Zwischen Leichtigkeit und Schwermut: Natalia Ehwald spielt Schubert und Schumann

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Feuilletonscout Das Kulturmagazin für Entdecker MusikRezension von Ingobert Waltenberger.

In Regionen, „wo die Phantasie durch das traurige ,Allerletzte‘ nun einmal vom Gedanken des nahen Scheidens erfüllt ist.“ Franz Schubert

Passion, Geheimnis des Lebens, inneres Verzehren, Ahnung um die letzten Dinge, intimes Zurückträumen, milde Nachsicht und unentrinnbares Schicksal: Das sind nur einige Gefühle und Gedanken, die den Hörer bei Ehwalds lodernder Interpretation der ersten zwei Sätze der späten Schubert-Sonate in A-Dur in den Sinn kommen. Aber auch klirrender Schabernack und schelmischer Übermut im Scherzo sowie versöhnliches Sehnen und ein hoffnungsfroher Dämmerschein im Final-Rondo gehören zum Ausdrucksrepertoire der deutschen Pianistin.

Diese Schumann gewidmete mittlere der drei letzten Sonaten ist ein wahrlich unerhörtes musikalisches Weltall. Mir gefällt, mit welcher Selbstverständlichkeit die hochbegabte Klavierspielerin an diese Sphären herangeht,  sich die Emotionen mit schlafwandlerischer Empathie aneignet und in einen höchstpersönlichen Klang transponiert. Wie aus der Ferne scheint Schubert selbst den Takt vorzugeben. Tränen in Freud und Schmerz fallen wie schwarz irisierende Perlen von den Tasten ab. Das Schicksal hat das letzte Wort und es geht ja noch einmal gut aus.

Schumanns „Humoresken“, mit 29 Jahren innerhalb kurzer Zeit vollendet, spiegeln das seelische Auf und Ab des Komponisten im Konflikt mit seinem Schwiegervater in spe. Letzterer setzte sich lange der Hochzeit seiner Tochter Clara Wieck mit Schumann vehement in den Weg. Der „Humor“ des Stücks ist eigentlich nur aus der Antithese zu den emotional verhärteten Schlieren,  die das Stück durchziehen, verständlich. Auch für diesen Kosmos an widerstreitenden Gefühlen zwischen ausgelassener Emphase und düsterer Selbstreflexion, liedhafter Einfachheit und schroffen Abgründen kreiert Natalia Ehwald das passende Arsenal an diversifizierter Anschlagskultur, extremen Tempokontrasten, spontan geatmetem Innehalten und dynamischer Zuspitzung.

Ein Album zwischen Leichtigkeit und Schwermut, Licht und Schatten. Mit dem pulsierenden Herzschlag einer großen Künstlerin zu wachem Leben erweckt.

Natalia Ehwald
Klaviermusik von Schubert und Schumann:
Sonate D. 959, Humoreske Op. 20;
Genuin 2018
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Coverabbildung © Genuin

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Zwischen Leichtigkeit und Schwermut: Natalia Ehwald spielt Schubert und Schumann, 4.4 out of 5 based on 7 ratings

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