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Chirurgie_Liegeterasse Beelitz Heilstätten einst

Chirurgie Liegeterrasse einst… / © go2know

Als 1902 die Zahl der Tuberkulose-Kranken in Berlin drastisch anstieg und fast jeder zweite Bewohner der Stadt krank war und damit viele weitere Menschen ansteckte, mussten schnellstmöglich Maßnahmen ergriffen werden, der Krankheit Herr zu werden.

Auf einem großen, freien Gelände vor den Toren der Stadt fand die Landesversicherungsanstalt schließlich ein geeignetes Terrain, eine Lungenheilanstalt nebst Sanatorium zu bauen. In der frischen Luft, mit den neuesten Standards der Medizin versehen – keine Ecken, glatte Flächen, kurze Wege – entstanden die Heilstätten in Beelitz. Wer als Kranker hier ankam, der staunte: Großzügige Häuser, licht- und luftdurchflutet mit maximal zwei Personen pro Zimmer, erwarteten die Arbeiter, die nur ihre dunklen, schlecht durchlüfteten und hygienisch unzumutbaren Hinterhofwohnungen kannten. Die Politik der Krankeneinrichtung war: nur eine gesunde Seele kann heilen. Und dazu gehört eine schöne, für Entspannung sorgende Umgebung.

Chirurgie _Beelitz Heilstätten heute

… und heute / © go2know

Längst ist die alte Pracht zerbröckelt, zusammengestürzt, eingebrochen. Doch der Glanz schimmert auch zwischen Gesteinsbrocken, Glasscherben und Vandalismusschäden durch. Die Heilstätten in Beelitz, ihre abwechslungsreiche Geschichte – nach der Tuberkulose kamen 1945 die Russen und nach 1994 nichts mehr, außer die Vandalen und die Natur – sind unbedingt einen Ausflug wert. Vieles ist akut Einsturz gefährdet, anderes darf besichtigt werden. Am besten mit einer Führung, denn nur so beginnen die Ruinen zu leben, wird Medizin- und Heilgeschichte anschaulich. Und wer will, der kann beim Besuch der alten Chirurgie sogar eine Stunde auf Exkursion gehen und selbst Fotos machen. Wenn man allerdings dem kundigen Führer und seinen Geschichten lauscht, entstehen Bilder einer vergangenen Zeit. Alte Fotografien zeigen, wie es einmal war. Und es besteht Hoffnung: Inzwischen liegen Pläne vor, das Areal umfangreich zu sanieren, den Ruinencharakter vielfach zu erhalten und in eine gepflegte Parkanlage mit Museum zu integrieren. Daher: Schnell noch einmal hin, denn es sind gerade die morbid-charmanten Überreste der Vergangenheit à la Zauberberg, die besonders fesselnd sind.

Führungen hier

 

Baumkronenpfad Beelitz Heilstätten

© Feuilletonscout

Über den Wipfeln

Wer dann doch noch etwas aus der Jetzt-Zeit  braucht und über den Dingen stehen möchte, der kann auf dem Baumkronenpfad lustwandeln und die Welt von oben betrachten. Der gut 300m lange Steg auf dem Gelände der Beelitzer Heilstätten ist einen Spaziergang wert: Weit über Brandenburg reicht der Blick, bei gutem Wetter bis zum Berliner Fernsehturm.

Beelitz Heilstätten und Baumkronenpfad. Infos hier
Hier klicken für: „Beelitz-Heilstätten. Vom Sanatorium zum Ausflugsziel (Geschichts- und Erinnerungsorte)“

 

 

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