EQUILIBRIUM – eine Balance in Harmonie

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Von Barbara Hoppe.

Wer in die Galerie Bermel von Luxburg eintritt, befindet sich unvermittelt in einer Oase aus Eleganz und Behaglichkeit gleichermaßen. Räume, die Großzügigkeit atmen und Intimität vermitteln. Wie gemacht für die Kunst, die hier seit zwei Jahren in regelmäßigen Ausstellungen gezeigt wird. „Man soll sich in unseren Räumen wohlfühlen“, sagt Mario Bermel, neben Aleksandra von Luxburg Gründer der Galerie in der Fasanenstraße im alten Westen Berlins unweit des Kurfürstendamms.

Fotonachweis: Bermel von Luxburg
Fotonachweis: Bermel von Luxburg

Gerade erst ging die Ausstellung MATERIA coronabedingt Ende August statt schon im Mai zu Ende, schon empfangen die Galeristen mit EQULIBRIUM pünktlich zum Start der Art Week am 9. September in neuem künstlerischem Gewand.

Es ist eine außergewöhnlich harmonische Schau. Mit Masaya Hashimoto zeigt sie zudem besonders rare Kunst: Die filigranen Objekte aus Hirschgeweih und Hirschknochen des 1978 geborenen Japaners sind florale Ästhetik, Zerbrechlichkeit und ein feiner Hauch Morbidität als Gesamtkunstwerk. Nur drei Objekte gibt es derzeit weltweit, die ausgestellt werden können. Sie alle stehen bei Bermel von Luxburg.

Masaya Hashimoto / Fotonachwei: Bermel von Luxburg
Masaya Hashimoto, rechts: Narcissus tazetta var. chinensis, 2016, Deer antler and bone, 17 x 7 x 33 cm / Fotonachweis: Bermel von Luxburg

Doch der Rundgang beginnt mit den farbenfrohen Werken des Italieners Robert Pan. Seine Farbschichten aus Farbpigmenten sowie Materialien wie Perlmutt, Gold und Silberstaub verschmelzen mit Harz zu neuen physischen Einheiten. Was fröhlich wirkt, ist das Ergebnis jahrelanger Experimente. Eine Arbeit, die sich auszahlt und den Besucher anregt, immer wieder und immer genauer hinzuschauen.

Robert Pan, ZH 9668 BG, 2018-2020, Acrylic, Resin and mixed media, 160 x 140 cm / Fotonachweis: Bermel von Luxburg

Zur Ruhe kommt das Auge ein Raum weiter. Hier liegen und stehen die Metallskulpturen von Kosuke Kato. Damaststahl ist fest in der Tradition Japans verankert. Ob bei Samurai-Schwertern, Rüstungen, Teezeremoniegeschirr oder Zeremonialgefäßen – Damaststahl zählte dort nach Keramik lange zu dem zweitwichtigsten Material. Kosuke Kato sucht nach neuen Perspektive und Ausdrucksformen für den harten Stoff, dessen gesprenkelte, silbrige Wellen dem Kräuseln des Wassers ähneln. Schon das Hauptwerk seiner Debütausstellung 2016 überzeugte so sehr, dass es das Philadelphia Museum of Art sofort kaufte. „Aria VII“, Cadenza I“, „Legato V“ und „Cube“ heißen die Skulpturen des Künstlers bei Bermel von Luxburg.

Kosuke Kato: Legato V / Fotonachweis: Bermel von Luxburg
Kosuke Kato, Legato V, 2019, Hammered Damaskus Steel, 45 x 30 x 29 cm / Fotonachweis: Bermel von Luxburg

Sie bilden mit den Werken von Christo Daskaltsis einen schwarz-weißen Kontrapunkt zu Robert Pan. Die Bilder des gebürtigen Düsseldorfers Daskaltsis legen den Fokus auf den Schaffensprozess. Farbe auf Leinwand oder Aluminium wird mit Terpentin behandelt und mit einem Besen gefegt. Nicht selten sind es mehr als 50 Schichten, die er mit äußerster Präzision aufträgt. Das Ergebnis sind Werke, die frei von vorgefassten Vorstellungen des Künstlers sind und viel Raum geben, die eigene Fantasie schweifen zu lassen.

Christo Daskaltsis, 0816-04, 2016, Oil on aluminum, 110 x 180 cm / Fotonachweis: Bermel von Luxburg

Masaya Hashimotos filigrane Werke finden ihren würdigen Rahmen durch die großformatigen Bilder von Philipp Haager. Auch er arbeitet mit unzähligen Schichten. Durch Tuschelasuren auf wassergetränkten, ungrundierten Leinwänden entstehen lichtdurchflutete Bildräume und faszinierende farbliche Wechselspiele.

Philipp Haager: Pastel Nebula, 2015 / Fotonachweis: Bermel von Luxburg
Philipp Haager, HDF #11 Pastel Nebula, 2015/2016, Indian ink, umprimed canvas, 150 x 150 cm / Fotonachweis: Bermel von Luxburg

„Wir wollen mit EQUILIBRIUM eine Balance schaffen“, erklärt Mario Bermel und ergänzt: „Wenn wir schon nicht mehr richtig reisen können, dann möchten wir wenigstens in unserer Galerie eine ausgeglichene Internationalität herstellen.“ Ein Anspruch, der rundum gelingt. Im letzten Raum der Schau finden sich zudem neben Werken von Thomas Canto auch die Installationen „Deep Thought“ und das gerade fertig gestellte „Balance“ von Olaf Schirm.

Mehr als nur ein Appetitanreger sind die fast schwebenden Porzellanskulpturen von Nadège Mouyssinat. Sie machen Lust, den Weg in die Villa Francke nach Potsdam einzuschlagen. Dort findet mit „The Tipping Point“ eine große Sonderschau der französischen Künstlerin statt. In opulenten und lichtdurchfluteten Räumen entfalten ihre Werke eine faszinierende Ausstrahlung. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, spielt doch der Lichteinfall bei vielen Stücken eine entscheidende Rolle.

EQUILIBRIUM
Ausstellung bis zum 14. November 2020

Bermel von Luxburg Gallery
Fasanenstraße 29
10719 Berlin
Dienstag bis Freitag: 12 bis 18 Uhr
Samstag: 11 bis 16 Uhr

The Tipping Point
Bis 4. Oktober 2020

Villa Francke
Gregor-Mendel-Straße 23
14469 Potsdam
Nach Vereinbarung: +49-163-624 95 80

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