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Hikikomori – so nennt man in Japan das Phänomen, sich dem Erwachsen werden und dem damit einhergehenden Druck der Gesellschaft zu verweigern. Meist sind es junge Männer, die versuchen, den wachsenden Ansprüchen auszuweichen. So auch der 20-jährige Ich –Erzähler Taguchi Hiro. Zwei Jahre hat er sich in seinem Zimmer im Hause seiner Eltern verschanzt, bevor er sich auf einer Parkbank niederlässt. Dort sitzt schon Ohara Tetsu, 50 Jahre alt, korrekt im Anzug gekleidet und gerade arbeitslos geworden. Aus Angst, seiner Frau die Wahrheit zu sagen, verbringt er die Tage auf der Bank im Park.

Langsam kommen die beiden ins Gespräch. Und nach und nach entwickelt sich der Dialog zur gegenseitigen Lebensbeichte, in der es um Freundschaft, Liebe, Einsamkeit und Verrat geht.

„Ich nannte ihn Krawatte“ ist der dritte Roman Milena Michiko Flašar, die 1980 als Tochter einer Japanerin und eines Österreichers geboren wurde.

Deutschlandradio Kultur resümiert: „Die Erzählung dieser beiden am Leben verzweifelten Menschen ist auch empfehlenswert, weil wir diskret aufgefordert werden, wieder richtig hinzuschauen und hinzuhören […]  vor allem aber, weil sie aus einem Guss und stilistisch schlicht und ansehnlich ist und weil sie zwischen Vorstellung, Idee und Wirklichkeit immer die Waage hält.“

Die ZEIT (13/2012) konstatiert: „Ich nannte ihn Krawatte“ ist nicht nur ein Roman über das japanische Gegenwartsphänomen des Hikikomori, sondern auch eine Parabel über unbesiegbare Widrigkeiten des Erwachsenwerdens in den Kulturen modernster Industrienationen – und, dann doch, deren Überwindung.“

Buchcover “Ich nannte ihn Krawatte”

Milena Michiko Flašar:
Ich nannte ihn Krawatte

Wagenbach Verlag, Berlin 2012

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