ego, das sich nicht mehr unterordnen will. Eine Führungsposition ist allerdings nicht in Sicht. Entsprechend bin ich in meiner neuen Selbständigkeit derzeit gar nicht unglücklich. Wenn, ja, wenn nur die vielen Absagen nicht wären.

Im Grunde ist es meine Schuld. Was frag ich auch so blöd?! Jede Einsendung an einen Verlag mit meinen Texten, die mit einer Absage beantwortet wird, schmerzt. Das hat ganz konkrete physische Ursachen, Ablehnung und Schmerz sind im selben Hirnareal verortet. Dagegen hilft oft nur ein respektvoller Umgang mit sich selbst. Ob mein Verfahren, pro Absage wenigstens eine neue Bewerbung rauszusenden, unbedingt zur Resilienz beiträgt, weiß ich nicht. Ich hab das bisher immer mit dem „Vom-Pferd-gefallen?-Zurück-in-den-Sattel!-Prinzip“ gelöst. Das verursacht allerdings in letzter Konsequenz noch mehr Absagen, also entsprechend noch mehr Schmerzen.

Freundin S., die ja nicht nur mit ihren zu Papier gebrachten Gedanken vorstellig wird, sondern mit ihrem ganzen Körper, ihrer ganzen Persönlichkeit, setzt sich bei jedem Casting einem Ausmaß an Ablehnung aus, das einen zuweilen schon mal umhauen kann. Von wegen, Schauspielerinnen seien so übersensibel! Ich sehe ihr voller Bewunderung dabei zu, wie sie wieder aufsteht, wie sie Kritik wegsteckt, die ihr ganzes Selbst betrifft und es schafft, diese doch nicht persönlich zu nehmen. Meistens jedenfalls. Wenn wir Schauspielerinnen für etwas bewundern sollten, dann dafür! Also tippe ich die nächste Bewerbung und denke an S., genehmige mir auch ein Eis und hoffe einfach auf das Beste. Schlimmer als Wuppertal kann es auch nicht werden.

Bei Verwendung des Textes bitte Quelle angeben bzw. verlinken.

My books! „Resilience“
Column by Susanne Falk.

There they are, piling up again in my digital inbox: the rejections. Whether job applications or manuscript submissions, there are currently a lot of responses that I never wanted. Why did I even ask?

My friend S. is an actress and quite successful, even so, she doesn’t simply get roles handed to her, but has to endure regular auditions. It’s an everyday occurrence to not always be treated with kid gloves, and in the end, it often hasn’t been worth it: unfortunately, a rejection, not getting the role because she’s not young enough, not old enough, not blonde enough, not Viennese enough, not tall enough, not short enough – simply not enough. „One has to learn to deal with so much rejection,“ she once said to me, happily licking her ice cream and seeming quite composed overall. I was full of admiration because I lack her talent for resilience. Or so I thought.

The worst rejection I’ve ever received was thanks to the University of Wuppertal, where I applied for a position at the Institute of German Studies years ago. „Not only personal reasons were decisive, but also your application did not meet our expectations.“ I should perhaps add that they hadn’t even invited me for an interview. To this day, I don’t know why they rejected me for personal reasons. After that, I was heavily depressed for about an hour until it finally occurred to me that I definitely didn’t want to go to Wuppertal. What was I thinking with that application? Wuppertal! Seriously? Pfff! They can go jump!

Nowadays, I only apply for jobs that I truly want and no longer for those that I think I have no alternative for. Besides, I’m too old for stupid assistant jobs. Age-wise, a leadership position would be more appropriate, which also suits my ego better, as it no longer wants to subordinate itself. However, a leadership position is not in sight. Accordingly, I’m currently not unhappy in my new self-employment. If only there weren’t so many rejections.

In essence, it’s my fault. Why do I ask such stupid questions?! Every submission to a publisher with my texts that receives a rejection hurts. It has very specific physical causes, as rejection and pain are located in the same brain area. The only remedy is often a respectful approach to oneself. I’m not sure if my method of sending out a new application for each rejection necessarily contributes to resilience. I’ve always solved it with the „fallen off the horse? Get back in the saddle!“ principle. However, this ultimately causes even more rejections, and therefore, even more pain.

Friend S., who not only presents her thoughts on paper but with her whole body, her whole personality, exposes herself to a level of rejection at every audition that can sometimes knock you down. Actors being oversensitive, huh? I watch her with full admiration as she gets back up again, as she brushes off criticism that affects her entire self and manages not to take it personally. Well, most of the time, anyway. If we should admire actresses for something, it should be that! So, I type the next application, think of S., treat myself to an ice cream as well, and simply hope for the best. It can’t get worse than Wuppertal, right?

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