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Mozartwoche Salzburg 2023: Weltklasse aus Freiburg

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Kristian Bezuidenhout rekonstruiert im Mozarteum an einer Brown-Hammerklavier-Replica Mozarts Jeunehomme-Konzert und sein Rondo A-Dur. Das Freiburger Barockorchester sekundiert unter Konzertmeister Gottfried von der Goltz. Von Stephan Reimertz.

Während Winterstürme an Türen und Fenstern des Mozarteums rüttelten, brachen im Innern, mit Hemingway zu sprechen, die »torrents of spring« aus, als das Freiburger Barockorchester seinen diesjährigen Beitrag zur Mozartwoche vorstellte. In der G-Dur-Symphonie KV 74 aus dem Jahre 1770 arbeitete das legendäre Orchester beispielhaft heraus, wie der jugendliche Komponist zwar noch das klassische Modell der italienischen Opernsinfonia erfüllt, mit latenten Temperamentsausbrüchen allerdings schon dagegen aufbegehrt. Mit dem Klavierkonzert in Es-Dur KV 271, als Jeunehomme-Konzert bekannt und heute Jenamy-Konzert geheißen, komponierte Mozart ein Werk, das die Initiative des Klaviers erheblich erhöht und ihm so gegenüber dem Orchester stärkeres Charisma verleiht. Der Südafrikaner Kristian Bezuidenhout spielte das von Robert Brown nachgebaute Bertsche Hammerklavier, das sich anempfindlich in den klanglich sensiblen Großen Saal des Mozarteums einfügt; ganz im Gegensatz zu dem modernen Steinway, der hier oft gespielt wird, und dessen Wirkung an diesem Ort nur mit einem Presslufthammer verglichen werden kann.

Die Wahl der Version

Vor der Pause spielte Bezuidenhout als Pianistenzugabe die Allemande aus Mozarts C-Dur-Suite KV 399, die er bereits bei seinem letzten Auftritt in der Mozartwoche an seinem Solo-Abend vor zwei Jahren gespielt hatte. In der unvollendeten Suite setzt sich Mozart mit seinen musikalischen Vätern auseinander. Besonders gespannt waren wir alle nach der Pause. Würde Bezuidenhout das Rondo A-Dur für Klavier und Orchester KV 386 in der Originalversion vortragen, die freilich erst seit 1980 bekannt ist, als der Musikwissenschaftler Alan Tyson in der British Library die verschollenen Blätter entdeckte, oder würde er die häufiger gespielte Version des Pianisten Cipriano Potter mit einem langen Klaviersolo am Ende bevorzugen, wie sie in der Mozart-Gesamtausgabe von 1960 steht?

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Mozartwoche 2023: Freiburger Barockorchester / Kristian Bezuidenhout (c) Wolfgang Lienbacher

Im Treibsand der Geschichte

Bezuidenhout und das Freiburger Barockorchester gaben der Potter-Version den Vorzug und zeigten damit wiederum, wie sehr sie gewillt sind, in ihren Konzerten neben weniger Bekanntem auch das Gewohnte zu bieten. In diese Kategorie gehört auch der Schlussstein des Abends, die sog. »kleine« g-moll-Symphonie KV 74, wiederum aus dem Jahre 1770, deren Andante als Orchesterzugabe wiederholt wurde.

So stand der Abend unter dem Vorzeichen eines revolutionären Rumorens innerhalb des Jugendwerks Mozarts, das Bezuidenhout an dem aufwendigen Instrumentnachbau und das Freiburger Barockorchester mit Konzertmeister Gottfried von der Goltz, der aus der Position des ersten Geigers heraus das Weltklasse-Orchester mit wenigen Winken leitete, mit einem durchsichtigen, dabei mehr blütenhaften als kristallinen Klang, für ein diszipliniertes und kenntnisreiches Publikum deutlich machten.

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Ein Gedanke zu „Mozartwoche Salzburg 2023: Weltklasse aus Freiburg“

  1. Bellissimo concerto, non amo particolarmente il Fortepiano ma questa esecuzione è veramente superlativa!

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