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Stippvisite London: Die Primaballerina des Zwanzigsten Jahrhunderts

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LondonIn Ergänzung des Ballettabends „Margot Fonteyn: A Celebration“ huldigt das Royal Opera House Covent Garden der Jahrhunderttänzerin in einer denkwürdigen Kammerausstellung. Von Stephan Reimertz.

Während das Foyer der Münchner Staatsoper an eine Staatsbibliothek erinnert, der Besucher in Wien und in der Opéra Garnier in Paris das Herzklopfen kaum im Zaume halten kann, wenn er die festlichen Räume betritt, während das Bayreuther Festspielhaus an seinem hölzernen Werkstattcharakter festhält, gleicht das Royal Opera House Covent Garden in London einem Kaufhaus. Betont unfestlich wird an jeder Ecke irgendetwas feilgeboten, und die herabgestimmte Atmosphäre drückt sich auch auf den Zuschauer nieder. Das Publikum, so international wie in kaum einem anderen Opernhaus, fühlt sich kaum festlich gehoben. Einziger Vorteil der Banalisierung: Man bekommt in der Pause auch Eis!

Auf Du und Du mit Odette und Odile

Das Royal Opera House Covent Garden ist zugleich die Heimat des Royal Ballet. In Erinnerung an seine unvergessliche Prima Ballerina lief der Ballettabend „Margot Fonteyn: A Celebration“, der derzeit nicht auf dem Programm steht. Das Foyer der Oper zeigt jedoch eine Fonteyn-Kammerausstellung mit Kostümen, Dokumenten und Photos. Es berührt schon merkwürdig, vor einem Glaskasten mit dem Originalkostüm der zierlichen Ballerina zu stehen, sei es aus Schwanensee, sei es aus dem Nußknacker. So nah ist man der legendären Ballerina schon physisch nie gekommen.

Künstlerisch und privat mit Rudolf Nurejew

Faszinierend zu sehen, wie Margot Fonteyn es bereits 1949 auf das Cover der Illustrieren „Time“ schaffte und in der Folge eine Repräsentantin nicht allein des klassischen Balletts, sondern auch Englands wurde; geradezu ein Mitglied der Royal Family. Die brillanten Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen sie nicht allein in ihren bekannten Rollen im Pas des Deux mit dem langjährigen Tanzpartner Rudolf Nurejew, sondern sie lassen die beiden auch privat ins Bild, wobei der Humor nicht zu kurz kommt. Die Ausstellung bietet eine umfassende Erinnerung an die charismatische Tänzerin und hält die Ballettwelt der zweiten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts lebendig.

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