Hercule Poirot und der „Mord im Orientexpress“: Katharina Thalbach und die Geschwister Pfister in Glamour-Laune

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Es ist ein Klassiker aus den goldenen Jahren des britischen Kriminalromans: ‚Mord im Orient-Express‘ von Agatha Christie aus dem Jahr 1934. Der legendäre Zug bleibt auf seinem Weg von Istanbul nach Calais in einer Schneewehe liegen. Dann geschieht ein Mord. Der unsympathische Geschäftsmann Ratchett liegt erstochen in seinem Abteil. Hercule Poirot, der kleine, etwas exzentrische, belgische Meisterdetektiv und ebenfalls im Zug, ermittelt auf Wunsch des Eisenbahndirektors Bouc. Denn der Mörder kann nur unter den Fahrgästen sein.

Oft schon verfilmt, ist das kriminalistische Meisterstück nun auch auf die Bühne zu erleben. „Ich habe irgendwann einmal gesagt“, erklärt Martin Woelffer, Intendant der Komödie am Kurfürstendamm, „dass es meine Aufgabe sei, Schauspielerinnen und Schauspielern ihren größten Traum zu erfüllen. Daraufhin sagte mir Katharina Thalbach, sie habe schon immer Hercule Poirot in ‚Mord im Orient-Express‘ spielen wollen.“ So kam es, dass die Schauspielerin nicht nur den Meisterdetektiv mimt, sondern gleichzeitig auch Regie führte. „Der Figur des Hercule Poirot nähere ich mich seit 30 Jahren – genauso wie der Figur von Miss Marple, weil ich sie beide liebe, wie Geschwister. Bei der Wahl des Hercule Poirot hab ich ein bisschen meiner männlichen Seite gelauscht und fühlte mich diesem fast asexuellen Monsieur sehr zugewandt,“ erklärt sie.

In Kürze wird sich der Zug in Bewegung setzen.
V. l.: Christoph Marti, Nadine Schori, Andreja Schneider und Wenka von Mikulicz
Foto: Franziska Strauss

An ihrer Seite stehen die Geschwister Pfister. Es war der große Wunsch von Katharina Thalbach, Tobias Bonn alias Toni Pfister als Eisenbahndirektor und Assistent von Hercule Poirot neben sich zu haben. „Schon lange haben wir mit Kathi darüber gesprochen, mal etwas gemeinsam zu machen. Nie hat es richtig gepasst. Doch dann kam der ‚Mord im Orientexpress‘. Das Stück hat den richtigen Glamour-Faktor, den wir brauchen, weil wir sonst das Gefühl haben, nicht die Richtigen für das Stück zu sein“, erklärt Christoph Marti alias Ursli Pfister. Während Tobias Bonn den freundlichen, im Grunde aber sehr egoistischen Direktor spielt und genau in dieser Diskrepanz eine Herausforderung sieht, gibt Marti die laute, divenhafte Amerikanerin Mrs. Hubbard. „Genau wie wir ist Katharina Thalbach ein Fan der Travestie“, freut er sich. Sie spiele am liebsten die Kerle, er die Ladys, da wurde der vermeintliche Rollentausch plötzlich ganz selbstverständlich. Andreja Schneider, bei den Geschwister Pfister Tonis Ehefrau, macht es hingegen unheimlich viel Spaß, die harte, über ihre Dienerschaft herrschende Prinzessin Dragomiroff mit ihrem unbestimmten Alter als alte Kröte zu spielen. „Für die Prinzessin gibt es niemand besseres als Andreja“, lacht Christoph Marti. Überhaupt: Das Stück sei ja nicht nur Krimi, sondern mit seinen exzentrischen Figuren und den daraus resultierenden Situation durchaus auch Komödie.

Ein Gläschen in Ehren… Katharina Thalbach als Hercule Poirot.
Foto: Franziska Strauss

„Wir versuchen – genau wie im Film – großes Entertainment zu machen“, erklärt Katharina Thalbach. Und es wird geklotzt, wie es Andreja Schreiber auf den Punkt bringt. Die Kostüme von Guido Maria Kretschmer, echte Orient-Express-Porzellan-Tassen, viel Akribie im Vorfeld und beim Make-up sowie – das sei für die Geschwister Pfister das Schönste – Musik, Gesang und Tanz.

Die Nachfrage nach Karten sei bereits im letzten Jahr enorm gewesen. „Wir sind sehr dankbar, dass unser Publikum mit uns ein Jahr gewartet hat, bis das Stück nun endlich starten kann“, sagt Martin Woelffer. Ende 2022 muss die Komödie ihr Übergangsquartier im Schillertheater verlassen. „Aber egal, wo wir hinziehen, das Stück zieht mit“. Schließlich wolle man so viele Aufführungen spielen, wie man sich vorgenommen habe, also „mindestens 100!“ lacht er.

Mord im Orientexpress
Noch bis 19. August 2021
Wieder ab 12. März 2022

Komödie am Kurfürstendamm
im Schiller-Theater
Bismarckstr. 110
10625 Berlin

Der Artikel erschien ebenfalls in der Kulturbeilage „Berliner Bühnen“ der Berliner Morgenpost im Juli 2021.

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