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Meine Bücher! „Cover it up!“

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frau mit büchern

Kolumne von Susanne Falk.

Oh weh. Ich habe es getan! Heute habe ich tatsächlich ein Buch nur deshalb gekauft, weil mir das Cover so gut gefiel. Der Inhalt war völlig zweitrangig, Hauptsache es rankten sich dekorative Ornamente auf einer grünen Seidentapete um seltene Vogelarten. Und ja, ich gebe es zu: Ich bin offensichtlich total oberflächlich! Aber ist das denn wirklich so schlimm?

Das mit der Schönheit ist so eine Sache: Die wenigstens Leute können sich darauf einigen, was sie wirklich als schön empfinden, außer man bewegt sich im Kreise der Superlative: Venedig, zu jeder Tages- und Nachtzeit, ein perfekt gebackener Zwetschenkuchen, Regé-Jean Page. Da gibt es nicht viel, was das noch übertreffen kann.

Ausgezeichnet wird von der Stiftung Buchkunst alljährlich das schönste Buch des Jahres. Dieses Jahr fiel die Wahl auf einen Fotoband mit dem Titel „Shell Reader“, ein Begleitband zu einer Kunstinstallation von Nina Canell, darin Abbildungen besonders schöner Muschelschalen. Hat was. Allerdings kauft man das Buch wohl kaum aufgrund des Covers, denn das ist schon grenzwertig langweilig gestaltet. Pures Understatement.

Ich mag schöne Dinge. Wer nicht? Die beste Anschaffung dieses Jahres war eindeutig mein neuer Morgenkimono, weil er äußerst elegant, sehr bequem und nicht zuletzt ganz ungemein wichtig dafür ist, dekorativ am Schreibtisch sitzen zu können. (Man kann das Autorendasein auch mimen. Hilft zuweilen bei Schreibkrisen.) Das Buch, das ich heute kaufte, passt übrigens perfekt zum Kimonostoff. Ich kann jetzt also elegant angezogen Kolumnen tippen oder mein neues Buch lesen. Das darf man ruhig bescheuert finden, aber das ist mir, wie der Wiener so schön sagt, amal komplett wurscht! Dazu zitiere ich ganz weltfremd den nicht minder weltfremden Oscar Wilde: “Let me be surrounded by luxury, I can do without the necessities!” Das geht ohnehin immer nur so lange gut, bis ich das Radio anschalte, die Nachrichten anhöre und mich die Welt mit all ihrem Wahnsinn wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Es bedeutet ja nicht, dass man nicht genau diesen Boden mit schönen Dingen übersäen darf. Hauptsache, man schichtet nicht so viel Kram übereinander, dass man den Blick fürs Wesentliche verliert. Den verstellt im Idealfall auch kein schönes Cover.

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