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Neu im Kino: „Freistatt“In westdeutscher Nachkriegszeit wurde nicht lange gefackelt, wenn Kinder und Jugendliche als aufmüpfig und schwer erziehbar galten: Bis in die sechziger Jahre hinein kamen sie in kirchliche oder staatliche Erziehungseinrichtungen, wo sie häufig missbraucht und als billige Arbeitskräfte eingesetzt wurden. Danach landeten viele der seelisch Versehrten, die Widerspenstigsten unter den schwer Erziehbaren, in der so genannten Fürsorgeanstalt Freistatt bei Diepholz, wo das Martyrium weiterging.

Regisseur Marc Brummund, selbst in Diepholz geboren, begann seine Filmkarriere mit Werbefilmen, viele von ihnen preisgekrönt. Dokumentationen, Kurz- und Fernsehfilme (u.a. „Der Dicke“) folgten. 2010 erhielt Brummund gemeinsam mit Nicole Armbruster für „Freistatt“ als „bestes Drehbuch – unverfilmt“ den Deutschen Filmpreis.

Der jetzt vorliegende Film zeigt die Qualen der Kinder und Jugendlichen in Freistatt aus der Sicht von Wolfgang, der 1968 als 14jähriger dorthin kommt. Er beruht weitgehend auf Erzählungen des heute 70jährigen Wolfgang Rosenkötter, der selbst in Freistatt untergebracht war. Die Uraufführung von „Freistatt“ fand im Januar 2015 statt. Gleichzeitig erhielt der Film den Preis der Jugendjury und dem Publikumspreis beim Filmfestival Max-Ophüls-Preis. Hauptdarsteller Louis Hoffmann erhielt den Bayerischen Filmpreis als bester Nachwuchsdarsteller.

Deutschlandradio Kultur hält fest: „“Freistatt“ dramatisiert und beschleunigt zwar die Ereignisse, vermeidet aber die Darstellung der Figuren in radikalen Schwarz-Weiß-Kontrasten. Bei aller Brutalität und Härte bleiben selbst die unangenehmsten Figuren facettenreich. […]“Freistatt“ ist ein spannend inszeniertes Drama über schwarze Pädagogik unter dem Deckmantel christlicher Fürsorge, über einen Mikrokosmos aus Gewalt und gegenseitigen Abhängigkeiten.“

Focus online meint: „Brummund erzählt die harte Geschichte in schnörkellosen Bildern. […] Das vom bravourös agierenden Louis Hofmann angeführte Ensemble packt mit einem fast dokumentarisch anmutenden Spiel, das jeglichen denkbaren Anflug von Sentimentalität vermeidet. Durch die Präsenz der Akteure ist man als Zuschauer sofort mitten im Geschehen und emotional gepackt.

Cinema online fasst zusammen: „Während das Schwarz-Weiß-Drama „Von jetzt an kein zurück“ […] durch seine elliptische Erzählweise einen ambitionierteren Zugang gewählt hat, entfaltet Brummunds intensiv gespieltes Kinodebüt eine dramatische Wucht, die den Zuschauer nachhaltig erschüttert.

 

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