„Rembrandts Orient“ im Museum Barberini

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Mit Wänden in Altmeister-Grün empfängt das Museum Barberini in Potsdam seine Besucher. Nach Monaten, in denen das Museum schließen musste, präsentiert sich das Haus mit seiner neuen Ausstellung „Rembrandts Orient. Westöstliche Begegnung in der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts“ und katapultiert seine Besucher gleich doppelt in lang vermisste Sphären: In die der Kultur und in die der Ferne. Gut gelaunte Mitarbeiter und strahlende Gesichter bei den Besucherinnen und Besuchern zeigen mehr als deutlich, wie sehr alle unter dem Lockdown gelitten haben. Allein ein Museum zu betreten ist Labsal für die nach Kunst hungernde Seele.
Doch mit der aktuellen Schau gelingt noch etwas anderes: Das In-die-Ferne schweifen. Was Rembrandt und seine Zeitgenossen mangels Möglichkeit und Mittel zu reisen ihrer Fantasie entlocken mussten, eignen sich die Menschen gerade wieder an: Aus der Enge der eigenen vier Wände und der Heimat hinauszuschweifen in exotische Welten.

Von Barbara Hoppe

Rembrandt
Rembrandt Harmensz van Rijn: Selbstbildnis mit Säbel, 1634
Radierung mit Spuren von Grabstichel, 12,4 x 10,2 cm
© Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett,
Schenkung Eberhard W. Kornfeld, Bern

Exotik war Modern

Im 17. Jahrhundert war es modern, den Orient oder das, was man dafür hielt, nach Hause zu holen. Es war die Zeit der ersten Globalisierung. Eifrig trieben die Niederlande Handel mit der ganzen Welt. Damit einher ging nicht nur ein neuer Wohlstand, sondern auch Auswüchse wie Sklaverei und Ausbeutung, Gewalt und Handelskriege. Der Faszination des Exotischen tat das keinen Abbruch. Wer es sich leisten konnte, ließt sich in orientalisch anmutenden Kostümen porträtieren oder staffierte seine Wohnung mit Accessoires wie Muscheln und Federn, Korallen, Schmetterlingen oder Gürteltieren aus.

van Loonen Schimmelpenninck
Dirck van Loonen: Assueer Jacob Schimmelpenninck van der Oije (1631–1673) mit Diener und Hund, 1660
Öl auf Leinwand, 224 x 185 cm
© Stichting Duivenvoorde, Voorschoten

Was in der Ausstellung zu sehen ist, ist demnach auch keine kritische Auseinandersetzung mit den Zeitumständen, sondern Ausdruck der Begeisterung für das Fremde. So ist „Rembrandts Orient“ eine Schau über die Vorstellungen, die die Menschen damals vom Orient hatten, der im östlichen Mittelmeer begann. Dennoch darf man davon ausgehen, dass Rembrandt und seine Zeitgenossen im Amsterdam des 17. Jahrhunderts Kaufleuten mit Turbanen begegneten – ein reizvoller Kontrast zu den calvinistischen Niederlanden. Und Stoff genug, der eigenen Vorstellungkraft, Stereotypen und Klischees freien Lauf zu lassen. Denn kaum einer der Künstler erkundete die Ferne persönlich. Zudem finden sich unter den Gemälden viele biblische Geschichten. Sie verortete man im Orient, sodass auch hier gemäß dem Zeitgeist neue Interpretationen im Kontext des Fantasie-Orients entstanden.

Rembrandt: Daniel und Kyros
Rembrandt Harmensz van Rijn: Daniel und Kyros vor dem Götzenbild des Bel, 1633
Öl auf Holz, 23,5 x 30,2 cm
© The J. Paul Getty Museum, Los Angeles

Es ist reizvoll, die niederländische Kunst des 17. Jahrhunderts unter diesen Aspekten neu zu entdecken. Und doch überstrahlt die eigentliche Kunst Rembrandts und seiner Zeitgenossen und Schüler jeden thematischen Anspruch: Die faszinierende Darstellung von Hell und Dunkel, von facettenreichen Gesichtern und detailgetreuen Faltenwürfen, transparenten Stoffen und Schattierungen. Orient hin oder her – die 110 Exponate sind vor allem eins: große Kunst.

Rembrandts Orient.
Westöstliche Begegnung in der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts.
Ausstellung bis zum 27. Juni 2021

Museum Barberini
Alter Markt
Humboldtstraße 5-6
14467 Potsdam

Öffnungszeiten:
Montag, Mittwoch bis Sonntag: 10 bis 19 Uhr
Dienstag: geschlossen
Jeder erste Donnerstag im Monat 10 bis 21 Uhr

Eintritt
Montag, Mittwoch bis Freitag: 16 Euro / 10 Euro
Samstag und Sonntag: 18 Euro / 12 Euro

Unter https://www.museum-barberini.de/de/ finden Sie alle Informationen zum Ticketkauf sowie über das umfangreiche Begleitprogramm zur Ausstellung. Live-Touren online können unter live-tour@museum-barberini.de, Tel.: 0331-236014-499 gebucht werden.

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