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!Tipp: „Mumien der Welt“. Eine Ausstellung im Römer-und Pelizaeus-Museum HildesheimDie bisher umfangreichste Mumienschau in Deutschland fasziniert mit fast 5000 Jahren Menschheits- und Kulturgeschichte.

Gleich am Eingang hängt eine große Weltkarte. Viele Punkte zeigen, wo überall Mumien gefunden oder Menschen bewusst als Mumie bestattet wurden. Es sind sehr viele Punkte, und sie beschränken sich nicht auf Ägypten. Die Fundorte reichen vom Polarkreis bis nach Südamerika, von Ozeanien bis in die Moorgebiete der Niederlande. Lenin wurde einbalsamiert und auch Eva Péron. Während man den einen immer noch anschauen kann, fand die andere nach langer Odyssee schließlich sechs Meter unter der heimischen Erde ihre letzte Ruhestätte.

26 Menschenmumien, 174 Tiermumien und ganz hervorragendes Informationsmaterial zeichnen diese absolut sehenswerte Ausstellung aus. Es berührt zu sehen, wie unterschiedlich vergangene Generationen mit ihren Toten umgegangen sind. Wie man sie konservierte und damit weiterleben ließ oder wie zufällig es manches Mal war, dass Menschen nicht verwesten. So blieben 265 Bewohner des kleinen ungarischen Ortes Vác, bestattet in den Jahren 1731 bis 1838, der Nachwelt in der Krypta der Dominikanerkirche erhalten. Darunter die 26-jährige Terézia Borsodi und ihr Sohn. Weil sie bei der Geburt starb, wagte ein Arzt den Kaiserschnitt. Doch überlebte der Junge nur kurze Zeit. Bestattet wurde er im Arm seiner Mutter, beide in schlichten Kleidern. Ein zutiefst bewegender Anblick.

Der Mensch und der Tod sind ständige Begleiter durch die Ausstellung. Ob religiöse Motive, ungeklärte oder gewaltsame Todesfälle im Moor und natürlich der Totenkult der Ägypter – die Gründe der Mumifizierung sind sehr unterschiedlich. Doch nie werden die Toten bloßgestellt. Und immer wieder: Viel Lesestoff auf großen Tafeln, sehr leserlich, ohne wissenschaftlichen Kauderwelsch und dennoch ausgesprochen lehrreich. Erstaunlich, wie man nach so vielen Jahre noch herausfinden kann, wer dort liegt, was der- oder diejenige gegessen hat und wie alt er oder sie vermutlich wurde. Nicht selten liefern die wissenschaftlichen Untersuchungen wertvolle Erkenntnisse für unsere heutige Forschung: So waren die Toten von Vác überwiegend mit einem Tuberkulosevirus infiziert, das uns heute helfen kann, die Krankheit zu bekämpfen. Doch auch stets die Ohnmacht, wenn die Wissenschaft an ihre Grenzen stößt und kaum etwas herauszufinden war.

Beeindruckt verlässt man das sehr schöne Römer- und Pelizaeus-Museum: Gerade hat man eine Zeitreise unternommen, die einem nicht nur unsere Endlichkeit vor Augen führt, sondern auch einen großen kulturgeschichtlichen Bogen schlägt.

Mumien der Welt
Ausstellung noch bis zum 28. August 2016
Katalog: „Mumien: Der Traum vom ewigen Leben“

Mumien-Flyer

Römer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim
Am Steine 1-2
31134 Hildesheim

Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag: 10 bis 18 Uhr

10 Euro/8 Euro

 

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