„Sing, sing, ye Muses“

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Feuilletonscout Das Kulturmagazin für Entdecker MusikDas Ensemble Correspondances mit Mezzosopranistin Lucile Richardot lässt in barocker Musik schwelgen. Rezension von Barbara Hoppe.

Kaum erklingen die ersten Töne und kaum setzt Lucile Richardot mit „Care-charming sleep“ an, verschwimmen die geschwungenen Zuschauertribünen der Berlin Philharmonie. Das zeitlos moderne Ambiente verschwindet hinter den barocken Tönen und unvermittelt fühlt man sich um rund 400 Jahre zurückversetzt, wähnt sich in festen Burgenmauern irgendwo in den Weiten Englands.

Rund 90 Minuten dauert die Zeitreise. Andächtig lauscht das Publikum im kleinen Saal des Scharoun-Baus, ist zwischen den Stücken mucksmäuschenstill, blättern ab und an in dem fantastischen, sehr ausführlichem Programmheft mit den Liedtexten, um am Ende seiner Begeisterung Luft zu machen. Was für Musik, was für Stimmen! Herausragend die französische Mezzosopranistin Lucile Richardot. Mit einem Stimmumfang, der so manchem Herrenklang zu Ehre gereicht bis in die Mezzosopranhöhen variiert sich die Sängerin durch ein ungewöhnliches Liedrepertoire.

Foto: Feuilletonscout

Das Ensemble Correspondances hat sich seit seiner Gründung 2009 zu einem der führenden Orchester französischer Musik des 17. Jahrhunderts entwickelt. Unter der Leitung von Sébastian Daucé vereint es neben herausragenden Instrumentalisten auch Sänger, die auf die Musik des Grand Siècle spezialisiert sind. Immer wieder gelingt es den Musikern, Künstler wiederzuentdecken, die heute fast vergessen sind.

So auch mit seiner „Perpetual Night“, einem Programm das über die Grenzen Frankreichs nach England führt. Bereits 2018 ist die CD erschienen, bejubelt von der Kritik und mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Es umfasst rare Barockmusik aus dem England des 17. Jahrhunderts. Ein wahrer Hörgenuss, für den Sébastian Daucé in den Archiven der Nationalbibliothek wühlte und selten bis nie gespielte Stücke fand.

„Ayres and Songs“ unter anderem von Robert Johnson, John Coperario, Robert Ramsey, John Blow oder Henry Purcell schwelgen in Melancholie, dem Grundzug des englischen Lautenlieds zu einer Zeit, als die Komponisten vom regen kulturellen Austausch zwischen England, Frankreich und Italien profitierten. Und der Zuhörer schwelgt mit in den zarten Klängen von „Poor Celadon, he sighs in vain“ und freut sich an dem Streit der Göttinnen Pallas, Juno und Venus, wer die Schönste unter ihnen ist. Gemeinsam mit den Sopranistinnen Élodie Fonnard und Caroline Weynants schwingt sich Lucile Richardot durch die Höhen und Tiefen der Vokalmusik. „Sing sing ,ye Muses“ zum großen Finale zeigt einmal mehr den wunderbaren Einklang der Sopranistinnen, die Lucile Richardot mehr als nur begleiten, flankiert von Tenor Davy Cornillot und Bass Nicolas Brooymans.

Das Programm der „Perpetual Night“ sollte in der Tat endlos sein, denn wie heißt es im Programmheft, bescheren sie uns doch „perpetual bliss“ – endlose Wonnen.

Perpetual Night (17th Century Ayres and Songs)
Lucile Richardot
Ensemble Correspondances
Leitung: Sébastian Daucé
Harmonia Mundi, 2018
CD kaufen oder nur hineinhören

 

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