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Ende letzten Jahres spielte er mit Kent Nagano am Dirigentenpult „Lieder eines fahrenden Gesellen, Kindertotenlieder, Rückert-Lieder“ von Gustav Mahler ein (s. Feuilletonscout vom 22. 11.2013), am 1. Juni trat er beim Mozartfest in Würzburg auf (s. Feuilletonscout v. 28.5.2014), jetzt steht er als Mozarts „Don Giovanni“ auf der Bühne in Frankfurt/Main: Christian Gerhaher. Ein Bariton, der selbst damit kokettiert, dass er vom Typ her eigentlich einen Jonas Kaufmann in der Rolle sehe, den aber die Selbstsicherheit des Verführers, aber auch des Mörders, interessiert. (vgl. Interview bei kultiversum). Ein alternder Mann, dem das Verführen dennoch gelingt.

Mozarts „Don Giovanni“ mit dem Libretto von Lorenzo da Ponte entstand 1787. Die Oper variiert den Don Juan-Stoff und gilt als eines der Meisterwerke der Operngeschichte. Regisseur Christof Loy hat sich in Frankfurt dafür entschieden, die Wiener Fassung der Oper zu inszenieren, bei der am Ende nicht Don Giovannis Höllenfahrt steht, sondern eine geläuterte Gemeinschaft.

kultiversum lobt: „Christian Gerhaher […] gibt Giovanni nicht einfach als gebrochenen Bonvivant. Er geht am Stock, aber er singt mit berstender Virilität. Das satte Forte, über das er durchaus gebietet, bleibt nur eine Farbe unter vielen. Es kann kippen in fast lautlose Melancholie, sanften Nachdruck, lyrische Eleganz. Es ist die Mischung aus Fragilität und Fülle, die dieses Rollendebüt ausmacht […]“

Die Frankfurter Rundschau ebenso: „Regisseur Christof Loy hatte es geschafft, die in unzähligen Varianten (scheinbar) ausinterpretierte „Oper der Opern“ nochmals gleichsam ganz neu zu erzählen. Das geschah deutlich, entschieden, jedoch ohne krasse Effekte, Schauplatz-Veränderungen oder krampfige Fingerzeige […]Es war zu erwarten, dass Christian Gerhaher, der große lyrische Bariton und Liedersänger, kein Don Giovanni in beschwingt-charismatischer Passform sein würde. Gleichwohl überraschte die Radikalität dieser Verkörperung, das Ausmaß der herausgestellten Gealtertheit, Kaputtheit, Geistesabwesenheit, Handlungsunfähigkeit.“

BR online begeistert: „Christian Gerhaher spielt und singt ihn grandios auf den Punkt, diesen nicht mehr ganz taufrischen Egomanen, für den sich in Christof Loys ungewöhnlicher, aber perfekt durchdachter Inszenierung gleich am Anfang das Blatt wendet: Zum ersten Mal haben seine sexsüchtigen Eskapaden ein Menschenleben gefordert […]Der Rest ist die bezwingend und unglaublich spannend in Szene gesetzte Verschiebung psychologischer Kräfte […]“

hr online meint: „Die Frankfurter Oper wagt einen ungewohnten Blick auf einen Mythos – schlüssig und wunderbar passend zu Mozarts dramatischer Musik.“

Weitere Informationen und Tickets:
Oper Frankfurt
Untermainanlage 11
60311 Frankfurt am Main

Weitere Termine mit Christian Gerhaher
15. Juni: „Carmina Burana“ (Carl Orff) im Kulturforum Berlin
20. und 23.Juli: „L’Orfeo“ (Claudio Monteverdi) in der Bayrischen Staatsoper in München