Zwischen pastellleuchtender Dämmerungsstimmung und expressionistischem Aufbruch

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Feuilletonscout Das Kulturmagazin für Entdecker MusikBeatrice Rana spielt Ravel und Stravinsky. Rezension von Ingobert Waltenberger.

Kein Wunder, dass diese CD von den wissenden französischen Kollegen des „Diapason d’or“ mit dieser ihrer höchsten Auszeichnung bedacht worden ist.

Mit einem russisch-französischen Programm zwischen pastellleuchtender Dämmerungsstimmung (Ravels „La Valse“) und expressionistischem Aufbruch in die Moderne (Stravinskys Transkriptionen der Ballettpartituren „Der Feuervogel“ und Ausschnitte aus „Petrushka“), zeigt uns Beatrice Rana, dass auch hier farbenfrohes Raffinement, kraftvoll zupackende Passion, sensible Ausleuchtung von Phrasen und hohe dynamische Kontraste beste Zutaten einer faszinierenden Klavierkunst sind. Die erst 26-jährige Süditalienerin, die schon mehrfach mit Antonio Pappano auch im Studio zusammengearbeitet hat, überzeugt durch Klarheit und intellektuelle Durchdringung, aber auch den Funken an energetischer Besessenheit, der den monströsen Stravinsky Schöpfungen ihre volle Genialität zuteilwerden lässt.

Das Album beginnt mit einer von den technischen Mitteln, vor allem einer stupenden Anschlagskunst her vielschichtigen Interpretation von Ravels fünfsätziger Suite „Miroirs“, wo Rana die subtileren Seiten ihrer pianistischen Kunst auskostet und magisch fluoreszierende Klangräume evoziert. Rana sieht in Ravels Musik Naturszenarien, die vom Orchesterklang inspiriert sind. Die vielfältigen Stimmungen in ihren konkret programmatischen Bezügen von „Noctuelles“, „Oiseaux tristes“, „Une barque sur l’océan“, „Alborada del gracioso“ und „La vallée des cloches“ erstehen aus einer erzählerischen Perspektive. Die von Rana detailreich gestalteten Episoden, atmosphärisch von chiaroscuro, nebelverhangen, provokant dissonant bis zu glockenklar jubelnd, versetzen den Hörer in eine traumverhangene Galerie, aus Tönen gebaut, fragil und vergänglich. Wir folgend diesem schwindelerregenden Parforceritt auf den Tasten in Bewunderung und Dankbarkeit. Spätestens mit dieser CD hat sich Beatrice Rana in den pianistischen Olymp katapultiert.

Anmerkung für Reisefreudige: Beatrice Rana hat in ihrer Heimatregion Spongano das Kammermusikfestival „Classice FORME“ gegründet, dem sie als künstlerische Leiterin vorsteht.

Konzerte:
12. Dezember 2019:
Wiener Konzerthaus mit dem London Philharmonic Orchestra unter Vladimir Jurowski
Peter Iljitsch Tschaikovsky
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b-moll op. 23 spielen.

4. Februar 2020
Soloprogramm mit Bach, Schumann, Albéniz und Stravinsky im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin.

Beatrice Rana
Stravinsky und Ravel
Warner Classics 2019
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Zwischen pastellleuchtender Dämmerungsstimmung und expressionistischem Aufbruch, 4.9 out of 5 based on 19 ratings

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