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Dass er sterben wird, wissen die Zuschauer von der ersten Minute: In der Silvesternacht 2008/2009 starb der 22-jährige Afroamerikaner Oscar Grant während eines Polizeieinsatzes in einer U-Bahnstation, nachdem sich ein Schuss aus der Waffe eines Beamten gelöst hatte. Oscar wollte sein Leben ändern: Er hatte mit Marihuana gedealt, saß im Gefängnis. Den Job im Supermarkt hatte er wegen Zuspätkommens verloren, die Freundin hatte er betrogen. Mit dem neuen Jahr sollte alles anders werden. Als er in der Silvesternacht mit der U-Bahn zur Neujahrsfeier fährt, gerät er mit einem weißen Ex-Knacki in Streit. Die Situation eskaliert, am Ende liegt Oscar tot in der Fruitvale Station, San Francsisco Bay Area.

Der Debütfilm des Regisseurs Ryan Coogler basiert auf einem wahren Fall. Zahlreiche Zeugen filmten das Geschehen mit ihren Handys. Deren Aufnahmen standen Coogler zur Verfügung. Er zeichnet die letzten 24 Stunden von Oscar nach, zeigt, wie er am Bett seiner Tochter sitzt und man hört seine Mutter, die ihm aus Sicherheitsgründen rät, besser die U-Bahn zu nehmen. Der Weg, der ihm zum Verhängnis wird.

Der Deutschlandfunk hält fest: „Der wunderbare Film „12 Years a Slave“ des schwarzen Briten Steve McQueen über die US-Sklavenhalter-Gesellschaft des 19. Jahrhunderts – in diesem Jahr mit dem Oscar ausgezeichnet – und „Fruitvale Station“, der wunderbare, sehr traurige Film des Afroamerikaners Ryan Coogler über den alltäglichen Rassismus in den USA – im vergangenen Jahr sowohl in Cannes als auch beim Sundance Film Festival ausgezeichnet – , diese Filme gehören in ein Double-Feature.“

Deutschlandradio Kultur meint: „Der Vorfall auf der Fruitvale Station zeigt den alltäglichen Rassismus eines Landes und seiner Exekutive. […] Es ist diese Eindeutigkeit, die den Zuschauer direkt zur Stellungnahme auffordert. Deshalb kann man sich der Geschichte und der Wut, aus der sie entstanden sein muss, nicht entziehen.“

Zeit online: „Unmissverständlich macht der Film klar, dass Oscar Grant als Weißer noch am Leben wäre. Dennoch verfilmt Coogler hier nicht ein antirassistisches Pamphlet, sondern er zeigt auch den offenen und toleranten zwischenmenschlichen Umgang in der San Francisco Bay Area. Genau dieser konsequente Wille zur Ambivalenz zeichnet Nächster Halt: Fruitvale Station aus, in der die strukturellen Gewaltverhältnisse, aber auch die individuellen Handlungsmöglichkeiten sichtbar werden.“

Cinema online: „Nächster Halt: Fruitvale Station“ ist ein Meisterwerk der subtilen Spannung und ein faszinierendes Beispiel für die Sugges­tionskraft des Kinos. Am Ende trauert man um einen Menschen, dem man nie begegnet ist. Doch man hat das Gefühl, ihn gut gekannt zu haben.“

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