Meisterlich: Margarita Höhenrieder und Julius Berger spielen Beethoven

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Feuilletonscout Das Kulturmagazin für Entdecker MusikRezension von Ingobert Waltenberger.

„Wir gehen einen steilen Weg, um Beethoven näher zu kommen. Das Gipfelkreuz dieses Weges ist sichtbar, aber nicht erreichbar. Deswegen machen wir uns immer wieder auf diesen Weg, den unendlichen.“ Julius Berger

Nicht nur die berühmten fünf Cellosonaten, sondern auch drei Variationenwerke stehen auf dem anspruchsvollen und doch sehr unterhaltsamen Programm des Cellistin Julius Berger und seiner Partnerin am Klavier Margarita Höhenrieder. Das Duo stand schon öfter im Studio gemeinsam vor den Mikros, so unter anderem anlässlich der Aufnahmen zur CD „Julius Berger & Margarita Höhenrieder – Inspired by Mozart“, 2015 bei Nimbus erschienen. Schon damals spielten sie die beiden Beethoven-Variationen nach Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ ein: die Zwölf Variationen in F-Dur Op. 66 über „Ein Mädchen oder Weibchen“ und die Sieben Variationen in Es-Dur WoO 46 über „Bei Männern, welche Liebe fühlen.“ Im neuen Album ergänzen sie noch um die Zwölf Variationen in G-Dur WoO 45 über ein Thema aus Händels Oratorium „Judas Maccabäus“.

Höhenrieder Berger Beethoven

Im Mittelpunkt des Interesses stehen freilich die fünf Cellosonaten Op. 5, Nr. 1, Op. 5, Nr. 2, Op. 69, Op. 102 Nr. 1 und Op. 102 Nr. 2. Wie schon aus den Opuszahlen ersichtlich, bilden sie die gesamte künstlerische Laufbahn des Komponisten ab. Sehr sympathisch und musikalisch zielführend finde ich den Ansatz des Duos, zwar alles zu tun, was eine möglichst nahe „Werktreue“ ermöglicht (die Lektüre der Deutungen und Beethoven-Sichtweisen von Carl Czerny, Rudolf Kolisch, Romain Rolland bis zu Eleonore Brünig), jedoch am Ende ist es „der gewandelte Mensch, der ernsthafte Interpret, der im Blick auf das eigene Gewissen entscheidet.“

Die Interpretation der Sonaten ist von Grunde auf – bei aller bravourösen Bewältigung der kniffligen technischen Seite – meisterlich durchdacht und musikantisch zugleich. Ein freies Miteinander von Gleichgesinnten, die über den Notentext hinaus eine eigene Welt schaffen und mit ihrer Zuhörerschaft einen aus dem Augenblick geborenen Pakt schließen. Die dunkel schillernde Beethoven‘sche Melange auf Dauererkundung der entlegensten menschlichen Leidenschaften und Geheimnisse entwickelt in der Lesart von Berger und Höhenrieder eine lichtvolle Klarheit. Wie der oben genannte Berggipfel sich bei Schönwetter langsam aus Nebelschwaden schält, so entragt der Alchemie der Hände der beiden Artisten ein sich nach und nach verstetigendes Bild. Die Silberkristalle der Partitur gewinnen an Kontur, der Hörer meint, ein Teil des kreativen Prozesses sein zu können. Ihr Spiel ist stets sinnlich, spannungsgeladen, voller scheinbar spontaner Einsichten. Dazu kommt, dass der Augsburger Cellist und Musikologe Julius Berger bei aller akademischen Expertise den Saiten einen prunkvollen, dramatisch und emotional aufgeladenen Ton entlockt. Margarita Höhenrieder wiederum setzt mit ihrem luzid apollinischen Anschlag den Kontrapunkt im Auge der Beethovenschen Seelenstürme. Die Kontraste fein abgestuft, behalten sie den Blick nach oben gerichtet, der sich ruhig in den „Sternebahnen am Nachthimmel“ (Rostropovich über das Adagio der Sonate Op. 102 Nr. 1) verlieren darf.

Margarita Höhenrieder, Piano
Julius Berger, Cello
Beethoven
Complete Works for Piano & Cello
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