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Stefan Pieper findet, dieses Buch muss Gehör finden.

Vergessen Sie alles, was Sie im Geschichtsunterricht über das Mittelalter gelernt haben! Es gibt eben nicht nur die drögen Abhandlungen über Päpste, Kirchen etc. – eben all das, was in heutiger Wahrnehmung ein finsteres und rigides Zeitalter assoziieren lässt. Nein – die Menschen im Mittelalter verkörperten das pralle Leben, man muss nur die Quellen richtig „sprechen“ lassen, um dies wieder in den Blick zu bekommen! In dieser Hinsicht sind die „Canterbury Tales“ des Geoffrey Chaucer (1343-1400) ohne Beispiel.

Aber diese Erzählungen sind – zumindest außerhalb des angloamerikanischen Sprachraums immer noch ein weißer Fleck auf der literarischen Landkarte. Dabei können sie in punkto Sprachgewalt locker einem literarischen Giganten wie Willliam Shakespeare das Wasser reichen.

Bruce Wadsworth, Gitarrist, Musikreferent und -pädagoge in der Ruhrgebietsstadt Marl sowie Konzertveranstalter der renommierten „Marler Debuts“ war von kleinauf von Chaucers Texten infiziert. Der gebürtige Kalifornier hat Chaucers „Canterbury Tales“ mit liebevoller Akribie neu übersetzt –und damit eigentlich viel mehr als das geleistet. Denn die eigene Leidenschaft für die amüsanten, oft schlüpfrigen, gerne hintergründig-ironische Geschichten weckten bei Bruce Wadsworth ganz viel eigenes dichterisches Potenzial. Die Sätze und Reime bersten vor Sprachwitz wie der oft reportagehafte Blickwinkel an trockenem Humor kaum noch zu steigern ist. Oft bündelt sich in Nebensätzen und Exkursen maximale philosophische Weisheit, die von einer regelrecht modern anmutenden Geisteshaltung des Autors zeugt.

Die öffentliche Premiere in Gestalt einer musikalischen Lesung geriet im Marler Theater zur Sternstunde – kein Wunder, verfügt Wadsworth von Berufs wegen doch über beste Kontakte in der Musikszene: Thomas Gimbel, versierter Schauspieler und Regisseur, durchlebte mit sämtlicher sprachlicher Emphase die Geschichten und Schwänke aus dem Leben korrupter Geistlicher, betrunkener Pilger und vieler anderer schräger Gestalten – dieses live erfahrbare, oft schreiend komische Sittengemälde macht Lust, weiter in diese ferne Epoche wie in einer Zeitmaschine einzutauchen.

Sittengemälde aus dem Mittelalter: Geoffrey Chaucers „Canterbury-Tales“ liegen in bahnbrechender Neuübersetzung vor!

© Bruce Wadsworth

Zur Laute griff Jörg Hilbert, der ein Experte in Sachen Alter Musik ist und vor allem als erfolgreicher Verfasser und Illustrator der Kinderbuchserie „Ritter Rost“ bekannt wurde. Das extrem artikulationssichere Blockflötenspiel von Alina Harig, einer Preisträgerin im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“, passte ebenfalls bestens darauf.

Jetzt geht es darum, mit diesem literarischen „Nischenprodukt“ im lauten, übersättigten Medienmarkt Fuß zu fassen. Verschiedene Verlage haben bereits „Interesse bekundet“ und es sind weitere Aufführungen geplant. Damit all dies noch konkreter wird, braucht dieses Projekt dringend eine weitere „Vernetzung“! Wer neugierig geworden ist und vielleicht Ideen für Aufführungs – oder Publikationsmöglichkeiten hat, kann sich direkt beim Autor melden.

Bruce Wadsworth ist telefonisch erreichbar unter 08532-87603 oder 0174-7748 864

Kleine Mini-Kostprobe daraus:

Der Kaufmann sprach, „An Tränen, Leid und Sorgen
Hab ich genug am Abend und am Morgen,
Wie wohl so mancher andre Gatte hier.
Das heißt zuallermindest denk ich´s mir,
Weil es in meinem Fall sich so verhält.
Ich hab die schlimmste Ehefrau der Welt;
Und hätte sie den Teufel selbst als Mann,
Sie würde ihn zu Boden schreien dann.
Was soll ich davon lange Worte machen?
Sie ist auf jede Art ein Ehedrachen.
Denn zwischen ihrer Bosheit grauenhaft
Und der Geduld der Maid Griselda klafft
Ein himmelweiter Unterschied. Wär ich
Noch unbeweibt, ich würde sicherlich
Die Schlingen einer Ehe jetzt vermeiden.
Ein Gatte muss viel Kümmernis erleiden.
Wer, bei St. Thomas, sich mit einem Weib
Verehelicht, erfährt´s am eigenen Leib –
Nicht immer, in der Regel aber schon.
Verhüte es der Herr und Gottes Sohn!
„Ach, Wirt, ich bin zwei Monate vermählt
Und habe mich von früh bis spät gequält.
Denn stäche man dem Hagestolz ins Herz
Sein Leben lang, so würde der an Schmerz
An Kümmernis viel weniger erfahren,
Als mir in nur acht Wochen widerfahren,
Durch meines Weibes üble Tyrannei.“
„Nun,Kaufmann“, sprach der Wirt, „Gott steh Euch bei.
Ich bitte Euch, da Ihr in Liebesfragen
Erfahren seid, uns davon was zu sagen.“
„Sehr gern“ sprach er. „Doch fiel es mir zu schwer
Von meinem Kümmernis zu sagen mehr.“

Sittengemälde aus dem Mittelalter: Geoffrey Chaucers „Canterbury-Tales“ liegen in bahnbrechender Neuübersetzung vor!, 5.0 out of 5 based on 2 ratings