Stippvisite London: Ein neuer Stern am Klavierhimmel?

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Feuilletonscout Das Kulturmagazin für Entdecker MusikDie Preisträgerin des Wettbewerbs der Cambridge University Musical Society, Churen Li, spielte am Wochenende Rachmaninows c-moll-Konzert in der West Road Concert Hall in Cambridge. Kapellmeister Jac van Steen trieb das junge Cambridge University Orchestra zu plastischer Musikgestaltung an. Problematischer Mitspieler jedoch war der Saal selbst. Von Stephan Reimertz.

Als jüngste ihres Jahrgangs, mit neunzehn Jahren, machte Churen Li ihren Bachelor an der Universität Singapur, wo sie bei Albert Tui studierte. Ihren Master erwarb sie an der Yale Music School bei Peter Frankl und Hung-Kuan. Sodann erhielt sie an der Cambridge University einen Master in Musikphilosophie. Derzeit ist Chuan Li Fakultätsmitglied des Konservatoriums in Singapur. Sie erhielt vielerlei Auszeichnungen und zeigt sich offen gegenüber Neuer Musik; in Darmstadt wurde sie schon verschiedentlich gesichtet. Am Wochenende erfreute sie das Publikum in Cambridge mit Rachmaninows c-moll-Konzert.

Rachmaninow, der Klaviersymphoniker

Im Gegensatz zu den jungen Absolventinnen des Moskauer Konservatoriums, die bei diesem Konzert damit verblüffen, wieviel Kraft eine Frau in den Fingern haben kann, und die Musik mitunter auch einmal brachial auffassen, haben wir es bei Churen Li vom ersten Akkord an mit einem überaus kultivierten, weichen Klang zu tun, der in den Läufen etwas geradezu Perlendes erhält. Vor allem überzeugt die Pianistin durch einen hohen Grad geistiger Durchdringung dieses überaus populären Stücks. Bei jeder Note ist sie sich der Funktion und Gewichtung vollständig bewusst. Die Verbindung von feinsinniger, runder Musikalität und analytischer Klarheit lassen Churen Li als eine Musikantin erscheinen, die zu schönen Hoffnungen Anlass gibt.

Die Halle war zu klein für große Musik

Jac van Steen, weltweit bekannter Kapellmeister, der mit den unterschiedlichsten Orchestern Erfahrungen gesammelt hat, vermochte das Cambridge University Orchestra zu ungeahnter musikalischer Differenziertheit zu führen.  Sogar die unvermeidliche Moldau, als einer von drei Teilen aus Antonín Dvořáks Tondichtung Mein Vaterland im Rahmenprogramm, ließ so eine geradezu neuartig wirkende Detailarbeit hören. Kapellmeister und Orchester sparten nicht mit poetischer Einfühlung. Die West Road Concert Hall in Cambridge freilich ist zu klein für großangelegte symphonische Musik des neunzehnten Jahrhunderts. Der Backsteinbau eignet sich hingegen ideal für Neue Kammermusik. Ein Zentrum für die musikalische Moderne wäre an diesem Ort mehr als wünschenswert.

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