Menschen mit Musik: “Verbotene Lieder”

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Kolumne von Susanne Falk.

Babyshark, die Titelmelodie von Yakari und so ziemlich jeder Disney-Song, den je eine Disney-Prinzessin in die Welt hinausgeschleudert hat: Bei uns daheim dürfen diese Lieder nicht mehr gesungen werden. Der familieninterne Index ist da ziemlich eindeutig. Was mich nicht davon abhält, auf bekannte Melodien eigene Texte zu dichten und diese dann mit Vergnügen meinen Kindern um die Ohren zu hauen.

Wer wird nicht gern geweckt zu Mamas spezieller Version von „Good Morning“ aus „Singin‘ In the Rain“? Okay, niemand. Ich sing nur halt gerne. Und der Song steht daheim auch nicht auf dem besagten Index, weil ich jedes Mal einen anderen Text zusammenreime. Das mit den selbstgereimten Texten hab ich von meinem Vater übernommen. Ich bin da mittlerweile gar nicht so schlecht drin, aus dem Stegreif Songs zu texten. Das machen bei uns daheim übrigens alle, selbst die Kinder. Aber wehe, man kommt denen mit „Let It Go“! Da zieht man besser den Kopf ein und flüchtet „Into The Unknown“!

Abgesehen von meinem wahrlich schlechten Geschmack, was Disneysongs anbelangt, gibt es ja noch die Variante der tatsächlich verbotenen Lieder. Darauf fanden und finden sich so absurde Dinge wie der Allzeitstöhner „Je T’aime… Moi Non Plus“ aus dem Jahr 1969 von Jane Birkin und Serge Gainsbourg oder auch NWA‘s „F..k Tha Police“ von1988. Meistens geht es bei Verboten gewisser Songs um Sex, häufig auch um Gewaltverherrlichung oder Drogenkonsum oder auch mal um bedenkliche politische Inhalte. Sprich: Es geht also eigentlich immer und ausschließlich um den Text. Melodien hat man nur verboten, wenn es dazu auch einen Text gab, den jeder kannte, so dass man ihn gar nicht mehr zu singen brauchte und dennoch wusste, was gemeint war. Wobei es ja freilich spannend ist zu beobachten, was in einer Gesellschaft als verwerflich gilt und was nicht. Das ist doch stark dem Zeitgeist unterworfen. „Relax“ von Frankie Goes to Hollywood? Heute ist das ein Klassiker der Discoära, aber damals…

Verbote sind üblicherweise vom jeweiligen Kulturkreis abhängig. Deutsche reagieren (völlig zurecht) sehr sensibel auf jede Form von rechtsnationaler Songpoetik, die diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient, in Ungarn wird man wohl derzeit weder „Relax“ noch irgendeinen Song von Conchita Wurst öffentlich spielen können, ohne Gefahr zu laufen, irgendwelche homophoben, politischen Kräfte zu triggern. Obwohl – das käme auf einen Versuch an.

In meiner letzten Kolumne hatte ich ja angeregt, dass man die ESC-Siegersongs zur europäischen Hymne auf die Dauer eines Jahres erklären könnte. Man stelle sich vor, der ungarische Regierungschef oder der polnische Staatspräsident würden dazu angehalten, zu einem Song wie „Rise Like a Phoenix“ eine Militärparade abzunehmen… Europa wäre ein besserer Ort! Und die Welt insgesamt ein noch schönerer, wenn es keine Militärparaden mehr gäbe…

 

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