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Neu im Kino: „Das Märchen der Märchen“Zehn Frauen erzählen an fünf Tagen insgesamt 50 Märchen. Giambattista Basiles (1575 – 1632) „Il Pentamerone“ erschein in den Jahren 1634 bis 1636. Der Italiener legte damit den Grundstein für Märchenerzähler wie die Brüder Grimm oder Ludwig Tieck. Viele Motive finden sich später auch in den deutschen Erzählungen wieder.

Der italienische Filmemacher Matteo Garrone, der 2008 mit der Mafia-Dokumentation „Gomorrha – Reise ins Reich der Camorra“ Aufsehen erregte, verknüpft in seinem aktuellen Spielfilm drei Märchen des Erzählzyklus‘ zu einer Geschichte.

Da gibt es zum einen die unglückliche Königin von Longrellis, die sich nichts sehnlicher wünscht als einen Nachkommen. Mit dem Herzen eines Seeungeheuers gelingt das Wunder einer Schwangerschaft schließlich. Gleichzeitig bekommt die Jungfrau, die das Herz zubereitet hat, ebenfalls einen Sohn. Die innige Freundschaft der Kinder macht die Königin schon bald skeptisch.

Zum anderen begehrt der König von Strongcliff eine junge Frau – die einzige, die er in seinem Reich noch nicht in seinem Bett gehabt hat. Was er erst nach der Liebesnacht sieht ist, dass die vermeintlich junge eine faltige, verlebte alte Frau ist. Voller Wut wirft er sie aus dem Turmfenster seines Schlosses.

Und drittens schließlich züchtet der König von Highhills einen Riesenfloh, um den er sich mehr sorgt als um seine Tochter. Was für die junge Frau schließlich bedeutet, nach dem Tod des Flohs an einen unmenschlichen Hünen verheiratet zu werden.

Spiegel online hält fest: „[…] der besondere Reiz des Films liegt in seiner Unvorhersehbarkeit. Nie weiß man, was als Nächstes passiert. Bei einer satten Laufzeit von 133 Minuten lässt Garrone die Geschichten sich bedächtig und traumverloren entfalten, was den über 300 Jahre alten Schätzchen gut bekommt.“

Die Berliner Morgenpost meint: „Garrone hat also, wenn es das überhaupt gibt, ein neorealistisches Märchen gedreht. Hat ihm ein ganz eigenes Gepräge gegeben, die Antithese zu aller Disneyfizierung und „Shrek“-Artigkeit. Während man bei jüngsten Kinomären wie „Spieglein Spieglein“ oder „Cinderella“ schnell einen Zuckerschock ob des Kitschbombasts erleidet, wird man hier auf ganz andere, ganz eigene Art wirklich gefangen genommen. Und, im besten Sinne, verzaubert.“

Cinema online lobt: „Die Handlung springt so geschickt zwischen den einzelnen Episoden hin und her, dass der Film trotz seiner betont langsamen ­Erzählweise einen geradezu hypnotischen Sog entwickelt. […] Ein magisches Kinoerlebnis, das sich ganz auf die poetische Kraft seiner Erzählung verlässt und auf digitale Effekte weitgehend verzichtet.“

 

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